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20 Juli 2019

Philip Bär: «Ein Projekt erfolgreich abzuschliessen, muss immer das oberste Ziel sein».

Bauprojekte sind komplex, aufwendig und teuer – und bedeuten damit für die Bauherrschaft oft Druck und Stress. Doch das muss nicht sein, sagt Philip Bär, Bauleiter sowie Geschäftsführer der Bär Baumanagement AG. Was konkret nötig ist, um auch anspruchsvolle Bauvorhaben optimal realisieren zu können, hat Bär «Fokus Real Estate» verraten.

Philip Bär, wenn man über die Situation des Schweizer Immobilienmarktes spricht, kommt schnell das Wort «Blase» auf. Wie beurteilen Sie als Bau- und Projektleiter die Lage der hiesigen Baubranche?
Der Schweizer Immobilienmarkt profitiert vom wirtschaftlichen Aufschwung, was zu einer grösseren Nachfrage über alle Preissegmente hinweg führt. Dies insbesondere auch, weil sich die Hypothekenzinsen immer noch auf sehr tiefem Niveau befinden. Von dieser Situation profitiert die Bauwirtschaft, welche in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Eine Korrektur ist meiner Meinung nach absehbar. Seit einigen Jahren werden mehr neue Wohnungen gebaut als nachgefragt, die Leerstände steigen. Doch noch können sich Unternehmen aus dem Bausektor nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Diese gute Wirtschaftslage nutze ich für mein noch junges Unternehmen, um möglichst viele Projekte erfolgreich zu begleiten, mein Wissen und meine Erfahrungen zu erweitern und auch die notwendigen Reserven für schwierigere Zeiten zu bilden.
Was gab 2014 den Ausschlag dafür, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen?

Mir erschien der Zeitpunkt einfach richtig. Nach ein paar Jahren als Hochbauzeichner habe ich in Zürich und Chur Architektur studiert. Anschliessend arbeitete ich in einer Bau- und Verwaltungsfirma und war dort für sämtliche Bauprojekte verantwortlich. Mit meinem ehemaligen Arbeitgeber arbeite ich auch heute noch sehr erfolgreich zusammen.

Die Kernkompetenz Ihres Unternehmens liegt im Baumanagement. Was darf man sich genau darunter vorstellen?

Wir übernehmen für unsere Kunden sämtliche Aufgaben und Rollen, die im Rahmen eines Bauprojektes anfallen. Das bedeutet, dass wir sie durch alle Schritte der Planung, der Ausschreibung sowie der Umsetzung begleiten, beraten – und alle notwendigen Schritte organisieren und überprüfen. Es ist eine sehr wichtige Aufgabe, die direkten Einfluss auf den Erfolg eines Bauvorhabens hat. Und dieses erfolgreich abzuschliessen, muss immer oberstes Ziel sein – sowie das Vermeiden unschöner Überraschungen.

Was meinen Sie damit?

Bauprojekte sind sehr komplexe Vorhaben, da viele verschiedene Akteure und Experten daran beteiligt sind. Zudem ist das Investitionsvolumen hoch. Fehler in der Planung, der Kommunikation oder der Ausführung werden schnell teuer. Dazu kommen leider häufig Mehrkosten, die den Bauherren gegenüber nicht transparent offeriert werden, sondern erst im Nachhinein als «Nachträge» verrechnet werden. Von dieser Geschäftspraxis halte ich nichts. Aus diesem Grund streben wir immer eine sehr realistische Offerte an. Lieber schlagen wir ein Projekt aus, wenn wir den Eindruck gewinnen, dass man es nicht innerhalb des vorgesehenen Budgets realisieren kann. Ich bin der Meinung, dass dieser Ansatz nachhaltiger und für den guten Ruf des eigenen Unternehmens entscheidend ist. Und meistens gelingt uns die Budget-Punktelandung.

Bauprojekte sind sehr komplexe Vorhaben, da viele verschiedene Akteure und Experten daran beteiligt sind.

Eine andere unschöne Überraschung, von der man immer wieder hört, sind Baumängel.

Die sind leider eine direkte Folge, wenn das Baumanagement nicht richtig greift. Und weil wir in einer technisch komplexen Branche unterwegs sind, kann es immer wieder zu Komplikationen kommen. Damit wir als Dienstleister möglichst agil funktionieren können, setzen wir auf ein grosses Netz von Partnern, die mit ihrer jeweiligen Expertise sicherstellen, dass Baumängel so weit wie möglich ausbleiben.

Welchen Stellenwert haben Sanierungen für Ihre Arbeit?

Bei rund drei Vierteln der von uns durchgeführten Projekten handelt es sich um Sanierungen bestehender Objekte. Ich persönlich bevorzuge diese auch fast ein bisschen gegenüber Neubauten.

Aus welchem Grund? Das Arbeiten auf der «grünen Wiese» muss doch der Traum eines jeden Architekten und Bauleiters sein?

Das könnte man in der Tat annehmen. Aber die Tatsache, dass die Arbeit an einem älteren Gebäude schwieriger planbar ist, macht solche Projekte letztlich spannender. Wird ein Neubau richtig geplant und das Projekt korrekt aufgegleist, kann eigentlich nicht allzu viel schiefgehen. Bei einem bestehenden Objekt können eher unvorhergesehene Faktoren auftreten. Ein konkretes Beispiel bietet ein Geschäftshaus an der Zürcher Bahnhofstrasse, welches wir kürzlich sanieren durften. Der vorherige Mieter nutzte die Räumlichkeiten bis zum letzten Tag. Erst dann konnten wir alles so richtig unter die Lupe nehmen und uns einen Eindruck verschaffen. Im Idealfall würden solche Räume erst einmal ein paar Monate lang leer stehen. Aber wie gesagt ist der Idealfall nicht immer so interessant. In diesem konkreten Fall begannen wir bereits am Tag nach dem Auszug des Mieters mit dem Bauen. Und natürlich musste zu diesem Zeitpunkt, noch bevor wir unsere Arbeit aufnahmen, bereits die gesamte Planung umgesetzt werden, inkl. aller behördlichen Eingaben.

