Nach fast 20 Jahren trat Röbi Koller im April von der «Happy Day»-Bühne ab. Pünktlich zur festlichen Jahreszeit lanciert das langjährige SRF-Aushängeschild nun neue Projekte. Im Interview verrät er, wie es für ihn nach seiner TV-Zeit weitergeht, was seine bewegendsten TV-Momente waren – und warum er trotz allem nie aufgehört hat zu träumen.
Herr Röbi Koller, es weihnachtet wieder. Wie starten Sie persönlich in diese besondere Jahreszeit?
Ich backe sehr gerne Weihnachtsguetzli mit meiner Frau, das finde ich schön. Wir haben auch schon Adventskalender füreinander gebastelt und uns abwechselnd beschenkt. Weihnachten findet bei uns statt – eine schöne Zeit!
Apropos schöne Zeit: Eine solche haben Sie den Zuschauerinnen und Zuschauern regelmässig mit «Happy Day» bereitet. Was war für Sie eigentlich der schönste Moment in der Geschichte der Sendung?
Die bewegendsten Momente waren immer diejenigen, wenn jemandem ein lang gehegter Wunsch erfüllt wurde – das waren meistens persönliche und nicht materielle Dinge. Etwa, wenn Menschen ihre Eltern zum ersten Mal trafen, weil sie adoptiert wurden oder weil der Kontakt lange fehlte. Solche Begegnungen waren sehr berührend.
Gibt es spezielle Wintermomente bei Happy Day, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?
Da gibt es gute, aber auch schwierige. Wir wollten mal im Schnee in den Bergen für jemanden ein brennendes Herz machen – es war aber so stürmisch, dass die Pyrotechniker abbrechen mussten. In der Postproduktion mussten wir das Herz für viel Geld nachbearbeiten. Oder dass wir mit zwei Lastwagenchauffeuren auf den Ice Roads in Kanada waren – bei minus 39 Grad! Solche Sachen bleiben einem in Erinnerung. Auch das Weihnachtsdorf in Finnland war unvergesslich. Dort wird Weihnachten noch viel intensiver zelebriert.
Ich habe viele Menschen kennengelernt, die schwere Schicksalsschläge erlebt haben und trotzdem weitermachen. – Röbi Koller
Wie Sie gerade schon betont haben, sind Sie dank «Happy Day» sehr viel rumgekommen und durften etliche Orte bereisen. Gibt es trotzdem einen Ort, der noch auf Ihrer Liste steht?
Ich habe schon noch einige Sehnsüchte, beispielsweise nach Vietnam zu reisen. In meiner Jugend war der Vietnamkrieg sehr präsent, darum interessieren mich die Menschen dort. Ich habe jedoch keine Bucketlist, die ich abhake. Australien habe ich beispielsweise noch nicht besucht – das wäre auch cool. Ich bin schon so viel gereist, dass ich eigentlich gar nicht mehr reisen muss. Aber es ist nicht so, dass ich aufgehört habe, zu träumen. Man muss ja weiterträumen.
Sprechen wir über Ihre Tour. Worauf dürfen wir uns freuen?
Ich habe das Buch «Backstage» geschrieben – hinter den Kulissen von «Happy Day» – und gehe damit auf Lesetour in Bibliotheken und Buchhandlungen. Aber es sind keine klassischen Lesungen mit Tischchen und Wasserglas. Ich zeige eine Art Diashow, die ich immer aktuell halte, und erzähle, was bei mir gerade läuft. Meine Show «Zugabe I» ist wie eine ausgebaute Lesung mit Überraschungsgästen. Vielleicht werde ich auch singen – aber darüber möchte ich noch nichts verraten. Die Show soll ein Dialog mit dem Publikum sein.
Auf Tour versprechen Sie, die besten persönlichen Geschichten zu erzählen. Verraten Sie uns eine?
Ich erzähle Geschichten, die bei «Happy Day» hinter den Kulissen passiert sind, auch aus dem Buch. Ich werde sicher von Bob Dylan erzählen, weil ich ein grosser Fan bin. Es wird zudem auch einen Teil geben, in dem es um Gedichte geht – klassische von Schiller etwa, die Beispiele für bestes Storytelling sind. Das ist spannender, als man denkt.
Nach Ihrem TV-Abschied im Frühling gehts nun in den ersten Winter ohne «Happy Day». Angst, dass gerade in dieser besinnlichen Zeit nochmals Wehmut aufkommt?
Nein. Von «Happy Day» habe ich mich verabschiedet. Das wollte ich schon lange und ich habe mich gut darauf vorbereitet. Dieses Kapitel ist abgeschlossen. Ich habe wunderschöne Erinnerungen und bin gespannt, wie es weitergeht. Aber die Sendung hat mit mir jetzt nichts mehr zu tun. Das Team geht seinen eigenen Weg weiter – und ich meinen. Bis jetzt gibts keine Wehmut!
Sie haben mal gesagt, dass Ihre Probleme durch Ihre Arbeit bei Happy Day «kleiner» wirkten, wenn man sie mit denjenigen von anderen vergleicht. Ist das etwas, woran Sie gerade auch in der Adventszeit öfter denken, dass es nicht allen gleich gut geht?
Das sehe ich immer wieder. Ich bin gerade von einer Peru- und Bolivienreise zurückgekommen, wo ich eine Gruppe begleitet habe. Dort habe ich zwei Projekte von «Comundo» besucht. Ich bin Botschafter dieser Entwicklungsorganisation. Ein Projekt kümmert sich um alte Menschen, die in keinem Altersheim untergekommen sind. Wir konnten ihnen Decken kaufen – das war sehr bewegend. In einem anderen Projekt geht es um Familien, die man anleitet, Gärten anzulegen und sich gesund zu ernähren. Ein Teilnehmer aus unserer Gruppe hat spontan eine Pumpe gespendet, damit sie ihr Gärtchen effizienter bewässern können. Das hat in unserem Team sehr viel ausgelöst.
Und zum Schluss: Wie hat Sie die Arbeit bei «Happy Day» persönlich geprägt – und welche Lektionen nehmen Sie für Ihre Tour und die kommende Wintersaison mit?
Die Überraschungen und all die vielen bewegenden Momente. Das prägt einen. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die schwere Schicksalsschläge erlebt haben und trotzdem weitermachen. Wie sie das Leben meistern, war und ist mir noch immer ein grosses Vorbild. Verglichen damit habe ich ganz kleine Probleme. Das prägt einen über die Jahre – und macht dankbar.
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