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Die Effizienzprofis, die zum Wohle der Wirtschaft handeln

19.03.2026
von SMA

Der Weg zur Klimaneutralität stellt Schweizer Firmen in ein Spannungsfeld zwischen ökologischer Verantwortung und wirtschaftlicher Realität. Die Expertise der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) ist daher heute umso wertvoller. Im Gespräch erläutert Geschäftsführer Frank R. Ruepp, wie Unternehmen durch gezielte Massnahmen nicht nur ihren CO2-Fussabdruck reduzieren – sondern gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. 

Frank R. RueppGeschäftsführer

Frank R. Ruepp
Geschäftsführer

Herr Ruepp, Politik und Gesellschaft erwarten von Unternehmen, dass sie nachhaltiger werden. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für Schweizer Firmen im Daily Business?

Die Realität in den Betrieben ist sehr heterogen; die Herausforderungen variieren stark je nach Branche, Unternehmensgrösse und Tätigkeitsfeld. Eine massive Hürde stellt aber sicherlich die Dekarbonisierung komplexer industrieller Prozesse dar, insbesondere im Hochtemperaturbereich. Hier stossen Standardlösungen oft an ihre Grenzen. Wo Hochtemperatur-Wärmepumpen nicht ausreichen, bleibt die Industrie vorerst auf Erdgas angewiesen, weshalb der Zugang zu Alternativen wie Biogas ein entscheidender Hebel ist. Generell liegen die grössten Erfolgspotenziale meist in der gezielten Prozessoptimierung.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Finanzierung. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage zögern viele Firmen, Kapital in Projekte mit langen Payback-Zeiten zu binden, wenn dieses Geld im Kerngeschäft dringender benötigt wird. Selbst hier werden nur Projekte mit Payback-Zeit von maximal ein bis zwei Jahren realisiert. Die Energiefrage geniesst dementsprechend oft nur sekundäre Priorität. Und dann wäre da noch der administrative Aufwand zu nennen: Während Grossunternehmen über spezialisierte Stäbe verfügen, fehlen KMU häufig die nötigen Ressourcen und teilweise das nötige Know-how, um sich mit Energie- und Emissionsthemen auseinanderzusetzen. Genau hier setzen wir an, um diese Lücke durch gezielte Unterstützung zu schliessen.

Viele Menschen verbinden die EnAW vor allem mit der Rückerstattung der CO2-Abgaben. Doch die Agentur hat sich längst zu einem umfassenden Partner entwickelt. Welches sind heute Ihre Hauptaufgaben?

Vor 25 Jahren sind wir als Initiative der Wirtschaft gestartet, primär fokussiert auf Energieeffizienz und die CO2-Rückerstattung. Doch wir haben uns transformiert. Basierend auf Feedback von Verbänden und Unternehmen haben wir uns gefragt: Was benötigt die Wirtschaft wirklich? Als Non-Profit-Verein fungieren wir heute als Drehscheibe und Plattform – ein One-Stop-Shop quasi, der Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz vereint. Unsere Arbeit ist deutlich strategischer geworden; wir erstellen Netto-Null-Roadmaps und beraten umfassend zur Ressourceneffizienz. Daher betrachten wir nicht mehr nur Scope 1 und 2, sondern begleiten Firmen auch bei der komplexen Scope-3-Thematik entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein besonders pragmatischer Einstieg ist unser «Material-Check» im Rahmen unseres Ressourceneffizienz-Angebotes.

Wir wollen nicht die Welt im Alleingang retten, sondern Firmen dazu befähigen, effizient mit Energie und Rohstoffen umzugehen.– Frank R. Ruepp,
Geschäftsführer

Worum handelt es sich dabei?

Hier analysieren wir Stoffflüsse, reduzieren Ausschuss und fördern das Recycling. Da Einsparungen bei Material oft ein schnelles Payback liefern, dienen diese häufig als Sprungbrett für weitere Massnahmen. Zudem bieten wir mit «EnAW-Kompakt» ein kostenloses, KI-unterstütztes Tool an: Firmen laden ihre Energierechnung hoch, und unser System generiert unter anderem basierend auf unserem riesigen Datenschatz von 25 Jahren und über 47 000 umgesetzten Massnahmen konkrete Vorschläge inklusive eines groben Preisschildes. Damit nutzen wir unseren enormen «Datenschatz», um Unternehmen mit Big-Data-Analysen mobilisierungsstarke Erkenntnisse zu liefern.

Können Sie uns Success-Cases nennen, wie die EnAW Firmen auf ihrer Dekarbonisierungsreise begleitet hat?

Ein hervorragendes Beispiel liefert die frigemo AG in Cressier, ein Unternehmen der Fenaco-Gruppe, das wir seit 2008 begleiten. Dort werden jährlich riesige Mengen Kartoffeln zu Tiefkühl-Pommes-frites verarbeitet. Durch über 60 Einzelmassnahmen wurde der Wärmeverbrauch rationalisiert. Ein Highlight ist die Wärmerückgewinnung aus den Fritteusen, die bis zu 1,5 Megawatt leisten. Zudem deckt das Unternehmen 10 bis 15 Prozent seines Wärmebedarfs durch Biogas, das direkt aus dem produktionseigenen Abwasser gewonnen wird.

