Dass KI kein Hype ist, ist schon länger klar. Die Frage bleibt, wie die Transformation in der Praxis gelingt. Für «Fokus» zeigen Markus Winterholer (Senior Specialist, AI & Cloud bei Microsoft) und Pascal Brunner-Nikolla (Head of Modern Work Switzerland bei Campana & Schott) auf, wie KI-Agenten in der Praxis Realität werden und wie die Reise zu den «digitalen Mitarbeitenden» aussehen kann.
Künstliche Intelligenz schafft Mehrwert in nahezu allen Branchen. Besonders im Industriesektor entwickelt sie sich zu einem entscheidenden Hebel für Produktivität, Effizienz und Innovation. In einem zunehmend komplexen wirtschaftlichen Umfeld – geprägt von volatilen Lieferketten, globalen Unsicherheiten, steigendem Kostendruck und dem zunehmenden Fachkräftemangel – unterstützt KI Unternehmen dabei, widerstandsfähiger zu werden und ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.
Der Agent als Vorarbeiter in ressourcenintensiven Prozessen
Wie der erfolgreiche Einsatz produktiver KI aussehen kann, lässt sich an einem von Campana & Schott betreuten Projekt aus der Baubranche gut nachvollziehen. Die Expert:innen der Management- und Technologieberatung haben einen Agenten entwickelt, der den zeitintensiven Screening-Prozess von Ausschreibungen unterstützt.
«Der Agent unterstützt die Organisation beim Screening der Ausschreibungsunterlagen, indem er wichtige Daten (darunter auch die im NPK enthaltenen Normpositionen) automatisch herauszieht, strukturiert und mit den passenden Fundstellen ergänzt, um eine Entscheidungsgrundlage über die Teilnahme an der Ausschreibung zu schaffen», so Pascal Brunner-Nikolla. Was früher Tage dauerte, erledigt der Agent heute in wenigen Minuten und schafft damit Raum für die intensive Bearbeitung der wirklich erfolgversprechenden Ausschreibungen. Denn ein kleiner Fehler in der Einschätzung oder eine übersehene Auflage genügen, und es entstehen enorme Mehrkosten und Zeitverluste.
Viele Unternehmen haben die Phase der reinen Digitalisierung hinter sich gelassen und bewegen sich nun in Richtung einer datengetriebenen, industriellen Wertschöpfung.– Markus Winterholer,
Senior Specialist, AI & Cloud, Microsoft
Das technologische Fundament für die Arbeit mit dem Agenten ist die Microsoft-Plattform. Die Plattform ist dabei ebenso breit wie tief: Von Microsoft Fabric als Datenplattform über Copilot Studio als Low-Code-Lösung bis hin zu Microsoft Foundry als KI-Plattform liefert sie alle Bauteile. Mit M365 Copilot im Zentrum steht die «Employee UI for AI», die sicherstellt, dass Mitarbeitende eine Oberfläche für die optimale Nutzung von KI erhalten. Gleichzeitig stellen Technologien wie Purview sicher, dass alle Sicherheitsanforderungen erfüllt werden können. «Für Grossunternehmen ist Microsoft 365 praktisch der De‑facto‑Standard», erklärt Brunner-Nikolla. «Auf dieser Basis können Agenten-Lösungen direkt in Copilot integriert werden.» Oder wie es Markus Winterholer ausdrückt: «Microsoft bietet ein umfassendes Lösungsökosystem, in dem wir uns mit bewährten Partnern agil bewegen, Innovationen vorantreiben und so Mehrwert für Kundenbetriebe aller Branchen und Grössen schaffen. Campana & Schott gehört zu den Partnern, die Lösungen nicht nur technisch umsetzen können, sondern auch die Nutzung im Unternehmen erfolgreich sicherstellen. Was elementar für den nachhaltigen Erfolg ist.»
KI als Wettbewerbssicherung
Die zugrunde liegende Herausforderung des beschriebenen Projekts stellt keinen Einzelfall dar, sondern ist symptomatisch für viele Industrien, deren Unternehmen am Limit ihrer manuellen Kapazitäten operieren. «Genau bei solchen Painpoints schaffen KI- und Copilot-Agenten Abhilfe», erklärt Pascal Brunner-Nikolla. Das Potenzial dafür ist enorm, denn «während es in den letzten Jahren hinsichtlich KI viel um Pilotprojekte und das Finden der richtigen Anwendungsfälle sowie das Enablement der Mitarbeitenden ging, verändert sich der Fokus nun spürbar in Richtung skalierbare Transformation der gesamten Organisation. Mit echten produktiven Anwendungsfällen, die Mitarbeitenden täglich Mehrwert liefern.»
