Im Schweizer Telekom-Markt spielt sich seit einigen Jahren eine spannende «David gegen Goliath»-Geschichte ab. Während die Branchenriesen auf schiere Grösse setzen, punktet Quickline mit einer Mischung aus authentischer Swissness und einer Kundennähe, die man heute oft vergeblich sucht. CEO Egon Perathoner erklärt, warum dieses KMU-Modell so erfolgreich ist, wie er sein Team führt – und warum die Partnerschaft mit der fenaco die Zukunft des Unternehmens prägen wird.

Egon Perathoner
CEO Quickline
Herr Perathoner, Quickline ist seit über 30 Jahren eine feste Grösse in der Schweiz. Vor etwa dreieinhalb Jahren haben Sie den grossen Schritt vom regionalen Verbund zum nationalen Anbieter gemacht. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Der Anstoss erfolgte eigentlich direkt von der Basis. Wir haben über Jahre gesehen, dass unsere Kundinnen und Kunden extrem loyal und zufrieden sind. Das Problem war nur die Geografie: Wer aus unserem damaligen Verbundgebiet wegzog, musste schweren Herzens seinen Anschluss kündigen. Viele fragten uns: «Warum kann ich Quickline nicht einfach mitnehmen?» Bis vor dreieinhalb Jahren mussten wir da leider passen. Aber diese Nachfrage war ein klares Signal. Wir haben uns entschieden, unsere Philosophie der Nähe schweizweit zugänglich zu machen. Heute sind wir zwar national präsent, aber unsere Kernwerte – der persönliche Kontakt und die regionale Verankerung – sind geblieben. Wir sind das KMU, das die grossen Konzerne mit Schweizer Tugenden herausfordert.
Wie lautet Ihr Geheimnis? Wie grenzt sich Quickline heute konkret von den anderen grossen Playern ab, die ja auch mit «Service» werben?
Das Schlüsselwort ist bei uns «persönlich» – und das meinen wir nicht nur als Marketing-Slogan. Wir sind ein Team von rund 200 Leuten und befinden uns zu 100 Prozent in Schweizer Hand. Ein ganz entscheidender Punkt: Wir betreiben kein Outsourcing in Billiglohnländern. Wer bei uns anruft, landet nicht in einem anonymen Offshore-Callcenter am anderen Ende der Welt, sondern bei uns am Hauptsitz im Berner Seeland oder bei einem unserer regionalen Partner vor Ort. Dort sitzen Fachleute, die unsere Kundschaft verstehen und oft sogar im gleichen Dialekt sprechen. Diese Eins-zu-eins-Betreuung ist unser grösstes Kapital. Unser neuer Claim «Einfach näher dran» ist also ein Versprechen, das wir täglich einlösen.
Lassen Sie uns über Sie sprechen. Sie waren vorher COO und stehen nun als CEO an der Spitze. Was macht für Sie gute Führung aus, besonders in einer so schnelllebigen Branche?
Als CEO muss man in erster Linie Orientierung geben. Wir leben in einer Zeit, in der sich Technologien und Marktbedingungen fast monatlich ändern. Da ist es meine Aufgabe, Ruhe zu bewahren, Sicherheit auszustrahlen und eine klare Vorwärtsstrategie zu haben – auch wenn die Zeichen der Zeit mal nicht eindeutig sind. Führung bedeutet für mich aber auch, die Menschen wirklich mitzunehmen. Ich möchte eine Überzeugung im Team kultivieren: Jede und jeder Einzelne soll spüren, dass sie oder er am richtigen Ort ist und dass die Arbeit wertgeschätzt wird. Nur wer sich sicher und gesehen fühlt, kann kreativ und mutig agieren.
Welche Personen arbeiten typischerweise bei Quickline?
Wir ziehen vor allem Menschen an, die Lust haben, etwas zu bewegen. In der Telekom-Welt sind wir ein KMU, während fast alle anderen Marken riesige Konzerne sind. Das ist für unsere Mitarbeitenden ein Vorteil: Sie sind kein kleines, anonymes Rädchen im Getriebe. Bei uns macht man im Grunde das Gleiche wie bei den Grossen, aber mit viel weniger Leuten. Das führt dazu, dass die Rollen bei uns viel breiter und abwechslungsreicher sind. Wir suchen dementsprechend Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen, statt sich hinter Prozessen zu verstecken. Kurzum: Wer kreative Kraft hat und echte Wirkung erreichen will, ist bei uns goldrichtig.
