14 C
Zürich
4 Juni 2020

Innovationsweltmeister Schweiz.

Viele Leute verbinden die Schweiz mit ihrer malerischen Bergwelt, erstklassiger Schokolade sowie der Uhrenindustrie. Und obschon diese Assoziationen berechtigt sind, werden sie dem hiesigen Ideenreichtum nicht gerecht. Denn die Schweiz ist seit Jahren internationaler Innovationsweltmeister und lässt Länder wie Deutschland und die USA hinter sich. Wie lautet ihr Geheimrezept?

Tollen Käse machen können wir. Das weiss man nicht nur hierzulande, sondern auf der ganzen Welt. Auch ist hinlänglich bekannt, dass Schweizer Kräuterbonbons einen Tick frischer sind, Schweizer Uhren einen Tick präziser laufen und Schweizer Städte einen Tick sauberer gehalten werden. Auch dass uns der Erhalt althergebrachter Traditionen am Herzen liegt, wissen viele Besucher aus allen Teilen der Welt.

Die Schweiz wird vornehmlich mit positiven Eigenschaften assoziiert – mit Ausnahme des hohen Preisniveaus. Und so begrüssenswert dies ist, greifen diese Assoziationen häufig zu kurz. So sind sich viele Menschen aus dem In- und Ausland zum Beispiel nicht bewusst, dass die Schweiz vergangenes Jahr zum siebten Mal in Folge den ersten Platz im «Global Innovation Index» belegt hat. Der von der Cornell University, Insead und der World Intellectual Property Organisazion herausgegebene Index gilt als internationaler Gradmesser der Innovationskraft eines jeweiligen Landes.

Laut dem diesjährigen Index, der unter dem Titel «Innovation ernährt die Welt» publiziert wurde (zu finden in Englisch unter www.globalindex.org), präsentiert sich das Länder-Ranking folgendermassen. Auf den Spitzenreiter Schweiz folgt Schweden auf dem zweiten Platz. Die Niederlande belegen den Dritten Platz, dicht gefolgt von den Vereinigten Staaten auf dem vierten Platz. Von den direkten Nachbaren der Schweiz findet sich nur Deutschland mit Platz neun in den Top 10 wieder. Österreich (Platz 20) und Italien (Platz 29) sind etwas weiter hinten zu finden. Das Schlusslicht bildet mit Rang 127 Yemen.

Die Schweiz als internationales Vorbild

Die Verfasser des Innovationsindex zollten dem siebenfachen Gewinner an der Pressekonferenz im vergangenen Jahr Anerkennung. Francis Gurry, Generaldirektor der WIPO, lobte die Leistung der Schweiz als bemerkenswert. Einen der Schlüsselfaktoren für diese einzigartige Siegesserie sehen die Experten im günstigen Geschäftsumfeld der Schweiz. Dadurch werde es möglich, Ressourcen in vielfältige innovative Outputs umzuwandeln. Die Schweiz bleibe ein Vorbild, betonten die Verfasser abschliessend.

Die Schweiz hat vergangenes Jahr zum siebten Mal in Folge den ersten Platz im «Global Innovation Index» belegt hat.

Doch wie schafft man ein Geschäftsumfeld, das neue Ideen begünstig? Gemäss dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) muss man dafür vor allem bereit sein, Geld in die Hand zu nehmen. So gehöre die Schweiz zu den Ländern, die im Verhältnis zu ihrem Bruttoinlandprodukt am meisten für Forschung und Entwicklung ausgeben, nämlich rund drei Prozent. Den Löwenanteil dieser Ausgaben, die sich auf etwa 16 Milliarden Franken belaufen, bringt die Privatwirtschaft auf. Und die öffentliche Hand? Gemäss Gregor Haefliger, Leiter Forschung und Entwicklung des SBFI, sorgen die staatlichen Institutionen auf allen politischen Ebenen dafür, «dass ein fruchtbarer Boden für exzellente Forschung und erfolgreiche Innovationen entstehen kann.» Sie sichern unter anderem die Qualität der Bildung auf allen Stufen, stellen die öffentliche Infrastruktur zur Verfügung und sorgen für ein zuverlässiges politisches und rechtliches Umfeld.

