Ihre Hochzeiten sind nicht nur Events – sie sind Erlebnisse, Momente voller Gefühl und Ästhetik. Marie Alsleben zählt zu den renommiertesten Weddingplanner:innen Europas und ist Gründerin der German Wedding Academy. Im Interview spricht sie über die Kunst, Paare wirklich zu verstehen, über zeitlosen Luxus, kreative Trends – und warum sie auch als Gast nie ganz abschalten kann.
Marie, du gestaltest Hochzeiten, die weit mehr sind als Feste. Sie sind Geschichten, Inszenierungen, Kunstwerke. Wenn du heute zurückblickst: Was fasziniert dich nach all den Jahren noch immer an diesem Moment, in dem zwei Menschen «Ja» sagen?
Es ist dieser magische Moment, in dem alles zusammenkommt – monatelange Planung, Emotionen, Erwartungen. Als Weddingplannerin begleite ich Paare von der ersten Idee bis zum grossen Tag, kenne ihre Wünsche, Ängste und Träume. Und dann stehst du da, siehst, wie ihre Vision zur Wirklichkeit wird – das ist unbeschreiblich. Ich weine fast bei jeder Trauung, weil mir das Paar über die Planungszeit so sehr ans Herz gewachsen ist und es mich rührt, zu sehen, wie glücklich und überwältigt sie sind.
Du sagst, jede Hochzeit erzählt die Geschichte des Paares. Wie gelingt es dir, diese Geschichte in Stil, Atmosphäre und Design zu übersetzen?
Zuhören ist der Schlüssel. Ich will verstehen, wer meine Paare sind – ihre Werte, ihre Ästhetik, ihre Emotionen. Wir arbeiten mit ausführlichen Fragebögen, in denen es nicht nur um Farben oder Musik geht, sondern auch um Stimmungen: Soll die Feier festlich, sinnlich oder verspielt wirken? Aus diesen Facetten entsteht das Konzept – immer massgeschneidert, nie «von der Stange».
Dein Unternehmen steht für exklusive Destination-Hochzeiten – doch auf deiner Webseite betonst du gleichzeitig auch «Heart and Soul». Wie definierst du Luxus heute? Ist das noch eine Frage des Budgets oder vielmehr des Gefühls?
Luxus ist für mich kein Preis, sondern eine Haltung. Natürlich braucht man ein gewisses Budget, um Visionen umzusetzen – aber wahrer Luxus liegt in der Liebe zum Detail. Es geht um Individualität und Echtheit. Unsere Paare sollen spüren: Hier geht es nicht nur um eine perfekte Inszenierung, sondern um eine authentische Erfahrung. Wir arbeiten nur mit Menschen, mit denen die Chemie stimmt – denn Herz und Vertrauen sind die Basis für alles.
Wie beginnt für dich ein neues Hochzeitskonzept? Mit einem Moodboard, einer Farbe, einem Ort – oder mit einem Gespräch, das dich berührt?
Für mich beginnt es immer mit dem Gespräch. Ich will die Menschen hinter der Anfrage spüren. Dann entstehen Moodboards, Farbpaletten und erste Stimmungen. Oft lasse ich mir Bilder zeigen – nicht nur von Hochzeiten, sondern von Kunst, Mode und Reisen. So entdecke ich, was das Paar inspiriert. Danach verfeinern wir Schritt für Schritt – bis jedes Detail stimmt, ohne dass es «gemacht» wirkt.
Du hast schon an den schönsten Orten Europas und darüber hinaus Hochzeiten geplant. Welche Destination hat dich persönlich am meisten beeindruckt – und warum?
Jede Destination hat ihren eigenen Zauber. Ich liebe die Toskana für ihre Sinnlichkeit, Mallorca für das Licht, die Provence für ihre Eleganz, St. Barth für dieses karibische Lebensgefühl. Jede Landschaft, jede Kultur inspiriert mich neu – und genau das ist das Spannende: Keine Hochzeit gleicht der anderen.
Welche Designer:innen, Interior-Trends oder Stilrichtungen inspirieren dich momentan besonders?
Ich liebe klare Linien, natürliche Materialien und ruhige, organische Formen – so etwas wie «Natural Luxury». Midcentury-Design, Leinen, Stein, Holz – das alles schafft eine sinnliche Ruhe. Und ja, auch Asymmetrien oder skulpturale Elemente faszinieren mich. Wichtig ist, dass es warm bleibt – elegant, aber nie steril.
Viele deiner Hochzeiten wirken wie cineastische Erlebnisse – gibt es Filme, Bücher oder Orte, die deine Ästhetik geprägt haben?
Ganz klar: Reisen. Ich habe in Mexiko, Barcelona und Mallorca gelebt – jede dieser Welten hat mich geprägt. Unterschiedliche Kulturen, Gerüche, Farben, Lichtstimmungen. Diese Vielfalt fliesst in meine Arbeit ein. Eine Hochzeit ist ja auch eine Reise – für das Paar und auch die Gäste.
Viele Brautpaare lassen sich heute von Instagram oder Pinterest inspirieren. Wie finden sie ihren eigenen Stil, ohne sich in Trends zu verlieren?
Das ist eine der grössten Herausforderungen. Social Media setzt Paare oft unter Druck, weil alles perfekt scheint. Ich erinnere sie daran: Es geht nicht darum, ein Pinterest-Board zu kopieren, sondern um ihre Geschichte. Trends vergehen, aber ihre Persönlichkeit bleibt. Und manchmal muss man Bräuten einfach helfen, diesen Perfektionismus loszulassen. Es zählt nicht, welche Blume auf dem Tisch steht, sondern wie sich der Tag anfühlt.
Ich erinnere die Paare daran: Es geht nicht darum, ein Pinterest-Board zu kopieren, sondern um ihre Geschichte.
Luxus bedeutet für viele Glanz und Aufwand – für andere schlichte Eleganz. Was verstehst du persönlich unter einem modernen, zeitgemässen Hochzeitsluxus?
Für mich ist moderner Luxus still. Er zeigt sich in Stoffen, Licht, Materialien, im Flow eines Abends. Es ist das Gefühl, dass alles natürlich ineinanderfliesst – nichts wirkt gestellt. Luxus bedeutet für mich Bewusstheit, dass jedes Detail Sinn hat und dass sich der Tag mühelos, aber bedeutungsvoll anfühlt.
Wenn du auf die kommende Hochzeitssaison blickst: Welche ästhetischen oder emotionalen Trends siehst du gerade aufkommen – und welche würdest du dir wünschen?
Ich denke, es wird künstlerischer und mutiger. Wir sehen mehr Skulpturalität, Asymmetrien und leuchtende Farben. Weg vom blossen «pretty» hin zum Ausdruck. Ich wünsche mir, dass Paare mehr wagen – Farbe, Form und Emotion. Und dass Nachhaltigkeit noch stärker wird, nicht als Kompromiss, sondern als Stilmittel. Schönheit, die aus Wertschätzung entsteht – das ist die Zukunft.
Abschliessend: Wenn du einmal selbst als Gast auf einer Hochzeit bist, kannst du dann wirklich geniessen oder analysierst du heimlich die Deko, das Licht und den Ablauf?
(lacht) Ich würde lügen, wenn ich sage, ich sehe nichts! Natürlich achte ich auf Abläufe oder Lichtstimmungen – das geht nicht anders. Aber ich verurteile nicht, ich beobachte mit Interesse. Und meistens denke ich einfach: Jetzt weiss ich wieder, warum ein guter Weddingplanner Gold wert ist.
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