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11 April 2021

Stress lass nach – zur Hilfe kommen Adaptogene.

In der traditionellen chinesischen Medizin sind sie schon lange kein Geheimnis mehr: Adaptogene. Diese aussergewöhnlichen Pflanzen sorgen für wesentlich erhöhte Energie, Stressresistenz, eine Stärkung des Immunsystems und noch viel mehr.

Bei einem Wutausbruch, ausgelöst durch die Abneigung gegenüber Brokkoli, hört das Kind einfach nicht auf, von seinem starken Stimmorgan Gebrauch zu machen. Gleichzeitig kündigen die nervigen Geräusche des Laptops eine Flut von E-Mails an, welche kein Ende nehmen. Die Arbeit ruft. Der Blick wandert vom Laptop zum Geschirr, das schon seit Tagen unberührt im Spülbecken liegt und einen verurteilend anschaut. Auch das noch. Abends, wenn sich der Körper dann müde und schlapp anfühlt, möchten man nichts lieber tun als in einen tiefen Schlaf zu fallen. Es könnte so einfach sein. Doch das Gedankenkarussell erleuchtet hell. Eine Verschnaufpause scheint unmöglich. Man ist gestresst.

Die vielen Gesichter von Stress

Heutzutage ist Stress eine natürliche Konstante des modernen Lebens. Ungünstigerweise weist dieser Alltagsbegleiter viele Gesichter auf. «Körperlich kann sich Stress als erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck, vermehrtes Schwitzen, Verdauungsbeschwerden, muskuläre Verspannung oder Spannungskopfschmerzen zeigen», erklärt Michaela Girsch, Heilpraktikerin und Dozentin für Pflanzenheilkunde. Bei Frauen ist es durchaus möglich, dass sich Stress sogar auf den Hormonhaushalt auswirken. Seelische oder körperliche Belastungen können auch in Form von Ungeduld, Gereiztheit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder Überforderungsgefühlen auftreten. Damit aber nicht genug. Frau Girsch erläutert: «Häufig spiegelt sich Stress auch im Verhalten wider. Ein erhöhter Konsum von Speisen, Alkohol, Tabak oder anderen Drogen sind zu beobachten. Möglich ist aber auch Appetitlosigkeit. Oft neigen sehr gestresste Menschen auch zu einem gefährlichen Fahrverhalten, Extremsport oder sind insgesamt sehr unruhig.»

Adaptogene als Helfer in der Not

Eine mögliche Lösung, Stress ausser Kraft zu setzen, bieten Adaptogene. Das sind pflanzliche Substanzen, welche die Widerstandsfähigkeit unseres Körpers gegenüber diversen Stressoren erhöhen. Zu diesen Stressoren gehören chemische wie Nikotin oder Alkohol, physikalische wie Lärm oder starke Temperaturwechsel sowie auch psychische wie zum Beispiel Unsicherheit, Angst oder Über- und Unterforderung. Spezifisch wirken Adaptogene folgendermassen gegen Stress: «Einerseits wird die Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol in der Nebenniere gesenkt. Dadurch hat man weniger stressbedingte Beschwerden. Andererseits wird der Energiestoffwechsel gesteigert, indem vermehrt Adenosintriphosphat gebildet wird. Hierdurch wird die geistige und körperliche Aktivität gesteigert», so Heilpraktikerin Girsch. Adaptogene haben dabei den grossen Vorteil, dass sie nicht als temporäre Stimulantien, etwa wie Kaffee, funktionieren. «Im Gegensatz zu Koffein, Nikotin und Amphetaminen, Substanzen, die im Stress oft zum Einsatz kommen, wirken Adaptogene nicht stimulierend, sondern ausgleichend und regulierend. Sie wirken dementsprechend nicht kurzfristig. Ihre Wirkung baut sich allmählich auf», präzisiert Girsch.

Drei wesentliche Adaptogene mit unterschiedlicher Wirkung

Drei Pflanzen stehen vor allem im Mittelpunkt: der Ginseng, die Taigawurzel und die Rosenwurz.

Ginseng (Panax Ginseng), der aus den Bergwäldern Chinas und Koreas stammt, ist für seine chamäleonartigen Eigenschaften bekannt. Er wird nicht nur bei stressbedingten Beschwerden eingesetzt, sondern auch bei Müdigkeit und Erkältungen. «Er wirkt ganz allgemein stärkend, kräftigend und liefert Energie. Traditionell hat sich die Wurzel in der Altersheilkunde bewährt und wird in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten bei nachlassender körperlicher Leistungsfähigkeit und einsetzenden Altersbeschwerden eingesetzt», so Girsch.

Zeigt wie Ginseng selber aussieht.
Ginseng kann in Form von Pulvern, Extrakten oder Tinkturen produziert werden.

Die Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) wird bei körperlicher Kraftlosigkeit, welche von Müdigkeit begleitet wird, empfohlen. «Sie wirkt allgemein kräftigend, hat aber zusätzlich eine abwehrstärkende Wirkung. Gerade wenn gestresste Menschen sehr infektanfällig sind, ist sie das Richtige.»

Zeigt wie die Taigawurzel ausschaut.
 Die Taigawurzel ist unter anderem auch bekannt als sibirischer Ginseng.

Die Rosenwurz (Rhodiola rosea) ist besonders wegen ihrer antidepressiven Wirkung gefragt. Eine Studie ergab, dass Rosenwurz stimmungsstabilisierend und energiespendende Effekte aufweist. «Rosenwurz wirkt ebenfalls kräftigend und zusätzlich stimmungsaufhellend. Sie ist das richtige Adaptogen bei einer Erschöpfungsdepression», erklärt Girsch.

Zeigt auf was Rosenwurz ist.
Die im Handel erhältliche Rosenwurz kommt meistens aus dem Hochgebirge, wo sie sich zwischen Felsblöcken versteckt.
Die Einnahme und Nebenwirkungen

Normalerweise werden Adaptogene über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten eingenommen. Dabei können sie in verschiedenen Formen zu sich genommen werden. Man hat die Wahl zwischen Pulvern, Kapseln, Tabletten bis hin zu Pflanzentinkturen und Tees. Frau Girsch betont: «Sicher gibt es in der Schweiz auch einige Drogerien, die Spezialitäten anbieten. Wichtig ist aber ein ausreichender Wirkstoffgehalt. Aus diesem Grund sind die drei Adaptogene auch keine Nahrungsmittel. Hier muss abgegrenzt werden zum sogenannten Brainfood.»

Im Grossen und Ganzen ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass Adaptogene einen sehr einflussreichen Effekt haben können. Was sie aber nicht können, ist die Ursache von Stress beseitigen. Dafür ist schlussendlich jeder selbst verantwortlich. 

Was löst Stress in der Partnerschaft aus? Hier gehts weiter.

Text Evgenia Kostoglacis

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