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26 Februar 2021

Wendy Holdener hat immer gehofft, dass der Traum «Skirennfahrerin» aufgeht.

Wendy Holdener spricht mit «Fokus» über ihre Liebe zum Skisport und zur Heimat und verrät, wie sie mit Rückschlägen umgeht.

Frau Wendy Holdener, wie kamen Sie zum Skisport und was bedeutet er Ihnen?

Ich bin in eine ski-fanatischen Familie geboren worden (lacht). Meine Eltern fuhren schon mit grosser Leidenschaft Skirennen, meine beiden älteren Brüder ebenso. Natürlich tat auch der Ort – ich bin ja in Unteriberg im Hoch-Ybrig aufgewachsen – sein Übriges: Da fährt man im Winter entweder Ski oder geht Langlaufen. So war ich eigentlich schon immer auf den Skiern, kam sozusagen mit Skiern an den Füssen zur Welt (lacht).

Der Skisport bedeutet mir sehr viel – es ist meine grosse Leidenschaft und ein Stück weit auch mein Leben. Ich liebe es, Ski zu fahren und investiere praktisch alles in den Sport. Ich habe allerdings auch das Glück, dass mir der Sport schon sehr viel zurückgegeben hat.

Die Liebe zum Skisport wurde uns wohl auch so mitgegeben – die Eltern und Brüder lieben es auch immer noch und wann immer wir können, sind wir auf den Skiern. Auch wenn dies bei mir natürlich ein wenig komplizierter ist – ich bin ja hauptsächlich zu Hause, um mich zu erholen und muss natürlich auch auf Trainingseinheiten und Regeneration achten. Aber ich gehe zum Beispiel sehr gerne auf Skitouren und kombiniere dabei gleich Spass und Training. Trotzdem: Wenn es frisch geschneit hat und der Tiefschnee noch liegt, dann muss ich das natürlich ausnützen und auf die Piste!

Der Skisport bedeutet mir sehr viel – es ist meine grosse Leidenschaft und ein Stück weit auch mein Leben.

Wendy Holdener
Welchen Beruf würden Sie heute wohl ausüben, wenn Sie nicht Skirennfahrerin geworden wären? Wären Sie der Hotellerie treu geblieben?

Ich habe die Lehre in der Hotellerie gemacht, weil der Zeitaufwand für eine Matur meines Erachtens nebst dem Sport zu gross gewesen wäre. Deshalb habe ich mich für die Hotelfachschule entschieden, aber wäre sonst wahrscheinlich nicht unbedingt auf diesen Beruf gekommen. Ich wollte einfach eine abgeschlossene Ausbildung haben – beruflich hatte ich immer gehofft, dass der Traum «Skirennfahrerin» aufgehen würde. Daher ist es schwer zu sagen, was ich sonst machen würde, ich wusste es nie wirklich, da hat auch die Berufsberatung nicht genützt (lacht).

Wer ist Ihr grösstes Vorbild und weshalb?

Ich finde Sportler allgemein sehr faszinierend; vielleicht, weil ich jetzt auch «dieses Leben» führe. Ich erfahre immer sehr gerne, wie Sportler mit verschiedenen Szenarien und Situationen umgehen. Ich war aber sicher immer ein grosser Fan von Didier Cuche! Ein weiteres Vorbild war für mich aber auch mein Bruder Kevin, der ja vor mir Ski gefahren ist – dem habe ich nachgeeifert!

Sie müssen aufgrund Ihres Berufes oft reisen – was bedeutet Heimat für Sie?

Das Nachhausekommen ist für mich jedes Mal aufs Neue ein sehr schöner Moment – die Rückkehr in ein vertrautes Umfeld, wenn ich «meine» Berge wiederhabe, den See und all das. Das gibt mir Kraft und Freude – und natürlich auch die Möglichkeit, meine Liebsten wiederzusehen!

Haben Sie einen Lieblingsort in der Schweiz? Wenn ja, welcher und warum?

Ich liebe es allgemein, in der Schweiz zu sein, das habe ich kürzlich wieder gemerkt. Ich war zuvor eine Woche unterwegs und wir haben auch nicht immer nur gut gegessen. Und jetzt die schönen Berge und das feine Essen wieder zu haben – das liebe ich. Lieblingsorte habe ich hier zu Hause in der Region, aber die sind schwierig zu beschreiben oder erklären. So oder so gibt es viele Ecken hier in der Schweiz, die ich liebe. Mein persönlicher Sechser im Lotto ist natürlich, wenn wir die Rennvorbereitung im Hoch-Ybrig absolvieren – dann kann ich gleichzeitig auch zu Hause sein.

Gibt es Orte in der Schweiz, die Sie gerne noch entdecken möchten? Wenn ja, welche?

