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Editorial Mobilität

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11.04.2026
von SMA
Prof. Dr. Andreas Herrmann,Direktor Institut für ­Mobilität ­Universität St. Gallen

Prof. Dr. Andreas Herrmann
Direktor Institut für ­Mobilität ­Universität St. Gallen

Jetzt geht es auch bei uns los: PostAuto bietet demnächst fahrerlose Fahrdienste in der Ostschweiz an, Uber in Zürich und die SBB im Furttal. Weitere Projekte, wie etwa das autonome Ridepooling von Moia und Amag, sind bereits geplant. Alle stehen bereit. Immer mehr Städte weisen Areale für das autonome Fahren aus, Tech-Firmen liefern die Software und Sensorik und private und öffentliche Unternehmen agieren als Betreiber dieser Fahrzeuge.

Das Pilotprojekt im Furttal wird vom Swiss Transit Lab, den Kantonen Zürich und Aargau sowie der SBB getragen. Ziel ist es, Erfahrungen mit automatisierten Fahrzeugen als Ergänzung zum ÖV zu sammeln und die Technologie weiterzuentwickeln. Bisher werden Fahrzeuge des Typs Nissan Ariya eingesetzt und mit der Technologie des führenden chinesischen Robotaxi-Anbieters WeRide kombiniert. Zum Start kommen zunächst zwei Fahrzeuge zum Einsatz, in einer späteren Phase soll die Flotte auf vier Fahrzeuge erweitert werden. Zusätzlich ist vorgesehen, die Flotte mit Kleinbussen zu erweitern. 

Beim AmiGo-Projekt von PostAuto sollen Robotaxis in der Ostschweiz zum Einsatz kommen, vor allem in ländlichen und peripheren Regionen, wo der klassische ÖV nur begrenzt verfügbar ist. Der reguläre Betrieb soll bis spätestens im ersten Quartal 2027, starten mit einer geplanten Flotte von etwa 25 Fahrzeugen. Die Technologie dafür liefert Apollo Go, ein weiterer führender chinesischer Robotaxi-Anbieter und ein Tochterunternehmen des Tech-Giganten Baidu (ähnlich wie Google). Die Chance besteht darin, das bestehende Mobilitätsangebot zu ergänzen, insbesondere als Zubringer zu Bahnhöfen und ÖPNV-Knotenpunkten. 

Diese Robotaxis verkehren auf Level 4, was bedeutet, dass sie in einem definierten Areal autonom unterwegs sind. Sie befördern eine oder mehrere Personen auf Abruf («on demand») und sind in der Regel nicht an eine bestimmte Route gebunden. Im Gegensatz dazu folgen Roboshuttles eher Routen mit vordefinierten Haltepunkten, an denen Passagier:innen ein- und aussteigen. Hierbei handelt es sich um ein Angebot, das dem heutigen öffentlichen Verkehr ähnelt. 

Beim Ridepooling teilen sich Personen, die zu einer ähnlichen Zeit in eine ähnliche Richtung unterwegs sind, ein Fahrzeug. Algorithmen optimieren die Route der Robotaxis, sodass Wartezeiten und Umwege, um andere Passagier:innen ein- und aussteigen zu lassen, auf ein Minimum reduziert werden können. Gelegentlich müssen die Nutzenden kurze Wege zu Fuss zurücklegen, um den Ort der Abholung oder den Zielort zu erreichen. 

Was verspricht man sich von autonomen Fahrzeugen? Ein zentrales Argument betrifft die Sicherheit im Strassenverkehr. KI-basierte Systeme sind nicht abgelenkt, erfassen alle möglichen Objekte auf und entlang der Strasse und lernen ständig dazu. Auswertungen von Waymo zeigen, dass ihre Robotaxis deutlich sicherer sind als menschlich gesteuerte Fahrzeuge. Sie verursachen bis zu 90 Prozent weniger Kollisionen und über 80 Prozent weniger Unfälle mit Personenschaden.

Darüber hinaus tragen selbstfahrende Autos dazu bei, den Verkehr effizienter zu gestalten. Da sie mit der Infrastruktur und anderen autonomen Fahrzeugen «kommunizieren», können sie sich auf Ampelschaltung oder Baustellen einstellen und entsprechend die Route und die Geschwindigkeit effizient planen. Es werden unnötige Brems- und Beschleunigungsmanöver vermieden, was den Energieverbrauch reduziert und den Verkehrsfluss verbessert. 

