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24 November 2020

Der Kampf der Geschlechter.

In die Männerwelt einzusteigen fühlt sich für Frauen oftmals wie eine Reise in ein fremdes Land an. Schuld daran: traditionelle Berufs- und Geschlechtsbilder. Diese vermitteln ihnen das Gefühl, nicht dazuzugehören. Doch wie wehren sich Frauen gegen diese Vorurteile?

Laut zahlreichen Studien erzielen Unternehmen, welche beide Geschlechter beschäftigen, bessere Ergebnisse. Falls sie jedoch nur auf dem Papier  gleich berechtigt sind, sich in der Praxis aber Unterschiede in der Behandlung bemerkbar machen, kommt es zu einem ständig vorhandenen Konflikt zwischen Männern und Frauen. Bereits bei der Suche nach einer Ausbildung können die ersten Schwierigkeiten auftreten: Viele männlich dominierte Betriebe möchten keine weiblichen Auszubildende einstellen und manchmal sind selbst die Eltern nicht glücklich darüber, wenn die Tochter einen Männerberuf anstrebt. Auch der Übergang von der Ausbildung in eine Beschäftigung gestaltet sich für Frauen schwierig, da sie in typischen Männerbranchen schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Ihnen wird nicht zugetraut, die Arbeit so effizient erledigen zu können wie die Männer. Dies kennt auch SP-Nationalrätin Martina Munz: «Ich ärgere mich gewaltig, dass Frauen in technischen Fragen nicht als kompetent angesehen werden.» Eine Frau in der Männerdomäne wird immer wieder ausgetestet. «Ich habe es erlebt, dass ich an Sitzungen eine Idee eingebracht habe. Über die wurde einfach hinweg geschaut. Wenn zehn Minuten später ein Mann dann die gleiche Idee aufgenommen hat, dann war es plötzlich super», so CVP-Nationalrätin Viola Amherd. Hierbei gilt: Ellbogen ausfahren und seine Stärken beweisen.

Viele männlich dominierte Betriebe möchten keine weiblichen Auszubildende einstellen und manchmal sind selbst die Eltern nicht glücklich darüber, wenn die Tochter einen Männerberuf anstrebt.

Selbstverschuldetes Unwohlsein

Frauen fühlen  sich  oftmals  wie  vor  einer  gläsernen Wand, die  eine  Mauer  zwischen  ihnen  und ihren männlichen Arbeitskollegen bildet. Aus diesem Grund verhalten sie sich zurückhaltender, warten ab und bewegen sich nur in ihrem gewohnten Gebiet. Damit erschweren sie jedoch ihre Integration und werden zwar nicht direkt benachteiligt, aber  auch  nicht wirklich wahrgenommen. Es sind dementsprechend nicht nur die männlichen Vorgesetzten, welche die weiblichen Mitarbeiter ausgrenzen. Die Frauen tragen selbst dazu bei, indem sie sich unwohl und nicht willkommen fühlen. Anstatt sich den Männern gegenüber ebenbürtig zu verhalten, verstecken sie sich hinter dem Gedanken, dass sie hier fremd sind. Im schlechtesten Fall wechseln Frauen zu Berufen oder in Betriebe, in welchen die Frauenquote höher ist. Doch das ist nicht die Lösung, denn ohne sich zu wehren, wird es ihnen im neuen Betrieb ähnlich ergehen. Es ist sicherlich nicht so, dass Frauen in jedem Betrieb diskriminiert oder benachteiligt werden und dessen müssen sie sich bewusst sein.  «Ich habe als SVP-Frau wirklich nur positive Erfahrungen gemacht in Bezug auf die Männer», sagt die Politikerin Verena Herzog.

Den Vorurteilen die Stirn bieten

Für manche Männer ist es anfangs schwierig, eine Frau im Team zu akzeptieren. Das lässt sich jedoch ändern, indem die Mitarbeiter untereinander die Fronten klären und auf ein entspanntes Arbeitsverhältnis setzen. Falls die Frauensprüche und Tücken des Arbeitsalltags harmlos sind, empfiehlt es sich auch, ihnen wenn möglich mit Humor zu begegnen. Somit können sich Frauen sympathischer präsentieren und gelten nicht als schwierig oder unnahbar. Bei zu extremen sexistischen oder feindlichen Anmerkungen muss man sich aber deutlich zur Wehr setzen. Viele Frauen nehmen die Sprüche und Vorurteile hin und wehren sich nicht, da sie Angst vor einer Ausgrenzung haben. Wenn Frauen von Beginn an selbstbewusst auftreten und ihre Grenzen klar signalisieren, dann erhöht sich auch die Chance, dass die männlichen Mitarbeiter sie schneller akzeptieren. Falls man jedoch mal Hilfe benötigt, sollte man sich nicht scheuen dies zuzugeben. Niemand ist allwissend. Und gerade in Unternehmen, wo beide Geschlechter vertreten sind, kann man von den Stärken der Kollegen des anderen Geschlechts profitieren. Oftmals sind die männlichen Kollegen auch bereit weiterzuhelfen, da auch sie von einem angenehmen Arbeitsverhältnis profitieren. Sobald Mitarbeiter einen offenen Umgang pflegen, schwächen die Geschlechterunterschiede ab und es kann sich eine kollegiale Umgangsweise bilden.

Wenn Frauen von Beginn an selbstbewusst auftreten und ihre Grenzen klar signalisieren, dann erhöht sich auch die Chance, dass die männlichen Mitarbeiter sie schneller akzeptieren.

Sich selbst treu bleiben

Nur weil Frauen Männerberufe ausüben, heisst das nicht gleich, dass sie sich auch wie Männer verhalten müssen. Niemand erwartet von ihnen, dass sie zu halben Männern mutieren. Viele Frauen tendieren jedoch dazu, sich das männliche Verhalten anzueignen, weil sie darin die Möglichkeit sehen, dazuzugehören. Am wichtigsten gilt es, zu beachten, stets authentisch zu bleiben. Wenn man eine eher ruhige und besonnene Person ist, dann ist es auch nicht ratsam zu versuchen, sich als Unterhalterin aufzuspielen. Auch mit einer Konzentration auf die eigenen Stärken und guten Leistungen kann man den Chef und die Arbeitskollegen von der eigenen Mitarbeiterqualität überzeugen. Viele Frauen entscheiden sich vornherein für einen typisch weiblichen Beruf. Wer jedoch eine Karriere in der Männerdomäne starten möchte, sich aber von Beginn an vorsichtig und zurückhaltend verhält, erschwert sich selbst den Einstieg. Hierbei gilt es, die Ängste abzulegen und Selbstbewusstsein und Schlagfertigkeit mitzubringen.

Text Sara Culum

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