Interview von Julia Butz

Matthias Egli: «Jedes Dach kann Solarstrom liefern, effizient und wirtschaftlich»

Bis 2050 könnte die Hälfte des Schweizer Stroms aus Solarenergie stammen. Im Gespräch mit Matthias Egli, Geschäftsführer von Swissolar, dem Schweizerischen Branchenverband für Sonnenenergie.

Mit Photovoltaik und Solarthermie Energiekosten sparen, die Unabhängigkeit stärken und die Energiezukunft der Schweiz mitgestalten. Im Gespräch mit Matthias Egli, Geschäftsführer des Schweizerischen Branchenverbands für Sonnenenergie.

Matthias Egli, Geschäftsführer von Swissolar

Matthias Egli
Geschäftsführer von Swissolar

Herr Egli, warum ist Solarenergie für Eigenheimbesitzer:innen heute besonders attraktiv?

Die Sonne stellt uns in der Schweiz enorm viel Energie zur Verfügung. Die Nutzung der Solarenergie lohnt sich in allen Regionen der Schweiz, auch wenn die Anzahl an Sonnenstunden regional unterschiedlich ist. Viele denken, Solarstrom könne nur bei strahlendem Sonnenschein produziert werden. Tatsächlich produziert eine Photovoltaik-Anlage (PV) auch bei diffusem Licht und bewölktem Himmel, etwa ein Drittel des Solarstroms in der Schweiz wird im Winterhalbjahr produziert. Mit PV können Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer einen grossen Teil ihres benötigten Stroms oder gar mehr selbst erzeugen. Sie können ihn direkt selbst verbrauchen, ihn mittels Batterie speichern und später verbrauchen oder ihn lokal mit anderen Bezügern teilen. Das senkt die Stromkosten und erhöht die Unabhängigkeit für alle.

Wie würde sich das in Zahlen ausdrücken? Können Sie uns ein Fallbeispiel nennen?

Gern: Wer beispielsweise auf 20 m² Dachfläche Solarstrom produziert, kann damit rund 80 Prozent des jährlichen Strombedarfs eines durchschnittlichen Einfamilienhauses mit einer vierköpfigen Familie abdecken. Solaranlagen werden heute in der Regel mit einem Speicher installiert, damit kann der Verbrauch zeitlich verschoben und auch nachts eigener Strom genutzt werden. Je mehr Strom Sie selbst produzieren, desto weniger müssen Sie Strom aus dem Netz einkaufen. Der sogenannte Eigenverbrauch senkt die Stromrechnung spürbar. Und alles, was ich nicht selber nutze, kann verkauft und ins Netz eingespeist werden, die Änderungen im Stromgesetz machen seit 2025 respektive 2026 neue lokale Nutzungen noch einfacher möglich.

An wen kann ich den von mir erzeugten Solarstrom verkaufen?

Solarstrom auf einem Mehrfamilienhaus kann beispielsweise innerhalb eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch (ZEV) unter den Bewohnenden oder mit den Nachbarn geteilt werden. Seit 2026 gibt es zusätzlich die Möglichkeit, den Strom an lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) zum Beispiel in Quartieren oder in der Gemeinde zu verkaufen. Wer darüber mehr wissen möchte: Unsere Webseite lokalerstrom.ch stellt umfassende Informationen zur Vermarktung lokal erzeugten Stroms bereit. Die Plattform haben wir eigens für Interessierte eingerichtet, die lokale Stromprojekte planen oder umsetzen wollen: Sie soll vom Eigenheimbesitzer bis hin zu Gemeinden alle dabei unterstützen, die Solarstromproduktion optimal zu planen, zu teilen und ins Netz zu integrieren.

Sie sagen, heute werden fast alle Anlagen direkt mit Speicher installiert. Sind Batteriespeicher denn nicht sehr kostspielig?  

Noch vor wenigen Jahren wurden kaum Speicher installiert, einfach weil sie sehr teuer waren. Inzwischen sind Batteriespeicher sehr viel günstiger geworden – um den Faktor zwei bis drei. Dadurch lohnt es sich ohnehin, in Speicher zu investieren. Batterien ermöglichen ausserdem eine sinnvolle Nutzung des Stroms über den ganzen Tag verteilt. Die dritte wichtige Komponente neben Photovoltaikmodulen und Speicher ist das Energiemanagement. Es sorgt für das intelligente und automatisierte Zusammenspiel zwischen Produktion, Speicher, Verteilung und Einspeisung ins Netz. Wer diese drei Elemente von Anfang an als zusammenhängendes Gesamtsystem plant, hat ein System, das für die Anforderungen der Zukunft gewappnet ist und das hilft, Energiekosten einzusparen.

Wie beim Zusammenspiel mit meiner Wärmepumpe und Elektromobilität fürs Auto?