Robotaxis (oder Roboshuttles) lassen sich ergänzend zum ÖPNV einsetzen, um etwa schlecht ausgelastete ÖPNV-Linien zu ersetzen. Eine aktuelle Studie der Deutschen Bahn zeigt, dass autonomes Fahren die Wartezeit im ÖPNV um bis zu 50 Prozent verringern kann sowie die Anzahl der Umstiege, die Laufdistanz zu Haltestellen, die Anzahl der Umstiege und die Fahrzeit im Vergleich zum Pkw deutlich reduzieren kann. Zudem können Betriebskosten eingespart werden, da weniger Personalbedarf besteht. In Regionen, wo bereits heute Fahrermangel herrscht, dürfte die Ergänzung besonders wertvoll sein. 

Für mobilitätseingeschränkte Nutzergruppen sind Robotaxis eine grosse Chance, um ihre Teilhabe an der Gesellschaft zu verbessern. Beispielsweise erhalten Personen ohne Führerschein oder Auto, also Kinder und Jugendliche, Senior:innen oder Personen mit Behinderung, die Möglichkeit, spontan und (idealerweise) unabhängig von anderen unterwegs zu sein. 

Von Robotaxis erhofft man sich zudem, dass Menschen vermehrt vom eigenen Auto auf diese Alternative umsteigen. Damit würden Autos aus den Städten verschwinden und der Parkplatzbedarf sinken. Hinzu kommt, dass Robotaxis E-Autos sind, wodurch die Luft- und Lärmbelastung reduziert werden könnte. Somit werden wertvolle städtische Flächen frei, die anderweitig genutzt werden können.

Auf dem Land können Robotaxis dazu beitragen, Angebotslücken in der ÖPNV-Grundversorgung zu schliessen. Statt lange auf einen Bus oder Zug zu warten, könnte man ein Robotaxi bestellen. Es besteht zudem die Chance, schlecht ausgelastete Linien des ÖPNV auf dem Land vollständig mit Robotaxis zu ersetzen, was wiederum zu einer höheren Kosten- und Flächeneffizienz im ÖPNV beitragen würde.

2026 dürfte das Jahr der Robotaxi-Expansion werden: Noch in diesem Jahr soll sich die Anzahl Robotaxis von etwa 8000 auf 18 000 Fahrzeuge mehr als verdoppeln. Die Software und Sensorik dieser Fahrzeuge stammt von einer Handvoll führender Anbieter aus den USA und China, nämlich Apollo Go (Baidu), WeRide, Pony.ai und Waymo. In Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen öffentlichen und privaten Betreibern skalieren und expandieren sie weltweit, auch nach Europa. 

Noch werden in Europa Robotaxis vor allem in Pilotprojekten mit kleinen Stückzahlen, beschränkten Gebieten und grösstenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit getestet. Doch die Expansionspläne der Robotaxi-Giganten dürften einen Wendepunkt darstellen hin zu kommerziellen Angeboten. Und auch europäische Robotaxi-Anbieter verzeichnen grosse Fortschritte: Die Volkswagen-Tochter Moia befindet sich in der Vorserienproduktion ihrer Robotaxis bzw. Robo­shuttles und hat zwischenzeitlich Expansionspläne in Berlin, Oslo und Los Angeles angekündigt. Mercedes-Benz und Stellantis investieren in vielversprechende Partnerschaften mit Robotaxi- und Tech-Unternehmen, um selbstfahrende Fahrzeuge unter anderem nach Europa zu bringen. Sollten sich diese Entwicklungen verstetigen, dürften zwischen 2026 und 2027 einige grossflächige Robotaxi-Angebote entstehen.

Trotz aller Euphorie, es gibt auch immer wieder Einwände gegen den Einsatz autonomer Fahrzeuge vor allem in den Städten, weil man zusätzlichen Verkehr befürchtet. Ohne Zweifel hat jede Technologie auch ihre Schattenseiten. Aber jetzt besteht die Möglichkeit, das autonome Fahren so zu gestalten, dass sich Mobilität nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land zum Besseren entwickelt. Jetzt haben wir es in der Hand, die Regulatorik so zu formulieren, dass all die zuvor genannten Potenziale tatsächlich gehoben werden können – für die Menschen, für die Umwelt, aber auch für die Arbeitsplätze der Zukunft. Die Schweiz mit ihrer herausragenden Infrastruktur, ihrem weltweit führenden öffentlichen Verkehr, kann zu einem Ort werden, wo die Mobilität der Zukunft entwickelt wird. Diese Chance sollten wir nutzen!!! 

Text Prof. Dr. Andreas Herrmann, Direktor Institut für ­Mobilität ­Universität St. Gallen

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