Ich muss zugeben, ich habe noch nicht alles gesehen – ich war zum Beispiel noch nie am Caumasee. Es gibt so einige Bergseen, die ich bereits auf Bildern gesehen habe, zu welchen ich gerne einmal hinwandern würde. Ehrlich gesagt war ich noch nicht in allzu vielen Städten, da gibt es noch einige, die ich sehr gerne sehen würde. Ich freue mich darauf, all dies noch zu entdecken! Dieses Jahr habe ich den Creux du Van auf meine Liste gesetzt und besucht.

Ich muss zugeben, ich habe noch nicht alles gesehen – ich war zum Beispiel noch nie am Caumasee.

Wendy Holdener
Wo und wie tanken Sie Energie?

Ich schlafe gerne (lacht). Aber auch baden oder Zeit mit meinen Freunden sowie in der Natur zu verbringen, das gibt mir Kraft und Energie. Was ich im Winter und Frühling sehr gerne mache, ist, mit den Tourenskiern Richtung Hoch-Ybrig los und dann von dort den Sonnenuntergang zu geniessen.

«Das Wichtigste ist, die Freude am Skifahren nicht zu verlieren.»
Wer hat Sie in Ihrer bisherigen Karriere am meisten unterstützt?

Es haben mir zwar sehr viele Menschen auf diesem Weg geholfen und helfen teilweise immer noch, aber diejenigen, die mich von Anfang an immer unterstützt haben, sind meine Eltern. Sie haben immer alles gemacht, um uns den Skisport – der ja doch ziemlich teuer ist – zu ermöglichen. Sie sind auch heute noch diejenigen, die mir am meisten helfen und immer an mich glauben.

Was raten Sie jemandem, der eine ähnliche Karriere wie Sie anstreben möchte?

Das Wichtigste ist, die Freude am Skifahren nicht zu verlieren. Denn es ist kein einfacher Weg, aber wenn man Freude an dem hat, was man tut, dann kann man es weit bringen. Man muss zwar hart arbeiten und viel investieren, aber es kommt auch sehr viel retour.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen und Niederlagen um?

Ich bin sehr emotional – am Anfang geht mir sowas meist zu nah. Dann brauche ich auch einen Moment, um das zu verdauen. Nachher bin ich eher eine faktenorientierte Person. Im Sinn von: Warum ist das jetzt passiert? Wo lag der Fehler? Woran muss ich arbeiten, was ändern, um dies künftig zu vermeiden? Sobald ich solche Sachen herausgefunden habe, kann ich aber nach vorne schauen, das Positive mitnehmen und weiterarbeiten.

Was sind Ihre Ziele für die Saison 2020/21?

Mein grosses Ziel ist die WM in Cortina im Februar. Klar, der Slalomsieg, der immer noch aussteht, den will ich auch noch holen – aber momentan bin ich etwas im Verzug mit dem Training. Daher muss ich erst mal die Ruhe wiederfinden und Zeit ins Training investieren. Deswegen werde ich wohl noch ein wenig Zeit brauchen, um dort auch wieder zuvorderst mitzufahren.

Wie wirkte respektiv wirkt sich die Coronapandemie auf das Renngeschäft und Sie persönlich aus?

Ehrlich gesagt hatten wir bisher ziemlich Glück diesbezüglich – klar, ich musste letzte Woche drei Mal zum Test antreten, das war ein wenig viel auf einmal. Aber abgesehen vom Testen und dem ständigen Maskentragen können wir normal unserem Tagesgeschäft nachgehen. Natürlich kann ich nicht mehr alle Freunde treffen, wegen des Ansteckungsrisikos und weil ich negativ getestet sein muss, um an einem Rennen teilzunehmen. Aber alles in allem kann man sagen, dass wir bisher sehr verschont geblieben sind.

Entweder – oder

Fondue oder Raclette?

Schwierige Frage (lacht). Ich liebe beides, aber wenn ich mich entscheiden müsste – was ich eigentlich nicht möchte (lacht) – dann Fondue.

Skiferien oder Strandurlaub?

Ferien sind für mich am Strand.

Glühwein oder Punsch?

Punsch – Orangenpunsch! (lacht)

In der Freizeit: Snowboarden oder Skifahren?

Skifahren, aber ich möchte unbedingt mal wieder auf dem Snowboard stehen, auch wenn ich es nicht so wirklich beherrsche. Eigentlich wäre ich ja letztes Jahr Snowboarden gegangen, aber dann kam Corona.

Einen Schneemann bauen oder einen Schneeengel machen?

Schneeengel.

Schlittschuhlaufen oder Schlitteln?

Schlitteln!

Hotel oder Ferienwohnung?

Hmm… Ferienwohnung.

Interview Patrik Biberstein

Headerbild ZVG

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