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4 April 2020

Die Digitalisierung drängt in den Weiterbildungsmarkt.

Obwohl die Digitalisierung viele neue Möglichkeiten bietet, reagieren die Weiterbildungsanbieter hierzulande bislang zurückhaltend. Das könnte zum Problem werden, da insbesondere aus der IT-Branche neue Akteure im Weiterbildungsmarkt auftauchen.

Für die einen ist sie ein Schreckgespenst für die anderen ein Segen: die Digitalisierung. Kaum eine andere Entwicklung hat unsere Gesellschaft in den letzten Jahren derart nachhaltig geprägt. Laptop, Tablets und Smartphones sind aus unserem Alltag längst nicht mehr wegzudenken. Aber nicht nur unser Privatleben, sondern auch die Arbeitswelt wurde aufgrund der Digitalisierung durchgeschüttelt. Traditionsunternehmen aus der Industrie- oder der Medienbranche kämpfen ums überleben oder müssen sich neu erfinden. Andere Firmen erleben dagegen dank der Digitalisierung einen grossen Aufschwung oder wurden erst dank dieser überhaupt gegründet. Facebook, Google und Amazon sind nur ein paar Beispiele dafür.

Schweizer Anbieter sind vorsichtig

In diesem Jahr hat das Institut für Angewandte Psychologie der ZHAW in Winterthur eine Studie veröffentlicht. Die hat etwas mehr als 600 Fach- und Führungskräfte zum Thema Digitalisierung befragt. Obwohl die Mehrheit der Befragten angegeben hat, dass sie die Digitalisierung tendenziell positiv beurteilt, wünschen sich 53 Prozent, dass der Arbeitgeber ihre digitalen Kompetenzen stärker fördert. 60 Prozent gaben jedoch an, dass sie in einem Unternehmen arbeiten, das derzeit keine Strategie zur digitalen Weiterbildung der Mitarbeiter hat. Diese Zahlen zeigen klar: Die Digitalisierung wird auch in der Weiterbildungsbranche immer wichtiger. Und das, obwohl sie derzeit noch von vielen Unternehmen eher stiefmütterlich behandelt wird. Dies hängt unter anderem auch damit zusammen, dass die Weiterbildungsanbieter in der Schweiz bislang nur sehr zurückhaltend auf die Digitalisierung und die dadurch entstehenden neuen Möglichkeiten der Wissensvermittlung reagiert haben.

Die Digitalisierung wird auch in der Weiterbildungsbranche immer wichtiger.

Diese Tatsache ist auch dem Schweizerischen Verband für Weiterbildung (SVEB) bekannt. Eine aktuelle Umfrage des SVEB, an der 340 von rund 2500 Weiterbildungsanbietern in der Schweiz teilgenommen haben, hat ergeben, dass zwei Drittel der Befragten damit rechnen, dass die Digitalisierung das Weiterbildungsangebot in den kommenden zehn Jahren grundlegend verändert. Dennoch setzen bislang nur die wenigsten Anbieter konsequent auf digitale Kursinhalte. «Rund die Hälfte aller Anbieter beschränkt sich nach wie vor auf das klassische Modell, bei dem die Kursteilnehmer anwesend sein müssen», sagt Irena Sgier, stellvertretende Direktorin des SVEB. Die andere Hälfte arbeitet begleitend zu den fixen Kursterminen mit digitalen Angeboten wie Moodle-Plattformen oder e-Books..

Digitalisierung gewinnt an Bedeutung

Was also ist der Grund dafür, dass die hiesigen Weiterbildungsanbieter im Bereich der Digitalisierung so zurückhaltend sind, obwohl sie sich der Bedeutung bewusst sind? Die Umfrage des SVEB zeigt, dass viele Anbieter glauben, dass die Digitalisierung ihrer Dienstleistungen zu teuer und die Nachfrage nach rein digitalen Angeboten noch zu gering sei. Beim SVEB beurteilt man die Situation dagegen etwas anders. «Wir sind der festen Überzeugung, dass gerade die Digital Natives nicht mehr tagelang in einem Kurs sitzen wollen, wenn man die Inhalte auch online vermittelt bekommen kann», so Irena Sgier und fügt an: «Deswegen wird die Digitalisierung in der Weiterbildung rasant an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung geht erst jetzt richtig los».

Aus diesem Grund setzt der SVEB im nächsten Jahr seinen Schwerpunkt auf genau diesem Thema. Unter anderem organisiert der SVEB  im Januar eine Tagung, die sich ausschliesslich mit den Zukunftsperspektiven der Digitalisierung in der Weiterbildung auseinandersetzt. «Wir wollen aufzeigen, dass man auch mit wenig Geld viel erreichen und neue Formate einsetzen kann. Wenn die Weiterbildungsanbieter dies nicht tun, laufen sie Gefahr, dass sie längerfristig den Anschluss verpassen», glaubt Sgier.

Viel Potenzial

Die neuen Formate der Wissensvermittlung – dazu zählen beispielsweise Lern-Apps oder kostenlose Onlinekurse (MOOC) – bringen viele Vorteile mit sich. Die Kursteilnehmer können flexibler lernen. Sie sind nicht auf einen Kursraum angewiesen, sondern können lernen wann, wo und auf welchem Gerät sie wollen. Eine Entwicklung, die viel Potenzial bietet und gerade bei den Digital Natives grossen Anklang finden dürfte. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass das digitale Lernen den physischen Kursraum ersetzen wird. Auch nicht bei den Digital Natives. «Der Trend geht eher in Richtung des Blended Learning, der Präsenzkurse mit selbstständigem Online-Lernen kombiniert», so Sgier. Bei diesem Modell verändert sich die Rolle des Kursleiters, der vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter wird. Eine Rolle, die sich nur sehr schwer digitalisieren lässt.

Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass das digitale Lernen den physischen Kursraum ersetzen wird.

Neue Akteure kommen ins Spiel

Doch die jüngsten Entwicklungen bringen nicht nur Vorteile. Irena Sgier warnt vor den neuen Akteuren, die in den Weiterbildungsmarkt drängen. Dazu gehören vor allem Vertreter aus der IT-Branche. Neben kleinen Start-Ups zählen auch Internetgiganten wie Amazon oder Google dazu. Letzterer bietet längst nicht nur Onlinekurse für die Nutzung der eigenen Tools an, sondern hat beispielsweise auch eine eigene Ausbildung im Online Marketing lanciert. Damit dringt Google in einen Bereich vor, den bislang ausschliesslich die klassischen Weiterbildungsanbieter bewirtschaftet haben. «Anbieter wie Google, die nicht aus dem pädagogischen Markt kommen, haben nicht nur die Ausbildung der Kursteilnehmer im Blick, sondern sie wollen auch, dass diese ihre Produkte nutzen. Es spielen also vor allem kommerzielle Interessen eine Rolle», warnt Sgier. Eine Entwicklung, die vor allem dann zum Problem wird, wenn die traditionellen Weiterbildungsanbieter nicht auf den Digitalisierungszug aufspringen.

Text: Fabio Baranzini

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