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Finanzen

Warum Impact Investing an Bedeutung gewinnt

11.04.2026
von SMA

Angesichts geopolitischer Spannungen, volatiler Märkte und globaler Transformationsprozesse stellen sich immer mehr Anlegerinnen und Anleger die Frage, wie Investitionen nicht nur Rendite erzielen, sondern auch zur Bewältigung grosser Herausforderungen für Gesellschaft und die Umwelt beitragen können.

Dr. Stephanie BiloChief Client & Investment Solutions Officer, responsAbility Investments AG

Dr. Stephanie Bilo
Chief Client & Investment Solutions Officer, responsAbility Investments AG

Im Kern verfolgt Impact Investing ein einfaches Prinzip: Kapital wird gezielt in Unternehmen, Projekte oder Finanzstrukturen investiert, deren Geschäftsmodell neben wirtschaftlicher Tragfähigkeit auch eine messbare soziale oder ökologische Wirkung erzeugt. Während bei vielen nachhaltigen Anlageansätzen vor allem die Berücksichtigung von Risiken und Standards im Fokus steht, ist Wirkung beim Impact Investing ein zentraler Bestandteil der Investitionsstrategie. Gleichzeitig zielt Impact Investing auf wirtschaftlich tragfähige Lösungen mit attraktivem Renditepotenzial ab – im Unterschied zur klassischen Philanthropie.

Warum Impact Investing weitergeht als ESG

Viele nachhaltige Finanzprodukte orientieren sich an ESG-Kriterien. Dabei fliessen Umwelt-, Sozial- und Führungsaspekte in die Anlageentscheidung ein. Berücksichtigt wird zum Beispiel, wie Unternehmen mit Emissionen, Arbeitsstandards oder Fragen guter Unternehmensführung umgehen. Teilweise werden auch bestimmte Branchen oder besonders problematische Risiken ausgeschlossen.

Impact Investing geht einen Schritt weiter. Hier soll Kapital nicht nur unerwünschte Risiken vermeiden, sondern gezielt eine positive soziale oder ökologische Wirkung entfalten. Diese Wirkung ist von Anfang an Teil des Investitionsansatzes, es wird also mit klarer Wirkungsabsicht investiert.

Wirkung wird damit zu einem nachvollziehbaren Bestandteil der Anlagestrategie. Dazu werden konkrete Ziele definiert und systematisch gemessen, etwa geschaffene Arbeitsplätze, vermiedene Kohlendioxidemissionen oder verbesserte landwirtschaftliche Erträge. 

Investitionen, die wirtschaftliche Chancen für Frauen stärken, gewinnen im Impact Investing zunehmend an Bedeutung.

Schwellenländer als Wirkungsräume und Diversifikation im Portfolio

Ein besonders bedeutendes Einsatzfeld für Impact-Investitionen sind Schwellenländer. Dort bestehen in vielen Bereichen strukturelle Finanzierungslücken, etwa beim Zugang zu Kapital für kleine Unternehmen, bei der Finanzierung erneuerbarer Energielösungen oder bei der Entwicklung nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktionssysteme.

Gleichzeitig entstehen in diesen Bereichen neue wirtschaftliche Modelle, die auf realer Nachfrage basieren. Investitionen in solche realwirtschaftlichen Strukturen unterscheiden sich von klassischen Kapitalmarktanlagen. Während liquide Märkte häufig auf kurzfristige Marktbewegungen oder geopolitische Ereignisse reagieren, beruhen viele Impact-Investitionen auf lokalen Geschäftsmodellen und stabiler Nachfrage nach grundlegenden Dienstleistungen.

Strom wird produziert und verkauft, landwirtschaftliche Produkte werden angebaut und vermarktet, Kredite ermöglichen Unternehmen Investitionen und Wachstum. Dadurch entstehen Cashflows, die stärker an reale wirtschaftliche Aktivitäten gekoppelt sind und weniger von kurzfristigen Marktbewegungen abhängen.

Gleichzeitig sind viele Impact-Portfolios über zahlreiche Länder und Finanzinstitutionen diversifiziert. Diese breite Streuung kann Abhängigkeiten von einzelnen Märkten reduzieren und macht solche Investitionen zu einer ergänzenden Komponente in Portfolios.

Wirkung in der Praxis: Finanzielle Inklusion, Energie und Landwirtschaft 

Ein Beispiel für solche Investitionen ist der Bereich der finanziellen Inklusion. In vielen Schwellenländern haben kleine und mittlere Unternehmen nur eingeschränkten Zugang zu Bankkrediten. Spezialisierte Finanzinstitute vergeben deshalb Kredite, die lokalen Betrieben Investitionen und Wachstum ermöglichen. Eine typische Kreditnehmerin kann etwa eine Schneiderin sein, die mithilfe eines Kredits eine zusätzliche Nähmaschine anschafft, mehr Aufträge annehmen kann und eine weitere Person beschäftigt.

Solche Finanzierungen fördern wirtschaftliche Eigenständigkeit und stärken gleichzeitig lokale Wirtschaftskreisläufe. Gerade Frauen profitieren in vielen Regionen besonders stark von verbesserten Finanzierungsmöglichkeiten. Studien zeigen, dass Unternehmerinnen häufig unterfinanziert sind, obwohl sie eine zentrale Rolle in lokalen Wirtschaftskreisläufen spielen. Investitionen, die wirtschaftliche Chancen für Frauen stärken, gewinnen im Impact Investing zunehmend an Bedeutung.

Neben finanzieller Inklusion konzentrieren sich viele Impact-Strategien auf zwei weitere zentrale Themenfelder: klimafreundliche Energie und nachhaltige Ernährungssysteme. Dezentrale Solarenergie, Energieeffizienzlösungen oder innovative Speichertechnologien tragen dazu bei, die Energieversorgung zu verbessern und Emissionen zu reduzieren. Gleichzeitig investieren Impact-Investorinnen und -Investoren in landwirtschaftliche Unternehmen und Technologien, die Produktivität steigern, Böden regenerieren und die Versorgungssicherheit erhöhen.

Diese Bereiche haben gemeinsam, dass sie grundlegende wirtschaftliche Bedürfnisse adressieren und langfristige strukturelle Trends widerspiegeln. Mit wachsender Weltbevölkerung, zunehmendem Ressourcenverbrauch und steigenden Anforderungen an nachhaltige Infrastruktur dürfte der Bedarf an entsprechenden Investitionen weiter steigen.

Impact Investing entwickelt sich deshalb zunehmend zu einem eigenständigen Segment moderner Kapitalanlagen. Für Anlegerinnen und Anleger eröffnet dieser Ansatz die Möglichkeit, an realwirtschaftlichen Entwicklungen teilzuhaben und gleichzeitig messbare Wirkung zu erzielen.

Während sich globale Kapitalströme neu ausrichten, gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Rolle Kapital bei der Gestaltung wirtschaftlicher Entwicklung spielen kann. Impact Investing zeigt, dass Investitionen nicht nur Rendite erwirtschaften, sondern zugleich stabile wirtschaftliche Strukturen fördern können – in Schwellenländern ebenso wie für Anlegerinnen und Anleger. Es ist die bewusste Entscheidung, Kapital gezielt dort einzusetzen, wo wirtschaftliche Perspektiven und messbare Wirkung entstehen.

Text Dr. Stephanie Bilo, Chief Client & Investment Solutions Officer,  responsAbility Investments AG

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