Interview von Ayman Duran

Dean Schneider: «Wir müssen lernen, Tiere so zu lieben, wie sie sind»

Zwischen Löwen, Hyänen und Affen: der Tierflüsterer über das Leben im Tierschutzreservat.

Im Herzen von Südafrika liegt die Hakuna-Mipaka-Oasis – ein privates Schutzgebiet, das Wildtieren ein sicheres Zuhause bietet und gleichzeitig Menschen durch digitale Einblicke für die Natur begeistert. Der Schweizer Dean Schneider verbindet fachliches Know-how mit viel Aufmerksamkeit und Fürsorge für die Tiere. Im Interview erzählt er, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit der Natur ist und wie ein Alltag auf der Oase aussieht. 

Herr Schneider, Sie haben insgesamt über 34 Millionen Follower auf Social Media und betreiben ein 400 Hektar grosses Tierschutzreservat in Südafrika. Was ist Ihre Mission?

Meine Mission ist es, Tiere in die Herzen der Menschen zu bringen, indem ich weltweit Menschen inspiriere und aufkläre – über die Schönheit und die Bedeutung der wilden Tierwelt unseres Planeten. 

Sie spielen mit Löwen, schmusen mit Hyänen und rennen neben Geparden. Wie oft sind Sie täglich in Situationen, die ein Alltagsmensch nicht überleben würde?

Wenn ich vor einem meiner Löwen stehe, würde ein gewöhnlicher Mensch das nicht überleben. Der Grund, warum diese Situation für mich nicht tödlich ist, liegt in meiner Beziehung zu diesen Wildtieren. Wenn jedoch ein normaler Mensch in derselben Situation wäre – ohne diese Verbindung zu den Tieren – würde das nicht gut ausgehen. Egal, ob ich eine Schlange umsiedle, Chucky am Morgen Hallo sage oder ein Check-up bei den Löwen ansteht – jede Person ohne diese Bindung würde sich dabei in Lebensgefahr begeben. 

Dean Schneider mit Löwen

Wie verändert sich die Beziehung, wenn Sie und Ihre Tiere sich mal eine Zeit lang nicht sehen? Brauchts dann zuerst mal wieder etwas mehr Distanz?

Distanz definitiv nicht – aber mehr Aufmerksamkeit! Denn vor allem bei Rudeltieren ändert sich das Sozialverhalten und da muss ich die Dynamik neu analysieren. Das ist auch ein Indikator dafür, wie ich mich ihnen gegenüber dann verhalte, denn mein Verhalten passt sich an ihre Hierarchie und ihre Regelsetzung an. 

Wie sieht denn ein ganz normaler Tag auf der Hakuna-Mipaka-Oasis für Sie aus?

Es gibt keinen typischen Tag! An manchen Tagen sitze ich den ganzen Tag am Laptop, beantworte E-Mails oder bin in Meetings. Dann gibt es Tage, die ich komplett mit den Tieren verbringe – zum Beispiel, wenn der Tierarzt auf die Oase kommt und wir mit Operationen oder Umsiedlungen beschäftigt sind. Und dann gibt es auch Tage, an denen ich einfach gar nichts mache und versuche, meinen Kopf ein bisschen durchzulüften. Es gibt also keine feste Tagesstruktur – was auch immer ansteht, wird einfach angepackt. 

Wir sind Teil der Natur, Teil der Biologie, Teil des Ökosystems. Nur weil wir uns modernisiert haben, uns dem entziehen und unseren eigenen Betondschungel bauen, heisst das nicht, dass wir nicht ein Teil davon sind.

Die Oase wurde ins Leben gerufen, um ein Zuhause für in Gefangenschaft geborene oder verwaiste Wildtiere zu bieten und das Bewusstsein für den respektvollen Umgang zu fördern. Mittlerweile sind Sie selbst auch Vater von zwei Töchtern. Wie ist es, Kinder inmitten eines Wildreservats grosszuziehen?

