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Zürich
19 Februar 2020

Zurück zu den Wurzeln mit Urban Gardening.

Ob Blumenbeet oder Apfelbaum: Der Anbau von eigenen Pflanzen zu Hause braucht Platz. Für Stadtbewohner ist der fehlende Garten seit dem neusten Trend aber kein Hindernis mehr. Durch Urban Gardening finden immer mehr Pflanzen ihren Weg in Wohnungen, auf Balkone oder auf Dächer.

Und auch, wenn man sich nach einem grösseren Garten sehnt, ist dieser bestimmt nicht weit vom eigenen Zuhause entfernt. Wie Gebäude spriessen immer mehr Grünflächen aus den Stadtböden hervor. Oder besser gesagt: Dort, wo Gebäude eingerissen werden, entsteht Potenzial für neue Anbauterritorien – auch mit ganz einfachen Mitteln. Ein Beispiel hierfür ist die Gartenanlage «Stadiongarten », welche sich auf dem Areal des ehemaligen Hardturmstadions in Zürich platziert hat. Dort bebauen ortsansässige Hobby-Gärtner ihre Holzkisten oder sogar Badewannen mit allerlei Pflanzen. Obwohl der Anbau von Pflanzen in der Stadt zu den neuen Trends gehört, ist er dennoch bei Weitem keine Neuerfindung.

Der Anfang vor über 200 Jahren

Was heute als Gegenbewegung zur Urbanisierung angesehen wird, wurde früher bereits für andere Zwecke benutzt. In den Anfängen des 19. Jahrhunderts fand das Urban Gardening schon Zugang in die Gesellschaft. Damals verdarben importierte Lebensmittel nach der Ankunft in den Städten bereits nach wenigen Tagen. Um sich selbst mit frischen Esswaren zu versorgen, bauten viele Städter ihre Pflanzen selbst an. Genauso hilfreich war der Eigenanbau während den Kriegszeiten, da er zu einer Unabhängigkeit gegenüber anderen Ländern verhalf. So hat man beispielsweise ein Sechstel des Pariser Stadtgebiets mit selbstangebauten Lebensmitteln bepflanzt.

In der heutigen Zeit ist besonders die Besiedlungsdichte in den Vordergrund gerückt. In der Schweiz hat sich die Bevölkerung im letzten Jahrhundert mehr als verdoppelt. Wiederum doppelt so viele Menschen zieht es seit Anfang 1900 in die Städte. Im Gegenzug zu neuen Häusern und Wohnkomplexen verschwinden Grünflächen vermehrt von der Landkarte. Urban Gardening bietet dem Dichtestress in den Städten die Stirn. Neben der Revolte gegen die Siedlungsdichte birgt der Anbau zudem einen klaren Nutzen.

Grüner, billiger, gesünder

Stellt man sich mit einem Topf, einer Hacke, einem Sack Erde und ein paar Samen auf den Balkon, sind die frische Luft und die vermutlich schöne Aussicht bereits zwei gute Gründe, sich mit der urbanen Gärtnerei anzufreunden. Doch nicht nur die eigenen Gärtnerfähigkeiten profitiert von der Heimgärtnerei: Weitere Vorteile ergeben sich genauso für die Umwelt. Die Herkunft der Tomaten oder Salatgurken, welche man als Nahrungsmittel braucht, beschränkt sich auf den eigenen Balkon. So fallen bereits die CO2-Ausstösse und Transportkosten weg, welche bei der Lieferung vom Ursprungsland in den Laden anfallen würden. Gerade die CO2-Austösse, die durch die Städte erzeugt werden, können durch mehr grüne Anbaufläche abgebaut oder ausgeglichen werden. Neben umwelttechnischen und finanziellen Gründen wird das Urban Gardening auch für andere, symbolische Zwecke verwendet.

Vom einfachen Pflanzenanbau auf der Terrasse hat sich das Urban Gardening in verschiedene Richtungen weiterentwickelt.

Farbe bekennen durch Urban Gardening

Vom einfachen Pflanzenanbau auf der Terrasse hat sich das Urban Gardening in verschiedene Richtungen weiterentwickelt. Nicht nur Städte soll das Urban Gardening verbessern, sondern auch Menschen auf Missstände, Platzmangel und Umweltverschmutzung hinweisen. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Guerilla Gardening. Dabei ist es nicht so gefährlich, wie es der Ursprung des Wortes vermuten lässt. Ziel der Methode ist eher, die Revolte gegen dichtbesiedeltes Gebiet anzuregen. Dies soll mit nichts weiter als ein paar Samen erreicht werden: Überall, wo sich in der Stadt noch unbepflanzter Erdboden befindet, wird dieser zu grünem Gelände umgeformt. In Gebieten, wo gar keine Erde mehr aufzufinden ist, wissen sich Guerilla Gardeners mit mobilen Beeten wie Einkaufswagen oder bepflanzten Schuhen weiterzuhelfen. Da Urban Gardening nicht nur zur Revolte, sondern auch für die tatsächliche Verbesserung des Mikroklimas verwendet werden kann, verhelfen technische Hilfsmittel zu einer grösseren Verbreitung von urbanen Anpflanzungsarten.

Die Technologie hilft weiter

Vor Kurzem hat man in Deutschland ein Roboter entwickelt, welcher den Anbau von Pflanzen an Hausfassaden selbst durchführen kann. Für die Pflanzenaussaat, die Bewässerung und sogar für das Schneiden der Pflanzen ist er zuständig. Auch den Befall von Ungeziefer und Pilzen kann er erkennen und dagegen vorgehen. Hausfassaden sind allerdings nur kleine Bepflanzungsprojekte der heutigen Forschung. Ganze Gewächshäuser, welche als schmale Wolkenkratzer getarnt sind, sollen in Zukunft in Stadtbezirke integriert werden. Diese sogenannten «Farmscrapers» sollen durch ihre schmale, vertikale Form Platz sparen und zudem der Nachhaltigkeit und dem lokalen Anbau von Früchten und Gemüse dienen. Was für die Zukunft gilt, kann heutigen Gartenliebhabern noch gleichgültig sein. Sie haben schon jetzt die Möglichkeit, mit wenigen Mitteln und noch weniger Platz im Urban Gardening aktiv zu werden.

Text Sara Schild

 

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