Wissens- und Technologietransfer

Ausserdem investieren staatliche Stellen auf verschiedenen Ebenen in die Forschung. Die Grundlagenforschung findet in der Schweiz vor allem an den ETH und Universitäten statt. Die angewandte Forschung und Entwicklung sowie die Umsetzung von Wissen in marktfähige Innovationen hingegen ist primär die Domäne der Privatwirtschaft und der Fachhochschulen. Dieser letzte Punkt zeichnet die Schweiz besonders aus. Die enge Verzahnung von Unternehmen und Fachhochschulen sorgt dafür, dass sich beide Seiten gegenseitig voranbringen. Hierbei handelt es sich um den sogenannten «Wissens- und Technologietransfer», also das Umsetzen theoretischen Wissens in die Praxis, bzw. das Einbetten praktischer Fragestellungen in die Forschungsarbeit. Aus dieser engen Zusammenarbeit gehen diverse Projekte hervor, im Rahmen derer sich Studentinnen und Studenten an «echten» Problemen versuchen können. Dadurch sammeln sie wertvolle Praxiserfahrung und die Partnerunternehmen gewinnen gleichzeitig neues Wissen, welches in konkrete Produkte oder Dienstleistungen fliesst.

Dieses Prinzip ist etwas urschweizerisches und ist nicht nur im Bereich der Universitäten, Hoch- und Fachhochschulen zu finden, sondern insbesondere auch in der dualen Ausbildung. Das System der Berufslehre, sprich die Kombination aus Berufsschule sowie Arbeit in einem Unternehmen, fördert das interdisziplinäre Denken bereits bei Jugendlichen.

Die enge Verzahnung von Unternehmen und Fachhochschulen sorgt dafür, dass sich beide Seiten gegenseitig voranbringen.

Vorteile durch internationale Zusammenarbeit

Es ist eine einfache Gleichung: Mehr Köpfe sowie unterschiedliche Perspektiven sorgen für neue Ansätze und Ideen. Aus diesem Grund ist gemäss SBFI die internationale Forschungszusammenarbeit ein weiteres, elementares Puzzleteil für die Innovationskraft der Schweiz. Die Teilnahme an verschiedenen internationalen und interdisziplinären Forschungsprojekten und Einrichtungen sei entscheidend, um neue Impulse zu erhalten. Ein Paradebeispiel dafür ist das CERN in Genf, wo Experten aus aller Welt nicht weniger als die Entstehung des Universums nachzuvollziehen versuchen.

Text: Matthias Mehl

Lesen Sie mehr.

Johann Schneider-Ammann – Die Leitplanken für die Zukunft sind gesetzt

Die Welt verändert sich und mit ihr die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt. Dies führt dazu, dass sich das Bildungssystem stetig anpassen muss. Welchen Einfluss die Digitalisierung dabei hat und wie die nächsten Schritte aussehen, weiss Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Wie sich KMUs gegen Cyberkriminalität schützen

Die Cyberkriminalität hat zugenommen. In der Schweiz ist jedes dritte KMU bereits Opfer eines Cyberangriffs geworden, Tendenz steigend. Was in den 70er Jahren als harmloses «Phreaking» anfing, entwickelte sich später unter dem gewandelten Namen «Hacking» zu einem weltweiten Problem. Ein Problem, welches die Unternehmen nur mit Mühe bewältigen können.

Begpacking – ohne Geld um die Welt

Reisen mit dem Rucksack sind schon seit Jahren beliebt. Junge Erwachsene und Studenten ermöglichen sich so Ferien an ihren Traumdestinationen, ohne viel Geld in die Hand nehmen zu müssen. Nun hat dieser Trend eine neue Stufe erreicht – und eine Grenze überschritten.

Archiv.

Hochzeiten gewinnen an Individualität

Die heutige Zeit wird immer schneller und digitaler. Gerade deswegen vertrauen wir stärker als je zuvor in die Gemeinsamkeit und in die Ehe.