Der Agent unterstützt die Organisation beim Screening der Ausschreibungsunterlagen, indem er wichtige Daten (darunter auch die im NPK enthaltenen Normpositionen) automatisch herauszieht, strukturiert und mit den passenden Fundstellen ergänzt, um eine Entscheidungsgrundlage über die Teilnahme an der Ausschreibung zu schaffen.– Pascal Brunner-Nikolla,
Head of Modern Work Switzerland, Campana & Schott
Das Potenzial von KI-Agenten endet selbstverständlich nicht beim Ausschreibungsverfahren. Die Reise beginnt häufig mit der persönlichen Produktivität. Ob IT-Helpdesk oder HR-Abteilungen: Retrieval-Agenten können heute 60 bis 70 Prozent der gängigen Benutzeranfragen abwickeln. Anstatt Tickets zu eröffnen oder Ressourcen durch Chats und Nachfragen zu binden, liefert der Agent sofort die richtige Antwort aus dem unternehmenseigenen Wissenspool. Der nächste Schritt ist die Integration in die Business-Prozesse. Ein weiterer Clou der Plattform: Der Copilot ermöglicht nicht nur den Zugriff auf Daten innerhalb von M365, sondern wenn gewünscht auch auf Daten aus sicheren Drittsystemen. Dadurch entsteht eine konsolidierte und sichere Datenbasis, die Geschäftsprozesse nachhaltig stabilisiert und zugleich die Grundlage für eine zukunftsweisende, automatisierte Wertschöpfung schafft.
Ein Blick über den Horizont
Welche Schritte sollten Unternehmen als Nächstes gehen, nachdem sie Copilot und erste Agenten erfolgreich eingesetzt haben? Für Pascal Brunner‑Nikolla führt der Weg über eine Agent‑Factory, in der Agenten skalierbar entwickelt und betrieben werden. «Dafür braucht es klare Governance‑Regeln und die reibungslose Integration von Drittsystemen», merkt er an. Markus Winterholer bringt eine weitere Perspektive dazu: Er sieht den Aufstieg von Agentic AI als neues Architekturprinzip. Es geht nicht mehr um isolierte Tools, sondern um orchestrierte Systeme, in denen spezialisierte Agenten gemeinsam planen, handeln und Entscheidungen treffen können – stets eingebettet in bestehende Prozesse. «Agentic AI wird daher überall dort eingesetzt, wo manuelle Kapazitäten heute an Grenzen stösst», prognostiziert er. Dabei ersetzt die KI aber nicht den Menschen. Sie ist vielmehr ein Verstärker für Business-Bereiche. «Unser Ziel ist es, Wissen verfügbar zu machen und Reaktionszeiten zu verkürzen – verantwortungsvoll, sicher und praxisnah.»
Weitere Informationen unter campana-schott.com und microsoft.com
FAQ: So adressiert Microsoft digitale Souveränität in der Schweiz
Diskussionen über digitale Souveränität – also die Fähigkeit, sicher, unabhängig und selbstbestimmt an der digitalen Wirtschaft teilzunehmen – drehen sich oft um ähnliche Fragestellungen: Wo werden meine Daten gespeichert? Wer kann darauf zugreifen? Werde ich Zugang zu den neuesten Funktionen haben?
Die umfassenden Antworten hierzu findet man hier.
1. Welche souveränen Cloud-Lösungen stellt Microsoft in der Schweiz bereit?
Microsoft bietet ein umfassendes Portfolio, um alle Anforderungen an die digitale Souveränität in der Schweiz zu erfüllen, darunter:
- Sovereign Public Cloud: Umfassende Souveränitätsfunktionen – einschliesslich Datenresidenz, Verschlüsselungskontrollen und Verwaltung regulierter Umgebungen – sind in allen europäischen Regionen verfügbar, einschliesslich der Schweiz. Eine Migration in separate Rechenzentren ist nicht erforderlich.
- Sovereign Private Cloud: Für Unternehmen, die maximale operative Autonomie benötigen, ermöglichen Azure Local und Microsoft 365 Local die Ausführung von Workloads in kundenkontrollierten und lokal gehosteten Umgebungen mit einheitlicher Verwaltung und Sicherheit.
2. Wo werden Daten gespeichert und wer kann darauf zugreifen?
Für Schweizer Kunden sind der Speicherort ihrer Daten und die maximale Kontrolle darüber, wo sich die Daten befinden, wie auf sie zugegriffen wird und wie sie verarbeitet werden, von zentraler Bedeutung. Microsoft bietet mehrere, mehrschichtige Schutzmassnahmen. Ein interessantes Beispiel liefern die Schweizer Cloud-Regionen seit 2019: Microsoft betreibt Cloud-Regionen in der Nähe von Zürich und Genf, damit Kunden ihre Daten bei Bedarf innerhalb der Landesgrenzen speichern können und gleichzeitig die Disaster-Recovery-Anforderungen erfüllen.
3. Erfordern Souveränitätskontrollen eine Migration oder schränken sie die Funktionalität ein?
Mit Microsoft Sovereign Public Cloud aktivieren Kundinnen und Kunden Souveränitätskontrollen in bestehenden europäischen Regionen ohne Migration in separate Rechenzentren. Sie behalten dabei das volle Innovationspotenzial der Public Cloud.



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