Digitale Transformation scheitert selten an der Idee, sondern am Schritt in die Umsetzung. Kerstin Stier, Geschäftsführerin der engomo GmbH, spricht darüber, wie Unternehmen ins Machen kommen, welche Rolle Low Code dabei spielt und welche Leitplanken es braucht, damit KI im Enterprise-Kontext verlässlich wirkt.
Frau Stier, viele sprechen über digitale Transformation, wenige kommen ins Handeln. Was heißt konsequentes Handeln konkret?
Für mich beginnt konsequentes Handeln mit klaren Prioritäten: Welche Prozesse sind geschäftskritisch und wo spüren die Menschen im Alltag den größten Schmerz? Genau dort muss man ansetzen. Es geht darum, Abläufe so zu vereinfachen und zu digitalisieren, dass sie tatsächlich genutzt werden. Entscheidend ist durchgängige Verantwortung statt Silodenken. Das bedeutet auch: mehr IT-Budget für Wertschöpfung, weniger für das Verwalten von Komplexität. Wer nah am Prozess ansetzt, erzielt schnell sichtbare Ergebnisse und baut damit Momentum für die weitere Digitalisierung auf.
engomo setzt auf Low Code, um Prozesse schnell in die Anwendung zu bringen. Woran erkennt man die richtige Initialzündung und wie wird aus einem Piloten Skalierung?
Aus unserer Arbeit mit über 500 Unternehmen sehen wir ein wiederkehrendes Muster: Erfolgreiche Teams haben ein klares Zielbild und gehen schnell ins Operative, indem sie konkrete Schmerzpunkte lösen. Für den Einstieg eignen sich Prozesse mit hoher Wiederholrate, weil Nutzen und Akzeptanz dort besonders sichtbar werden. Von dort geht es Schritt für Schritt weiter. Low Code bildet dabei die gemeinsame Basis. So entstehen keine isolierten Einzellösungen, sondern wiederverwendbare Bausteine, die zusammenwachsen. Gleichzeitig sorgt klare Governance dafür, dass kein Wildwuchs entsteht und Fachbereiche handlungsfähig bleiben.
Gewachsene Systemlandschaften bremsen häufig. Wie lässt sich diese Komplexität beherrschen?
Komplexität lässt sich selten einfach »wegmodernisieren« und klassische Harmonisierungsvorhaben nehmen Tempo aus der Transformation. Der entscheidende Hebel ist daher Orchestrierung: Unsere Lösung legt sich als Integrations- und Orchestrations-Layer über bestehende Systeme, bindet diese über Standardschnittstellen und Konnektoren an und macht die Komplexität für Anwender:innen im Alltag unsichtbar. So bleibt der End-to-End-Blick erhalten, während man pragmatisch und iterativ vorgeht. Es geht nicht darum, Komplexität komplett zu eliminieren, sondern sie beherrschbar und zukunftsfähig zu machen.
Sie sprechen über AI-powered App-Building und die KI-Unterstützung »Gudrun«. Wo bringt KI den größten Mehrwert – und wo braucht es Grenzen?
Der Mehrwert von KI liegt darin, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und Fachwissen breiter zugänglich zu machen. Besonders wirkungsvoll ist die Möglichkeit, komplexe Prozesse per Prompt zu modellieren. Innerhalb weniger Minuten entsteht ein Entwurf, der oft bereits zu 80 Prozent tragfähig ist. Im Enterprise-Kontext braucht diese Geschwindigkeit jedoch klare Leitplanken. Deshalb verbinden wir die Dynamik von KI mit einem strukturierten Low-Code-Rahmen: Prompts liefern Tempo, die Plattform sorgt für Governance, Wartbarkeit und eine kontrollierte Integration in geschäftskritische Prozesse. So entstehen Lösungen, die nicht nur schnell entwickelt, sondern auch stabil betrieben und skaliert werden können.
Weitere Informationen unter engomo.com


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