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Zürich
21 Oktober 2020

Zurück in die Gegenwart.

Möbel vergangener Zeiten können frischen Wind in eine Wohnung bringen – auf die Kombination kommt es an. Über guten Geschmack, die Schulung des Auges und Möbel mit Charakter. 

Im Schauraum des Auktionshauses Koller ist vieles Gold, was glänzt. In den goldenen Schnitzereien der Louis-XV-Prunkspiegel ranken sich Sirenen sowie Drachen und beim Empire-Canapé ruhen müde Arme auf bronzenen Greifenstützen. Ersteigert werden die prestigeträchtigen Antiquitäten nicht mehr nur von Händlern.« 90 Prozent unserer Ware geht an Privatkunden», sagt Luca Raschèr, Abteilungsleiter für Möbel und Einrichtungsgegenstände. «Museales Wohnen wird nicht mehr gelebt. Heute werden Stilepochen kombiniert», sagt Raschèr. 

Guter Geschmack ist lernbar 

Raschèr gibt zu, dass deutscher Barock und Biedermeier im Wert gefallen seien – genauso wie durchschnittliche Ware. Dafür würden die Preise für Top-Objekte steigen, egal welcher Epoche. Diese werden etwa über den Erhaltungszustand, die Qualität und den Raritätsfaktor definiert. Auf diesem Niveau werden Einrichtungsgegenstände zu Geldanlagen –vorausgesetzt, man hat ein gutes Auge. «Dieses lässt sich am besten schulen, indem man Auktionsausstellungen und Museen besucht, Kataloge studiert und nachfragt. Wir geben gerne Auskunft», sagt Raschèr. 

Die Patina soll erhalten bleiben. 

Narrative Möbel 

Während im Auktionshaus gerne mal fünfstellige Summen bezahlt werden, beschränken sich die Preise im Brockenhaus Zürich oft auf zwei Ziffern. «Kaputt darf ein Möbel nicht sein. Ansonsten nehmen wir alles, was brauchbar ist und Charakter hat», sagt der Geschäftsführer Ueli Müller. In der Tat findet sich ein buntes Sammelsurium aus Lampen, Sesseln, Tischen und Einrichtungsgegenständen der letzten zehn Dekaden und älter. Die meisten Objekte sind Donationen, manche wurden hinzugekauft. Angeschlagene Möbel werden etwa vom hauseigenen Schreiner Volker Biller sanft renoviert – die Patina soll erhalten bleiben. 

Liebe auf den ersten Blick 

«Tische und Spiegel laufen sehr gut», sagt Müller. Dass eine bestimmte Stilepoche bevorzugt werde, kann auch er nicht bestätigen: «Im Trend liegen gelebte Objekte, die eine Geschichte erzählen.» So besticht etwa ein betagtes Bäckermöbel mit technischem Charme oder der Art- déco-Schreibtisch mit lackiertem Holz und runden Metallbeschlägen. Hier suchen sich die Möbel ihre Käufer aus und nicht umgekehrt. So mag die alte Schulbank beim einen punkten, während sie den anderen kalt lässt. Oder der rote Nierentisch aus den Fünfzigern, der bestimmt entzückend vor den Prunkspiegeln aus dem 18. Jahrhundert aussehen würde–schliesslich kommt es nur auf eines an: die liebevolle Kombination. 

Text: Raoul Abea

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