Sehr schön! Ich kann ihnen die wichtigen Werte im Leben viel einfacher auf den Weg geben und sie haben natürlich direkten Kontakt und Bezug zur Natur, weil wir in Südafrika davon umgeben sind. 

Und durften die beiden Kleinen, Nayla und Maliyah, schon einmal ganz nah an die Löwen heran?

Ja, aber nur durch den Zaun. Es gibt ein Video, in dem ich mit einer Babypuppe zu den Löwen reingegangen bin – als kleiner Teaser. Viele Leute dachten damals tatsächlich, dass das mein echtes Kind sei. Aber die Wahrheit ist: Ich bin Teil des Rudels und meine menschliche Familie ist es nicht. Deshalb werden weder meine Kinder noch meine Frau oder sonst jemand aus meiner Familie – ausser Noeh – ohne Zaun mit den Löwen interagieren können. Aber als die Löwin Nayla operiert werden musste und unter Narkose lag, durfte meine Tochter sie einmal berühren. Das war ein ganz besonderer Moment.

Ist es Ihnen wichtig, dass Ihre Kinder auch die Schweizer Kultur und Gepflogenheiten kennenlernen und auch ab und zu mal da sind? 

Absolut! Momentan läuft es auf eine 50/50-Version hinaus. Wir verbringen etwa sechs Monate in Südafrika und fünf bis sechs Monate in der Schweiz – vielleicht ein bisschen mehr Zeit in Südafrika, solange sie noch nicht in die Schule gehen müssen. Aber mir ist es sehr wichtig, dass sie beide Länder erleben. Meine Töchter sind in der Schweiz auf die Welt gekommen und sie sollen die schweizerische Kultur, das Schulsystem und die Gepflogenheiten kennenlernen und auch leben dürfen. 

Es ist Ihnen ein Anliegen, Tiere den Menschen näherzubringen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Trotzdem gibt es hier und da kritische Stimmen, die behaupten, dass sich Tiere und Menschen gar nicht erst so nah kommen sollten, wie Sie es in Ihrem Content zeigen. Was entgegnen Sie da?

Wir sind Teil der Natur, Teil der Biologie, Teil des Ökosystems. Nur weil wir uns modernisiert haben, uns dem entziehen und unseren eigenen Betondschungel bauen, heisst das nicht, dass wir nicht ein Teil davon sind. Unsere Aufgabe ist es, die Natur zu verstehen. Und um sie zu verstehen, musst du nahe dran sein – sie sehen, spüren und erleben. Ich finde es wichtig, dass wir Tieren begegnen und wissen, wie man ihnen begegnet – mit dem richtigen Respekt und der richtigen Haltung. Die Menschen sollen durch meine Erfahrungen verstehen, wie diese Tiere wirklich sind. In jedem Bereich braucht es Protagonisten, die Dinge zugänglich machen für die breite Masse, um zu lernen, zu verstehen und zu bilden. 

Die Tiere in der Oase haben immer sehr kreative Namen, die teilweise auch von der Popkultur inspiriert sind. So heisst zum Beispiel ein Erdmännchen Timon und ein Schwein Pumba. Wie läuft die Namensgebung ab?

Zufällig – alle vom Team zur Familie können mitentscheiden. Khaleesi heisst so, weil sie eine flammenförmige Narbe an der Nase hatte, als sie bei uns angekommen ist – inspiriert von Game of Thrones. Nayla kommt von Nala aus König der Löwen. Und Snow wurde von meiner Schwester benannt, denn sie hat den gesamten Transport und die medizinischen Abklärungen finanziert. 

Sie haben Abenteurer Steve Irwin als Ihr grosses Idol genannt. Sie selbst sind längst auch das Vorbild vieler Tierfreund:innen. Was ist die Hauptmessage, die Sie jungen Leuten mitgeben möchten? 

Wir müssen lernen, die Tiere so zu lieben, wie sie sind, und nicht so, wie wir wünschten, dass sie wären!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

10.01.2026
von Ayman Duran
Vorheriger Artikel Die Social-Media-Stars der Schweiz