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17 Oktober 2019

Philip Bär: «Ein Projekt erfolgreich abzuschliessen, muss immer das oberste Ziel sein».

Bauprojekte sind aufwendig und teuer – und bedeuten damit für die Bauherrschaft oft Druck und Stress. Doch das muss nicht sein, sagt Philip Bär, Bauleiter sowie Geschäftsführer der Bär Baumanagement AG. Was nötig ist, um auch anspruchsvolle Bauvorhaben optimal umzusetzen, hat Bär «Fokus Real Estate» verraten.

Philip Bär, wenn man über die Situation des Schweizer Immobilienmarktes spricht, kommt schnell das Wort «Blase» auf. Wie beurteilen Sie als Bau- und Projektleiter die Lage?

Der Schweizer Markt profitiert vom wirtschaftlichen Aufschwung, was zu einer grösseren Nachfrage über alle Preissegmente hinweg führt. Dies auch, weil sich die Hypothekenzinsen immer noch auf sehr tiefem Niveau befinden. Von dieser Situation profitiert die Bauwirtschaft, welche in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Eine Korrektur ist meiner Meinung nach absehbar. Seit einigen Jahren werden mehr neue Wohnungen gebaut als nachgefragt, die Leerstände steigen. Doch noch können sich Unternehmen aus dem Bausektor nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Diese gute Wirtschaftslage nutze ich für mein noch junges Unternehmen, um möglichst viele Projekte erfolgreich zu begleiten. Ich möchte mein Wissen und meine Erfahrungen erweitern und auch Reserven für schwierigere Zeiten bilden.

Was gab 2014 den Ausschlag dafür, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen?

Mir erschien der Zeitpunkt einfach richtig. Nach ein paar Jahren als Hochbauzeichner habe ich in Zürich und Chur Architektur studiert. Anschliessend arbeitete ich in einer Bau- und Verwaltungsfirma und war dort für alle Bauprojekte verantwortlich. Mit meinem ehemaligen Arbeitgeber arbeite ich heute noch sehr erfolgreich zusammen.

Ihre Kernkompetenz liegt im Baumanagement. Was darf man sich genau darunter vorstellen?

Wir übernehmen für unsere Kunden sämtliche Aufgaben, die im Rahmen eines Bauprojektes anfallen. Das bedeutet, dass wir sie durch alle Schritte der Planung, der Ausschreibung sowie der Umsetzung begleiten, beraten – und alle notwendigen Schritte organisieren und überprüfen. Es ist eine sehr wichtige Aufgabe, die direkten Einfluss auf den Erfolg eines Bauvorhabens hat. Und dieses erfolgreich abzuschliessen, muss immer oberstes Ziel sein – sowie das Vermeiden unschöner Überraschungen.

Was meinen Sie damit?

Bauprojekte sind sehr komplex, da viele verschiedene Akteure beteiligt sind. Zudem wird viel Geld investiert. Fehler in der Planung, der Kommunikation oder der Ausführung werden schnell teuer. Dazu kommen häufig Mehrkosten, die den Bauherren gegenüber nicht transparent offeriert werden. Sie werden erst im Nachhinein als «Nachträge» verrechnet. Von dieser Geschäftspraxis halte ich nichts. Aus diesem Grund streben wir immer eine realistische Offerte an. Lieber schlagen wir ein Projekt aus, wenn wir den Eindruck gewinnen, dass man es nicht innerhalb des vorgesehenen Budgets realisieren kann. Ich bin der Meinung, dass dieser Ansatz nachhaltiger und für den guten Ruf des eigenen Unternehmens entscheidend ist. Und meistens gelingt uns die Budget-Punktelandung.

Bauprojekte sind sehr komplexe Vorhaben, da viele verschiedene Akteure und Experten daran beteiligt sind.

Eine andere unschöne Überraschung, von der man immer wieder hört, sind Baumängel.

Die sind leider eine direkte Folge, wenn das Baumanagement nicht richtig greift. Und weil wir in einer komplexen Branche unterwegs sind, kann es immer wieder Probleme geben. Damit wir möglichst agil funktionieren können, setzen wir auf ein grosses Netz von Partnern. Sie stellen mit ihrer Expertise sicher, dass Baumängel so weit wie möglich ausbleiben.