Ein weiterer spannender Case ist der Grosshändler Pistor, der seit über zehn Jahren mit uns zusammenarbeitet. Durch eine Vielzahl an Effizienzsteigerungen konnte der Betrieb seinen ökologischen Fussabdruck massiv verkleinern. Besonders erwähnenswert ist die Inbetriebnahme eines Erdwärmespeichers, der jährlich über 100 000 Liter Heizöl einspart. Diese Beispiele zeigen deutlich, wie technologische Innovation und ökologische Verantwortung Hand in Hand gehen können.

KMU klagen oft über den «Förderdschungel» und hohen administrativen Aufwand. Wo setzen Sie hier den Hebel an?

Die Förderlandschaft auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene ist extrem vielfältig. Wir müssen somit ständig up to date bleiben, um unseren Mitgliedern die nötige Übersicht zu verschaffen. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer haben im Tagesgeschäft, wie gesagt, schlicht keine Ressourcen, sich mit diesem administrativen Aufwand auseinanderzusetzen, weshalb viele Gelder gar nicht erst abgeholt werden. Ein entscheidender Punkt ist das Timing: Gefördert werden meist nur Massnahmen, die ohne Zuschuss unwirtschaftlich wären. Daher ist es essenziell, dass der Förderantrag gestellt wird, bevor die Bestellung ausgelöst wird. Wer zu spät kommt, geht leer aus. Wir fungieren hier als Begleiter, der die Firmen rechtzeitig auf diese und weitere Rahmenbedingungen aufmerksam macht.

Was muss die Politik tun, um Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit besser zu harmonisieren?

Zuerst muss die Förderung unbürokratischer werden. Grundsätzlich benötigen die Unternehmen jedoch ein politisches und wirtschaftliches Umfeld, in dem sie erfolgreich wirtschaften können – denn nur dann wird reinvestiert. Da neue Technologien fast immer effizienter sind, führt jede Investition automatisch zu einer Verbesserung der Klimabilanz. Folglich ist eine starke industrielle Basis volkswirtschaftlich entscheidend. Aktuell fehlt der Industrie oft die nötige Lobby; man betreibt teilweise «Vogel-Strauss-Politik» und kauft Güter lieber im Ausland ein, statt den Werkplatz Schweiz zu stärken. Auch beim Thema Kreislaufwirtschaft gibt es Diskrepanzen: Wir wollen sie fördern, doch es fehlt an Infrastruktur für das Recycling vor Ort. Dies führt dazu, dass diese Wertstoffe per Lkw ins Ausland und die Neuprodukte wieder zurück in die Schweiz transportiert werden müssen, was enorme Mengen an grauer Energie verursacht. Hier ist mehr gesamtheitliches Denken in der Regulierung gefragt.

Was ist Ihnen als Geschäftsführer bei der Führung und Unternehmenskultur wichtig?

Mein Team muss verstehen, dass wir keinen Selbstzweck verfolgen. Wir existieren für die Firmen und orientieren unser Handeln an deren Bedürfnissen. Ich lege grossen Wert auf einen kollegialen, offenen Austausch und klare Strukturen und Prozesse. Die Zusammenarbeit verschiedener Generationen – von Baby-Boomern bis zur Gen Z – empfinde ich als herausfordernd, aber auch als enorme Bereicherung. Eine zentrale Überzeugung von mir lautet: Wer erfolgreich führen will, muss Menschen mögen. Dementsprechend wollen wir auch ein enges Verhältnis zu unseren mandatierten Beratenden pflegen. Sie sind unsere Visitenkarte bei den Kunden. Qualität und Preis müssen hier absolut überzeugen, um das Vertrauen der Wirtschaft langfristig zu rechtfertigen.

Welche künftigen Trends werden Ihre Kunden – und damit die EnAW – prägen?

Wir entwickeln uns parallel zu den Bedürfnissen der Unternehmen. Aktuell spüren wir, dass der erste Hype um das Thema Nachhaltigkeit einem realistischeren Blick gewichen ist. Hier trennt sich nun die Spreu vom Weizen: Firmen, die lediglich «Greenwashing» betrieben haben, rudern zurück. Jene, die es ernst meinen, treiben ihre Projekte entschlossen voran. Wir wollen nicht die Welt im Alleingang retten, sondern Firmen dazu befähigen, effizient mit Energie und Rohstoffen umzugehen. Somit bleibt unser Ziel klar: Energie- und Ressourceneffizienz steigern und damit auch CO2-Emissionen nachhaltig reduzieren.

Weitere Informationen unter enaw.ch

Über die EnAW

Bereits seit dem Jahr 2001 forciert die EnAW in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft einen konsequent ökonomisch tragfähigen Klimaschutz. Dabei bietet sie massgeschneiderte Lösungsansätze an, um die Energie- und Ressourceneffizienz in den Betrieben kontinuierlich zu optimieren. Dementsprechend verfügen die über 150 spezialisierten EnAW-Beraterinnen und -Berater über tiefgreifende Expertise in sämtlichen Branchen und Wirtschaftszweigen. Somit wird sichergestellt, dass Unternehmen kompetent auf ihrem Weg zu reduzierten CO2-Emissionen, sinkenden Kosten sowie einer gesteigerten Ressourcenproduktivität begleitet werden.

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