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18 Mai 2021

Michelle Gisin: «Das Schöne ist, dass sich Plan A bis jetzt immer ausgezahlt hat».

Im Gespräch mit «Fokus» verrät Olympiasiegerin Michelle Gisin, was sie von ihren Geschwistern Dominique und Marc für ihre Karriere lernen konnte und was sie an ihrem Heimatort Engelberg besonders schätzt.

Frau Michelle Gisin, Sie sind die erste Schweizer Olympiasiegerin in der Alpinen Kombination und die erste Schweizer Gewinnerin eines Weltcup Slaloms seit 19 Jahren. Was ist Ihr nächstes Ziel?

Mein nächstes Ziel… (seufzt) Das ist schwierig. Eigentlich nehme ich Rennen für Rennen und gehe Schritt für Schritt nach vorne. Ein riesengrosses Ziel von mir ist es, in jeder Disziplin mal einen Podestplatz oder vielleicht sogar einen Sieg erringen zu können. 

Nach Ihrer Matura haben Sie sich sogleich ausschliesslich dem Skisport gewidmet. Wollten Sie nie etwas anderes machen?

Doch, ich wollte sehr oft auch etwas anderes machen, als «nur» Ski zu fahren. Es hätte mich auch extrem interessiert, zu studieren, das tut es immer noch. Aber mein Plan A war es immer, Ski zu fahren. Wenn es aus irgendeinem Grund nicht geklappt hätte, hätte ich andere Pläne gehabt. Aber das Schöne ist, dass sich Plan A bis jetzt immer ausgezahlt hat und dass ich das Glück habe, meinen Sport immer noch ausüben zu dürfen, denn es ist definitiv immer noch meine grösste Leidenschaft.

Ich wollte sehr oft auch etwas anderes machen, als «nur» Ski zu fahren.

Michelle Gisin

Ihre beiden Geschwister Dominique und Marc waren ebenfalls Ski-Profis, haben Ihre Karrieren aber beendet. Was konnten Sie von Ihren Geschwistern für Ihre Karriere lernen?

Ich konnte von meinen beiden Geschwistern extrem viel lernen. Es ist unglaublich, wie viel ich von ihnen profitieren konnte und durfte. Nach wie vor ist es so, dass ich es extrem schätze, von ihnen so viel Feedback zu bekommen. Ich habe das grosse Glück, dass ich mich zu Hause mit zwei absoluten Spezialisten austauschen darf und kann und ich denke, da habe ich einen riesengrossen Vorteil. Sie haben mir in praktisch allen Bereichen unglaublich viel beigebracht – sei es im Skifahren oder mit den Medien, aber auch konditionell, technisch, mental und so weiter.

Profisport ist ein hartes Metier. Warum lohnt es sich dennoch?

Der Profisport… das ist die Frage: Ich weiss nicht, ob sich der Profisport an sich lohnt im Sinne von, ob es «das» ist, was zählt. Denn für mich ist es die Leidenschaft, die entscheidet, und meine grösste Leidenschaft ist das Skifahren. Wenn es etwas anderes wäre, dann wäre es etwas anderes. Ich geniesse es extrem und ich finde, man muss unbedingt seine Leidenschaft finden und dann auch wirklich ausleben, wenn man das grosse Glück wie ich hat, dass man das kann und darf. 

Sie sind in Engelberg verwurzelt. Was schätzen Sie an Ihrem Heimatort besonders?

Ich schätze Engelberg extrem, weil es für mich der schönste Ort der Welt ist. Die Umgebung, die Berge… Es ist absolut atemberaubend! Ich war schon an sehr vielen touristischen Winterorten, aber nie hat mich etwas so sehr begeistert, wie unsere Berglandschaft. Ich geniesse auch die Gemeinschaft im Dorf, man kennt sich. Es ist einfach wunderschön!

Ich schätze Engelberg extrem, weil es für mich der schönste Ort der Welt ist.

Michelle Gisin

Sie sind beruflich viel unterwegs. Was machen Sie, wenn Sie das Heimweh packt?

Ich bin sehr sehr viel unterwegs, das ist so. Heimweh gibt es doch immer wieder mal, ja. Ich habe immer ein kleines Kerzchen dabei und Schokolade. Das hilft (lacht). Je nachdem, wo man ist und was man isst (lacht). Ja, ich habe so gewisse Tricks. Das Schöne ist, ich fühle mich wohl in meinem Team. Wir haben ein sehr familiäres Verhältnis. Das ist sehr schön und das hilft. Aber meine Kerze, ab und zu auch Ruhe sowie das Hotelzimmer so einrichten, dass es sich ein bisschen nach zuhause anfühlt, das hilft ebenso. 

Sie sind für «Protect Our Winters Schweiz» als Botschafterin gegen den Klimawandel tätig, jetten aber beruflich oft um die Welt. Wie lässt sich das vereinen?

Das ist natürlich einer der Punkte, der oft diskutiert wird. Es gehört nun mal zu meinem Beruf, viel zu reisen. «Protect our Winters» möchte aber eben aufzeigen, dass jeder etwas beitragen kann – ich lebe in einem Minergie Haus und achte beispielsweise sehr darauf, so optimal wie es nur geht unsere Solar-Stromproduktion zu nutzen. Ich glaube, es ist extrem wichtig, dass jeder das macht, was in seinem Bereich möglich ist. Und wenn die grossen Entscheidungsträger dies auch tun, kommen wir aus meiner Sicht vorwärts. 

Was nehmen Sie sich für das Jahr 2021 vor?

Ich nehme mir vor, mehr in der Gegenwart zu leben, mehr im Hier und Jetzt – weniger an meinem Handy oder an irgendwelchen Bildschirmen, was nicht gut funktioniert bisher, aber wir haben ja zum Glück noch ein paar Monate (lacht).

Entweder – oder

Fondue oder Raclette?

Raclette

Skiferien oder Strandurlaub?

Strandurlaub, weil ich einfach schon das ganze Jahr in den Skiferien bin (lacht). Es klingt vielleicht etwas amüsant, aber es fühlt sich manchmal wirklich so an. Da muss ich mir immer wieder in Erinnerung rufen, wie schön es ist, dass ich das Skifahren als meinen Beruf bezeichnen kann.

Glühwein oder Punsch?

Punsch, definitiv. Das erinnert mich an mein «Müeti», meine Grossmutter.

In der Freizeit: Snowboarden oder Skifahren?

Das ist eine sehr einfache Frage: Selbstverständlich Skifahren! (lacht)

Einen Schneemann bauen oder einen Schneeengel machen?

Schneemann bauen macht mehr Spass, weil man es in der Gruppe machen kann.

Schlittschuhlaufen oder Schlitteln?

Definitiv Schlitteln. Die Eleganz geht mir völlig ab; da habe ich lieber das Tempo.

Hotel oder Ferienwohnung?

Definitiv die Ferienwohnung; ich lebe ja schon im Hotel. Aber am liebsten bin ich zu Hause!

Interview Fatima Di Pane Text Lars Gabriel Meier Headerbild Oskar Enander

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