Praxiseinblick: Wie hybride integrierte Versorgung funktionieren kann
Die Herausforderungen hybrider Versorgung sind nicht nur theoretischer Natur – sie zeigen sich im Versorgungsalltag. Im Rahmen des Projekts lebenDIG arbeiten medizinische, technische und strategische Akteure gemeinsam an einer Lösung: einer hybriden, pfadorientierten Nachsorge für Patient:innen nach einer Lungenembolie. Das Projekt steht exemplarisch für das Potenzial integrierter, hybrider Versorgung – und für die Hürden, die ihrer breiteren Umsetzung noch im Weg stehen.
Wo sehen Sie die größten Lücken in der heutigen Versorgung chronischer bzw. schwerwiegender Erkrankungen wie z. B. einer Lungenembolie?
Dr. med. Daniel Dumitrescu, Kardiologe im HDZ NRW: Die entscheidenden Versorgungslücken entstehen oft nach dem Klinikaufenthalt – am Übergang in den Alltag. Patient:innen erhalten zu wenig systematische Begleitung und kaum eine konkrete Anleitung für den Alltag. Zudem fehlt uns Ärzten häufig ein objektivierbarer Einblick, wie es den Patient:innen zwischen Terminen geht, wie sich der Gesundheitszustand im zeitlichen Verlauf verändert hat und wie weit leitlinienbasierte Pfade individuell umgesetzt werden konnten.
Was hemmt Innovation auf regulatorischer Ebene, bzw. vor welchen Hürden stehen Technikanbieter?
Dr. med. Christian Flottmann, Arzt und Geschäftsführer der novadocs GmbH: Der Markt verlangt hohe Investitionen, gleichzeitig bremsen strenge regulatorische Vorgaben die Innovation. Auch Schutzmechanismen wie Berufsrechte oder Arztwahlfreiheit sind wichtig, greifen aber in ihrer heutigen Form oft zu kurz und sind innovationshemmend. Die größte Hürde bleibt jedoch: Es fehlt eine verlässliche Perspektive auf Vergütung. Selbst bei nachgewiesenem Nutzen ist unklar, ob eine Lösung erstattet wird – das macht Investitionen kaum kalkulierbar.
Welche strukturellen Hindernisse bremsen die Einführung hybrider Versorgung am stärksten aus?
Karsten Knöppler, Geschäftsführer fbeta GmbH: Es gibt eine klare Zuständigkeitslücke bei Prozessinnovationen: Niemand ist verantwortlich für die Einführung gemeinsamer, prozessorientierter Systeme wie einer Therapiesteuerungsplattform für eine professionsübergreifende Zusammenarbeit, die integrierte und hybride Versorgungsangebote abbilden können. Gleichzeitig fehlt ein Vergütungsmodell für die kollektivvertragliche Vergütung, das digitale, analoge und telemedizinische Leistungen kombiniert.
Weitere Informationen unter fbeta.de/lebendig/
Das Projekt lebenDIG
Die konzeptionellen Arbeiten zur hybriden Versorgung sind Bestandteil des Projekts lebenDIG. Neben der Entwicklung der technischen Lösung werden Eckpunkte rund um einen Fast Track für die integrierte hybride Versorgung für den politischen Diskurs ausgearbeitet. Das Projekt wird im Zusammenhang des Innovationswettbewerbs »Gesünder.IN.NRW« im Rahmen der europäischen Regionalförderung (EFRE/JTF-Programm NRW 2021-2027) durch die EU und das Land NRW kofinanziert.

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