Welchen Stellenwert haben Sanierungen für Ihre Arbeit?

Bei rund drei Vierteln der von uns durchgeführten Projekte handelt es sich um Sanierungen bestehender Objekte. Ich persönlich bevorzuge diese auch fast ein bisschen gegenüber Neubauten.

Aus welchem Grund? Das Arbeiten auf der «grünen Wiese» muss doch der Traum eines jeden Architekten und Bauleiters sein?

Das könnte man tatsächlich annehmen. Aber die Tatsache, dass die Arbeit an einem älteren Gebäude schwieriger planbar ist, macht solche Projekte letztlich spannender. Wird ein Neubau richtig geplant und das Projekt korrekt aufgegleist, kann nicht viel schiefgehen. Bei einem bestehenden Objekt sind mehr unvorhersehbare Faktoren im Spiel. Ein konkretes Beispiel bietet ein Geschäftshaus an der Zürcher Bahnhofstrasse. Der vorherige Mieter nutzte die Räumlichkeiten bis zum letzten Tag. Erst dann konnten wir alles unter die Lupe nehmen und uns einen Eindruck verschaffen. Im Idealfall würden solche Räume erst einmal ein paar Monate lang leer stehen. Aber wie gesagt ist der Idealfall nicht immer so interessant. In diesem konkreten Fall begannen wir bereits am Tag nach dem Auszug des Mieters mit dem Bauen. Und natürlich musste zu diesem Zeitpunkt, noch bevor wir unsere Arbeit aufnahmen, bereits die gesamte Planung umgesetzt werden, inkl. aller behördlichen Eingaben.

Wenn wir von Bauprojekten sprechen, müssen wir auch die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten für die Baubranche ansprechen.

Das stimmt und ich bin der Meinung, dass die Digitalisierung unsere Branche insgesamt positiv beeinflusst. Die neuen Anwendungen erleichtern die Koordination und die Orientierung in und um das Projekt. So lassen sich beispielsweise potenzielle Schnittstellen einfacher aufzeigen. Dies wiederum führt zu mehr Effizienz.

Aber die Tatsache, dass die Arbeit an einem älteren Gebäude schwieriger planbar ist, macht solche Projekte letztlich spannender.

BIM, «Building Information Modelling», gilt als der nächste grosse Schritt in Sachen digitaler Gebäudeplanung. Wie weit ist man damit in der Schweiz?

Die Euphorie bezüglich BIM ist gerechtfertigt. Ich denke ebenfalls, dass es die Zukunft darstellt. Alle am Bauprojekt beteiligten Fachstellen haben Zugriff haben auf das gleiche dreidimensionale Gebäudemodell Zudem kann dieses mit verschiedenen realen Kennzahlen kombiniert werden. Das sind gewaltige Vorteile. Es wird aber noch etwas Zeit brauchen, bis BIM flächendeckend genutzt wird. Das hat vor allem damit zu tun, dass den Bauherren noch kein konkreter Vorteil aus BIM erwächst. Im Gegenteil, sie müssen derzeit noch mehr bezahlen, damit ihr Projekt mit BIM realisiert wird. Die Vorteile liegen also eher bei den Fachplanern, deren Arbeit sich zu Lasten des Auftraggebers vereinfacht. Das Preisgefüge wird sich aber ändern. BIM wird Einzug halten in die Bauvorhaben der Schweiz.

Wie wichtig ist Social Media für Ihre Arbeit?

Die sozialen Medien sind ein weiterer Kanal zur Vermarktung von Unternehmen und Projekten. Ich denke, dass diese Kanäle in Zukunft noch relevanter werden dürften. Sie sind in der Lage, eine jüngere Generation anzusprechen und zu begeistern sowie Emotionen und Inspirationen auf eine neue Art zu transportieren.

