ki
zVg
Business Deutschland Sponsored

KI erkennt Muster, führen müssen Menschen

10.04.2026
von SMA

Celine Oechler, Business Owner & Teamlead bei der Haufe Akademie GmbH & Co. KG, erklärt, wie künstliche Intelligenz Führungsdynamiken schneller sichtbar macht. Führungskräfte können damit ihr Unternehmen präziser einordnen und Ziele klarer definieren – aber niemals die eigene Verantwortung abgeben. 

Celine OechlerBusiness Owner Be6! Framework

Celine Oechler
Business Owner Be6! Framework

Frau Oechler, es gibt unzählige Leadership-Ansätze. Warum hat die Haufe Akademie mit Be6! ein eigenes Leadership Framework entwickelt?

Wir haben das Be6! Framework entwickelt, weil wir in der Praxis immer wieder gesehen haben, dass Leadership-Ansätze entweder stark prozessorientiert oder rein haltungsbasiert aufgebaut sind, aber beides nicht systematisch verbinden. In Organisationen geht es immer um Performance. Doch Performance entsteht vor allem dadurch, dass Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können. Gute Führung muss deshalb vor allem Menschen befähigen, wirksam zu werden. Genau hier setzt Be6! an: Unser Framework verbindet die harten Faktoren wie Management, Strategie und Performance mit den weichen Faktoren wie Haltung, Persönlichkeit und Kultur.

Be6! funktioniert dabei wie eine Landkarte moderner Führung, indem es sechs zentrale Handlungsfelder umfasst. Durch die Arbeit damit können Führungskräfte sowohl das notwendige Skillset als auch das passende Mindset entwickeln.

Darauf aufbauend haben wir die Be6! Analyse App entwickelt – eine KI-gestützte Führungsanalyse, mit der Organisationen ihre Führungssituation erstmals strukturiert sichtbar machen können. Anhand der Ergebnisse können wir Unternehmen gezielt beraten. Selbstverständlich haben wir bei der Entwicklung des KI-Tools sehr strenge Datenschutzmechanismen implementiert. 

Was ist die Kernaussage des Be6! Leadership Frameworks? Und welche Rolle spielen dabei die sogenannten »Driver«?

Ich würde es als praxisnahen Kompass beschreiben, der auf sechs Grundprinzipien aufbaut, um Führungskräften einen strukturierten Rahmen zu bieten, die Herausforderungen moderner Führung ganzheitlich zu meistern.

Die sechs Driver stehen dabei für eine aktive Selbstführung. Wir bezeichnen sie gerne als Haltungskatalysatoren: Die äußeren Handlungsfelder beschreiben, was Führung tut, aber die Driver im Inneren entscheiden, wie sie gestaltet wird. Und damit entsteht die Verbindung zum Mindset-Gedanken. Das »Be« im Namen ist dabei bewusst gewählt: Es steht für die innere Aufforderung zu einer bestimmten Haltung und zu bewusstem Handeln.

Was passiert Ihrer Erfahrung nach in Unternehmen, wenn zwar die Skills vorhanden sind, aber die innere Haltung fehlt? 

Oft sehen wir Organisationen mit gut entwickelten Führungsskills: Und trotzdem fehlen Dynamik, Verantwortungsübernahme und Lernfähigkeit. Operative Kompetenz ist also vorhanden, Wirksamkeit jedoch kaum. Ohne eine positive Grundhaltung lassen sich Menschen jedoch sehr schwer zu Höchstleistungen motivieren. Die Folge ist Dienst nach Vorschrift und abwandernde Talente. Erst wenn Skillset und Mindset zusammenkommen, entstehen echte Bewegung und nachhaltige Performance.

Sie beschreiben das Framework als Kreis ohne Anfang und Ende. Warum ist diese Darstellung von moderner Führung wichtiger als die klassische Hierarchiepyramide? 

Die klassische Pyramide beschreibt vor allem Strukturen und Verantwortlichkeiten und geht davon aus, dass Führung primär über klare Top-down-Entscheidungen funktioniert.

KI ist Führungsaufgabe, kein IT-Projekt! Denn je intelligenter die Technologie wird, desto souveräner muss das Management agieren.– Celine Oechler,
Business Owner & Teamlead

Moderne Organisationen funktionieren allerdings anders, sie folgen einem Dreiklang aus Strategie, Organisation und Performance: Strategie prägt die Organisation, diese beeinflusst die Performance und aus ihr entstehen neue Erkenntnisse für die Strategie. Genau deshalb haben wir das Framework als Kreis gedacht: Führung ist kein linearer Prozess, sondern ein kontinuierlicher Lern- und Anpassungszyklus. Gerade mit KI steigt die Dynamik, denn Transparenz und Analysegeschwindigkeit nehmen zu und Führungskräfte müssen komplexere Zusammenhänge schneller einordnen und danach handeln. KI erhöht das Tempo – die Führung entscheidet über die Richtung.