Genau, auch das steuere ich via Energiemanagementsystem. Damit sich Stromverbraucher wie Wärmepumpen, Elektroboiler und E-Mobilität so steuern lassen, dass sie die Photovoltaikproduktion optimal nutzen, sind Kompatibilitätsfragen und die entsprechenden Schnittstellen entscheidend. Je besser alles aufeinander abgestimmt ist, desto effizienter kann ich mein eigenes Energiesystem betreiben.

Die Schweizer Solarbranche wuchs in den Jahren 2019 bis 2024 jedes Jahr um mehr als 50 Prozent; rund 300 000 Anlagen wurden bislang hierzulande installiert.

Was ist der erste Schritt für Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer und wo finde ich Unterstützung für mein Solarprojekt?

Am einfachsten geht dies über den Leitfaden von EnergieSchweiz (www.energieschweiz.ch/wohnen/solaranlagen), durch den man in sieben Schritten durch den Prozess geführt wird: Über den Onlinerechner gebe ich die Adresse ein und das Potenzial meines Daches wird ermittelt. Dann kann ich den Eigenverbrauch schätzen lassen. In einem nächsten Schritt hole ich zwei Vergleichsofferten bei einem unserer zertifizierten Solarprofis ein. Mit diesem Qualitätslabel sichern wir verlässliche Standards in der Solarbranche. Es zeichnet Unternehmen aus, die Solaranlagen nach den anerkannten Regeln der Technik planen, installieren und verkaufen. Solaranlagen sind anspruchsvolle Systeme, deshalb gehören sie in die Hände qualifizierter Fachleute, die auch dabei helfen, die weiteren Prozesse zu organisieren. Dazu gehören unter anderem Fragen zu nötigen Genehmigungen, die Anmeldungen beim Energieversorger, die Beantragung von Fördergeldern und so weiter.

Helfen die Solarprofis auch bei der Eignungs- und Statikprüfung meines Daches?

Auch das ist ein wichtiger Schritt. Denn es macht wenig Sinn, eine Solaranlage auf einem Dach zu installieren, das bald saniert werden muss. Wenn ich ein Dach erneuere, kann ich die Anlage direkt ins Dach integrieren, als sogenannte Indach-Anlage oder diese als Aufdach-Anlage auf das bestehende Dach setzen. Bei Neubauten wird oft die Indach-Variante gewählt, weil es eine etwas einfachere Konstruktion ist und gleichzeitig sehr elegant aussieht. Übrigens denken viele, dass nur nach Süden ausgerichtete Dächer geeignet sind, dabei lassen sich heute fast alle Dachrichtungen gut nutzen. Ost-West-Dächer sind sogar besonders praktisch, weil die Sonneneinstrahlung über den Tag gleichmässiger verteilt wird. Moderne Anlagen lassen sich heute auch sehr gut an Fassaden anbringen. Das ergibt gerade im Winter, wenn die Sonne tiefer steht, Sinn.

Wann amortisiert sich eine Solaranlage für ein EFH und welche Förderungen lohnen sich 2026?

Natürlich ist eine Solaranlage und das dazugehörige System eine Investition, die man längerfristig macht; genauso wie es eine Investition ist, ein Haus zu bauen. Durch die Einmalvergütung werden 10 bis 20 Prozent meiner Investitionen zurückvergütet, zusätzlich kann bei Fassadenanlagen ein Neigungswinkelbonus beantragt werden. Der Rest amortisiert sich in der Regel innerhalb von 10 bis 20 Jahren, bei einer Anlagenlebensdauer von rund 30 Jahren.

Ein Erfolg, der sich auch in Zahlen niederschlägt: 2026 stammen voraussichtlich bereits 17 Prozent des Stromverbrauchs in der Schweiz aus Solarenergie. Welche konkreten Ziele verfolgt Swissolar als Branchenverband?

Die Schweizer Solarbranche wuchs in den Jahren 2019 bis 2024 jedes Jahr um mehr als 50 Prozent; rund 300 000 Anlagen wurden bislang hierzulande installiert. Unser Ziel ist es, dass bis 2050 rund 50 Prozent des Stromverbrauchs in der Schweiz durch Solarenergie gedeckt sind. Mit der Einführung der Berufslehren 2025 schaffen wir dazu ein stabiles Fundament. 2024 haben 160 Lernende die ersten Jahrgänge der von uns mitentwickelten Ausbildungen Solarmonteur:in EBA und Solarinstallateur:in gestartet. Sie lernen praxisnah Montage, Installation und Wartung. So stellen wir sicher, dass die Solarbranche nicht nur wächst, sondern auch langfristig gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung hat.

Ich bin davon überzeugt, dass Solarenergie neben Wasserkraft und Wind die tragende Säule der Stromproduktion wird. Je mehr Haushalte Solarstrom produzieren, desto grösser der Nutzen für den Klimaschutz und für die Versorgungssicherheit.

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21.03.2026
von Julia Butz
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