Ein grosses Projekt, das ebenfalls Begeisterung auslösen dürfte, ist das «Kompetenzzentrum für Spitzenathletik und Forschung OYM», das derzeit in Cham entsteht. Worum geht es dabei?

Das «OYM» stellt Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern aller Disziplinen eine hochspezialisierte Athletikinfrastruktur zur Verfügung. Zudem wird auch die bereichsübergreifende Forschung im Dienste des Spitzensports unter dem Dach des OYM vorangetrieben. Konkrete Form erhalten diese Ambitionen in einem Gebäudekomplex, der ein Gesamtbauvolumen von 130 000 Kubikmetern hat (40 000 davon unterirdisch). Dementsprechend verfügt das OYM über eine Eishalle, eine moderne Dreifachsporthalle sowie eine Athletikhalle auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern.

Die Euphorie bezüglich BIM ist gerechtfertigt.

Darüber hinaus wird der Gebäudemantel für viele andere Zwecke genutzt, zum Beispiel als Auditorium mit einem Platzangebot von 172 Sitzplätzen. In diesem Auditorium besteht eine optimale Infrastruktur für Seminare, Vorträge und Kultur. Zusätzlich verfügt das Kompetenzzentrum über eine Athletenunterkunft mit einer Kapazität von 25 Doppelzimmern. Die Vision hinter dem OYM stammt vom Unternehmer Dr. Hans-Peter Strebel, der dieses Projekt als Privatperson baut und finanziert. Seit jeher setzt er sich für die Nachwuchsförderung im Schweizer Spitzensport ein – namentlich dem Zuger Eishockey. Strebel ist davon überzeugt, dass die Zukunft des Spitzensports in der gezielten Förderung von Nachwuchsathleten liegt. Aus dieser Überzeugung heraus entstand schliesslich die Idee für das OYM. Strebel will mit eigenen Mitteln Sportförderung betreiben und kommenden Generationen eine Top-Infrastruktur für Spitzenathletik bauen.

Welche Rolle nehmen Sie bei der Realisierung von OYM ein?

Wir vertreten den Bauherren und kamen 2015 durch eine persönliche Empfehlung zum Projekt. Zu diesem Zeitpunkt war bereits der Architekt an Bord, Fachplaner und Generalunternehmer mussten noch bestimmt werden. Wir durften zusammen mit dem Bauherrn sowie dem Architekten das gesamte Planungsteam erstellen sowie das Projekt konkret aufgleisen.

Wie ist der momentane Stand der Arbeiten und wann ist das OYM fertig?

Der Stahlbau ist aufgerichtet. Ende Januar nächsten Jahres hat dann das Gebäude «zu sein». Derzeit beginnen die Arbeiten an der Fassade, später folgt der Innenausbau. Der Fahrplan sieht vor, dass die Bauarbeiten Ende 2019 abgeschlossen sind und die Infrastruktur 2020 in Betrieb genommen werden kann. Bis dahin wird es eine intensive, aber auch sehr spannende und abwechslungsreiche Zeit. Ich freue mich, beim OYM dabei sein zu dürfen, schliesslich handelt es sich mit seiner Kombination aus Athletikumgebung, Forschung, Gastroeinrichtungen und Unterkünften um ein einzigartiges Projekt.

Weitere Informationen unter www.b-bm.ch sowie www.oym.ch

Zur Person.
    1. Philip Bär wurde 1984 geboren. Er absolvierte die Sekundarschule an der Kunst- und Sportschule, wo er auch an seinem Talent für das Springreiten feilen konnte. Nach einer Lehre als Hochbauzeichner nahm er ein Architekturstudium in Chur und Zürich auf, gleichzeitig arbeitete er in einem Büro für Baumanagement. Nach einem Auslandaufenthalt in den USA sowie diversen Bauprojekten machte sich Philip Bär 2014 selbstständig und gründete die «Bär Baumanagement AG». Diese fungiert als Partner für Bauherren und erbringt als Baumanagements- Dienstleister sämtliche Services in den Bereichen Architektur, Projektplanung, Bauleitung sowie Bauherrenberatung.

Interview: Matthias Mehl
Foto: Micha Freutel

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