Ein ganz entscheidender Punkt: Wir betreiben kein Outsourcing in Billiglohnländern. Wer bei uns anruft, landet nicht in einem anonymen Offshore-Callcenter am anderen Ende der Welt, sondern bei uns am Hauptsitz im Berner Seeland oder bei einem unserer regionalen Partner vor Ort.– Egon Perathoner,
CEO Quickline
Die Schweizer Identität wird bei Quickline oft betont. Ist das in Zeiten der Globalisierung nicht überholt?
Im Gegenteil, es ist unsere Überlebensversicherung. Quickline entstand ursprünglich aus dem Zusammenschluss regionaler Netzeigentümer, die für ihre Region etwas Gutes tun wollten. Diese regionale Verwurzelung ist unsere Essenz. Wir sponsern keine anonymen Mega-Events, sondern sind bei lokalen Sportanlässen präsent, wo man sich noch die Hand gibt. Unsere Aktionäre sind selbst Schweizer KMU, oft aus dem Energie- oder Telekom-Bereich. Sie ticken genau wie wir. Dieses Konstrukt gibt uns eine enorme Unabhängigkeit: Wir müssen nicht nach der Pfeife von internationalen Shareholdern tanzen, denen die Region völlig egal ist.
Das Thema «Innovation» wird oft mit riesigen Budgets assoziiert. Wie hält ein Schweizer KMU da mit?
Wir fokussieren uns auf Produktinnovationen mit echtem Nutzwert und müssen nicht jedem Trend hinterherrennen, nur um dabei zu sein. Wir wägen ab: Bringt das unserer Kundschaft wirklich einen Vorteil? Dass wir Innovationspioniere sind, haben wir schon vor fünfzehn Jahren bewiesen, als wir mit «Quickline TV» als Erste die Replay-Funktion eingeführt haben. Heute ist das Standard, damals war es eine kleine Revolution. Für uns ist Einfachheit das wichtigste Element. Technik darf nicht kompliziert sein.
Können Sie uns schon einen Einblick geben, was als Nächstes in der Pipeline steht?
Wir bereiten gerade den Launch unserer nächsten TV-Box-Generation vor. Hier gehen wir wirklich auf das nächste Level: Die Box wird noch smarter, arbeitet im Hintergrund noch effizienter und ist dabei deutlich umweltfreundlicher. Wir haben hart daran gearbeitet, dass sie weniger Strom verbraucht und extrem leise ist, während sie gleichzeitig ein vollwertiges Premium-TV-Erlebnis liefert. Das Design ist elegant und unaufdringlich. Aber am wichtigsten: Wir behalten die Einfachheit bei. Auch Menschen, die nicht mit dem Smartphone in der Hand aufgewachsen sind, können unsere Box intuitiv bedienen.
Digitalisierung heisst heute oft auch künstliche Intelligenz. Welchen Platz hat KI in Ihrer Strategie?
KI wird unsere Branche massiv verändern, keine Frage. Wir nutzen diese Technologie bereits heute intensiv, um unsere internen Prozesse zu analysieren und zu optimieren. Aber wir haben eine ganz klare Grenze: Im direkten Kundenkontakt hat KI bei uns nichts zu suchen. Wir setzen KI ein, um unsere Support-Agenten zu unterstützen, nicht um sie zu ersetzen. Die KI hilft den Mitarbeitenden zum Beispiel, Informationen schneller zu finden, damit sie den Kundinnen und Kunden am Telefon noch kompetenter Auskunft geben können. So verbessern wir den Service signifikant, behalten aber das menschliche Gespräch bei, das uns so wichtig ist.
KI wird unsere Branche massiv verändern, keine Frage. Wir nutzen diese Technologie bereits heute intensiv, um unsere internen Prozesse zu analysieren und zu optimieren.– Egon Perathoner,
CEO Quickline
Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: 2025 ist die fenaco als Aktionärin eingestiegen. Was bedeutet das für das Jahr 2026 und Ihre persönlichen Ziele?
Das ist eine der spannendsten Opportunitäten der letzten Jahre. 2026 geht es für uns darum, die Zusammenarbeit mit der fenaco zu stabilisieren und voll zu etablieren. Wir sehen hier zwei zentrale Säulen: Zum einen den Energiebereich, wo die fenaco mit Agrola eine wesentliche Rolle spielt. Zum anderen wollen wir die Brücke zum Detailhandel schlagen und das Vertriebsnetz der Genossenschaft nutzen. Stellen Sie sich vor, Sie können Ihre Quickline-Produkte mit Ihren täglichen Besorgungen kaufen. Das erachte ich als die ultimative Form von Nähe. Mein Ziel ist es, den Quickline-Verbund noch enger zusammenzuschweissen und Quickline national als die sympathische, unkomplizierte Alternative zu «den Grossen» zu festigen.
Weitere Informationen unter quickline.ch

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