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Business

Darum gehört Technologie auf jede C-Level-Agenda

18.03.2026
von SMA

Bei Technologie handelt es sich um weit mehr als «nur» um ein IT-Thema – nämlich um eine Möglichkeit für Unternehmen, sich neue Chancen zu erschliessen. Das gilt in Zeiten des starken Frankens, Handelszöllen sowie schrumpfender Margen doppelt. Wer KI und Digitalisierung «abdelegiert», gefährdet die globale Wettbewerbsfähigkeit. Kurzum: Technologie ist Chefsache.

Die Schweizer Wirtschaft agiert praktisch immer unter den Bedingungen eines harten Währungsregimes. Der starke Schweizer Franken ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine strukturelle Konstante, die hiesige Exportunternehmen und Dienstleister zu permanenter Höchstleistung zwingt. In der Vergangenheit konnte man diesen Druck durch höchste Präzision sowie die weltberühmte «Swiss Quality» kompensieren. Doch mittlerweile sind die globalen Konkurrenten durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und radikaler Automatisierung vermehrt dazu in der Lage, ihre Kostenstrukturen massiv zu optimieren. Und irgendwann reicht das Qualitätsargument allein nicht mehr aus, um als Konter für die Kostenthematik zu fungieren. Doch glücklicherweise ist die gleiche Technologie auch der entscheidende Hebel, um die Währungsnachteile der hiesigen Unternehmen abzufedern, indem man die Effizienz sowie Innovationskraft stärkt.

Dabei begehen viele Führungsetagen allerdings einen folgenschweren Denkfehler: Sie betrachten die Digitalisierung als ein technisches Optimierungsprogramm, das man vertrauensvoll in die Hände der IT-Abteilung oder an spezialisierte Fachbereiche legen kann. Doch diese Delegation ist potenziell gefährlich: Eine IT-Abteilung ist primär darauf ausgerichtet, die Stabilität und Sicherheit der Systeme zu gewährleisten – sie operiert im Modus der Risikominimierung. Die Fachbereiche wiederum suchen nach isolierten Lösungen für ihre unmittelbaren Probleme. Was jedoch fehlt, wenn die oberste Führungsebene sich nicht persönlich und tiefgreifend engagiert, ist die ganzheitliche Neugestaltung des Geschäftsmodells. Wenn Technologie delegiert wird, bleibt sie ein Werkzeug; wird sie zur Chefsache, wird sie zum strategischen Kern des Unternehmens und bildet damit das Fundament für Resilienz.

Wegkommen vom «Gärtlidenken»

Der zielgerichtete Einsatz von KI bietet gerade für Schweizer Unternehmen enorme Chancen zur Effizienzsteigerung. Es geht im Kern um die radikale Produktivitätssteigerung pro Kopf. Durch den Einsatz von prädiktiven Algorithmen in der Logistik, KI-gestützter Qualitätskontrolle in der Fertigung oder automatisierter Datenanalyse im Finanzwesen lassen sich Prozesse so beschleunigen, dass die durch den Franken bedingten Margenverluste kompensiert werden können. Dies erfordert jedoch eine unternehmensweite Datenstrategie, die keine Silos kennt. Nur die Geschäftsleitung hat die Autorität, die notwendigen Datenströme zwischen Produktion, Vertrieb und Verwaltung freizuschalten und die kulturellen Widerstände zu brechen, die mit einer solchen Transparenz einhergehen.

Dieser Wandel erfordert eine strategische Neuausrichtung, bei der KI eine zentrale Rolle spielt – und den in seiner Gesamtheit nur die Geschäftsleitung lostreten kann.

Warum dies so wichtig ist, zeigt ein Blick in die Welt der Banken und Versicherungen. Diese Unternehmen entwickeln sich von reinen Dienstleistern zu Plattformanbietern, die eine Vielzahl von Finanzdienstleistungen in einem digitalen Ökosystem integrieren. Das erfordert eine nahtlose Zusammenarbeit über die Unternehmensgrenzen hinweg. Die Branche steht also vor einem tiefgreifenden Wandel und muss ihre traditionelle Rolle überdenken. So erfindet sich beispielsweise der Versicherungsvertrieb neu. Einerseits muss der Vertrieb einen «Aussendienst der Zukunft» etablieren, andererseits dürfen die Kernkompetenzen, die Kundinnen und Kunden weiterhin von Finanzdienstleistern erwarten, nicht verloren gehen. Klar ist, dass Banken und Versicherungen mehr und mehr zu Technologie- und Datenunternehmen werden. Dieser Wandel erfordert eine strategische Neuausrichtung, bei der KI eine zentrale Rolle spielt – und den in seiner Gesamtheit nur die Geschäftsleitung lostreten kann.

Mehr Nähe zum Geschehen

Wer also heute als CEO oder Verwaltungsrätin die technologische Entwicklung aus der Ferne beobachtet, verkennt die Geschwindigkeit der Disruption. Künstliche Intelligenz ist keine weitere Software-Kategorie, sondern eine neue Form der betriebswirtschaftlichen Logik. Sie verändert, wie man Kundenbedürfnisse antizipiert und wie man Ressourcen zuteilt. In einem Hochlohnland wie der Schweiz ist die technologische Souveränität des Managements die wichtigste Ressource. Eine Managerin oder ein Manager muss heute in der Lage sein, das Potenzial einer Cloud-Infrastruktur oder die Risiken generativer Sprachmodelle ebenso sicher einzuschätzen wie eine Bilanz oder eine Marktstudie. Diese «Digital Literacy» auf C-Level-Ebene ist die Voraussetzung dafür, Investitionen dort zu tätigen, wo sie eine echte Hebelwirkung entfalten, anstatt Geld in kleinteiligen, wirkungslosen Projekten zu versenken.

Dazu gehört auch, dass man die Auswirkungen internationaler Regularien im Technologiefeld nachvollziehen und einschätzen kann. Ein aktuelles Beispiel hierfür liefert der EU AI Act. Dieser soll sicherstellen, dass KI-Systeme in der EU auf ethische, sichere und rechtskonforme Weise eingesetzt werden. Gleichzeitig soll das Gesetz die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft von Unternehmen im KI-Bereich fördern und das Vertrauen der Nutzenden stärken. Das hat Auswirkungen auf Schweizer Unternehmen: Wenn diese bereits dem Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) unterliegen, müssen sie nun prüfen, ob zusätzliche Verpflichtungen unter dem EU AI Act für sie gelten. Dies ist der Fall, wenn KI-Systeme in der EU eingesetzt oder deren Ergebnisse in der EU genutzt werden. Beispielsweise betrifft dies Prognosen, Empfehlungen oder Entscheidungen, die von Schweizer KI-Systemen getroffen und in der EU verwendet werden. 

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