Wie stellen Sie sicher, dass dieser Kreislauf tatsächlich gelebt wird? 

Ein Framework allein verändert noch keine Organisation – Führungskräfte müssen dazu ihre Führungspersönlichkeit weiterentwickeln. Deshalb arbeiten wir mit Formaten, in denen sie ihre eigene Organisation entlang des Frameworks analysieren und regelmäßig spiegeln. Häufig in Form von Blended Learning: Input, praktische Anwendung, Austausch in Peergroups und Messkonzepte zur regelmäßigen Überprüfung der eigenen Entwicklung. KI kann diesen Prozess zusätzlich beschleunigen, weil Führungsdynamiken und Entwicklungspotenziale schneller sichtbar werden und wir früher in die konkrete Beratung einsteigen können.

Sie haben hierzu die Be6! Analyse App entwickelt. Welche Rolle spielt die App im Gesamtsystem und warum bezeichnen Sie sie als »virtuellen Senior-Consultant«?

Die digitale Operationalisierung unseres Frameworks hilft dabei, Organisationen entlang von sechs Handlungsfeldern strukturiert zu analysieren und quantitative Einschätzungen mit qualitativen Beobachtungen zu verbinden. KI erkennt dabei Muster und Spannungsfelder, die in klassischen Diskussionen oft erst später sichtbar werden, ordnet alle Erkenntnisse unserem Führungsframework zu und gibt Handlungsempfehlungen.

So werden Zusammenhänge sichtbar, die im Alltag leicht übersehen werden. Wir sprechen deshalb vom »virtuellen Senior-Consultant«: nicht als Entscheider, sondern als Copilot, der Strukturen aufzeigt und Hypothesen formuliert, die wir anschließend gemeinsam reflektieren. Die Qualität der Analyse entsteht weiterhin aus der Kombination von menschlicher Erfahrung und KI-gestützter Auswertung. 

Wobei stößt KI an ihre Grenzen? 

Die erste Grenze liegt in der Datenbasis: Die KI arbeitet mit den Einschätzungen der Teilnehmenden. Sind Wahrnehmungen verzerrt oder politisch gefärbt, kann sie diese zwar strukturieren, aber nicht korrigieren. Ihre Qualität hängt also stark von den eingegebenen Daten ab.

Die zweite Grenze betrifft die soziale Dynamik. KI erkennt Muster, kann aber keine Spannungen, Machtverhältnisse oder unausgesprochenen Konflikte im Raum spüren. Deshalb verstehen wir sie als Reflexionsverstärker, nicht als Wahrheitssystem – Interpretation und Entscheidungen bleiben menschliche Verantwortung.

Können Sie ein Praxisbeispiel schildern, in dem die KI geholfen hat, ein strukturelles Problem klarer zu erkennen?

In einem Workshop bei einem Unternehmen hat die KI sofort eine sehr hohe operative Exzellenz bei gleichzeitiger schwacher Fehlerkultur und fehlender strategischer Orientierung sichtbar gemacht. Für das Management war das ein echter Aha-Moment! Darauf aufbauend konnten wir gezielt Entwicklungsmaßnahmen ableiten: Lernformate institutionalisieren, strukturierte Feedback- und Anerkennungsmechanismen einführen und den gemeinsamen strategischen Orientierungsrahmen schärfen.

Hochwertiges Leadership-Coaching war ja bisher ein sehr exklusives Gut. Macht KI Topberater jetzt überflüssig?

Nein, künstliche Intelligenz wird Leadership-Beratung und Organisationsentwicklung nicht ersetzen! Aber sie wird sie strukturell verändern. Ein großer Teil klassischer Beratungsarbeit besteht ja zunächst aus Analyse, Strukturierung und Dokumentation und genau hier setzt die App an, indem sie Analysen beschleunigt. Dadurch haben Beraterinnen und Berater mehr Zeit für strategische Einordnung, kulturelle Interventionen und die Arbeit mit Führungsteams. Beratung wird dadurch aber keineswegs überflüssig, ganz im Gegenteil.

Was raten Sie generell Vorständen, die sich mit KI und Führung beschäftigen?

KI ist Führungsaufgabe, kein IT-Projekt! Denn je intelligenter die Technologie wird, desto souveräner muss das Management agieren. Gewinnen werden nicht die Unternehmen mit den fortschrittlichsten Algorithmen, sondern die, die auch am klügsten lenken. Und damit ist auch emotionale Beziehungsintelligenz gemeint. Und das Fundament dazu ist ein verbindlicher Führungsrahmen, in dem agiert wird. 

Weitere Informationen unter haufe-akademie.de/be6-app

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Vorheriger Artikel Prof. Dr. Hermann Simon: »Fokussiert euch aufs Wesentliche!«
Nächster Artikel Der nächste Wettbewerbsvorteil: Female Leadership