Wenn wir von Bauprojekten und Planbarkeit sprechen, müssen wir auch die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten für die Baubranche ansprechen.

Das stimmt und ich bin der Meinung, dass die Digitalisierung unsere Branche insgesamt positiv beeinflusst. Die neuen Anwendungen erleichtern die Koordination und die Orientierung in und um das Projekt. So lassen sich beispielsweise potenzielle Schnittstellen einfacher aufzeigen, was zu mehr Effizienz und weniger Fehlerquellen führt.

Aber die Tatsache, dass die Arbeit an einem älteren Gebäude schwieriger planbar ist, macht solche Projekte letztlich spannender.

 

BIM, «Building Information Modelling», gilt als der nächste grosse Schritt in Sachen digitaler Gebäudeplanung. Wie weit ist man damit in der Schweiz?

Die Euphorie bezüglich BIM ist gerechtfertigt. Ich denke ebenfalls, dass es die Zukunft darstellt. Dass alle am Bauprojekt beteiligten Fachstellen Zugriff haben auf das gleiche dreidimensionale Gebäudemodell und dieses mit verschiedenen realen Kennzahlen kombiniert werden kann, ist ein gewaltiger Vorteil. Es wird aber noch etwas Zeit brauchen, bis BIM wirklich flächendeckend genutzt wird. Das hat vor allem damit zu tun, dass den Bauherren noch kein konkreter Vorteil aus BIM erwächst. Im Gegenteil, sie müssen derzeit noch mehr bezahlen, damit ihr Projekt mit BIM realisiert wird. Die Vorteile liegen also eher bei den Fachplanern, deren Arbeit sich zu Lasten des Auftraggebers vereinfacht. Das Preisgefüge wird sich aber ändern und BIM dementsprechend Einzug halten in die Bauvorhaben der Schweiz.

Wie wichtig ist Social Media für Ihre Arbeit?

Die sozialen Medien sind ein weiterer Kanal zur Vermarktung von Unternehmen und Projekten. Ich denke, dass diese Kanäle in Zukunft noch relevanter werden dürften, weil sie in der Lage sind, eine jüngere Generation anzusprechen und zu begeistern sowie Emotionen und Inspirationen auf eine neue Art zu transportieren.

Ein grosses Projekt, das ebenfalls Begeisterung auslösen dürfte, ist das «Kompetenzzentrum für Spitzenathletik und Forschung OYM», das derzeit in Cham entsteht. Worum geht es dabei?

Das «OYM» ist der Name eines neuen Kompetenzzentrums für Spitzenathletik und Forschung. Dieses stellt Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern aller Disziplinen eine hochspezialisierte Athletikinfrastruktur sowie modernste Sport-Performanceflächen zur Verfügung. Zudem wird auch die interdisziplinäre Forschung im Dienste des Spitzensports unter dem Dach des OYM vorangetrieben. Konkrete Form erhalten diese Ambitionen in einem Gebäudekomplex, der ein Gesamtbauvolumen von 130 000 Kubikmetern hat (40 000 davon unterirdisch). Dementsprechend verfügt das OYM über eine Eishalle, eine moderne Dreifachsporthalle sowie eine Athletikhalle auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern.

Die Euphorie bezüglich BIM ist gerechtfertigt

Darüber hinaus wird der Gebäudemantel für viele andere Zwecke genutzt, zum Beispiel als Auditorium mit einem Platzangebot von 172 Sitzplätzen. In diesem Auditorium besteht eine optimale Infrastruktur für Seminare, Vorträge und kulturelle Darbietungen. Zusätzlich verfügt das Kompetenzzentrum über eine Athletenunterkunft mit einer Kapazität von 25 Doppelzimmern. Die Vision hinter dem OYM stammt vom Unternehmer Dr. Hans-Peter Strebel, der dieses Projekt als Privatperson baut und finanziert. Seit jeher setzt er sich für die Nachwuchsförderung im Schweizer Spitzensport ein – namentlich dem Zuger Eishockey. Strebel ist davon überzeugt, dass die Zukunft des Spitzensports in der gezielten Förderung von Nachwuchsathleten liegt. Aus dieser Überzeugung heraus entstand schliesslich die Idee für das OYM: aus eigenen Mitteln Sportförderung zu betreiben und kommenden Generationen eine Top-Infrastruktur für disziplinenübergreifende Spitzenathletik zu bauen.

Welche Rolle nehmen Sie bei der Realisierung von OYM ein?

Wir vertreten den Bauherren und kamen 2015 durch eine persönliche Empfehlung zum Projekt. Zu diesem Zeitpunkt war bereits der Architekt an Bord, Fachplaner und Generalunternehmer mussten noch bestimmt werden. Unsere Aufgabe bestand darin, zusammen mit dem Bauherrn sowie dem Architekten das gesamte Planungsteam zu erstellen sowie das Projekt konkret aufzugleisen.

Wie ist der momentane Stand der Arbeiten und wann ist das OYM fertig?

Der Stahlbau ist mittlerweile aufgerichtet. Ende Januar nächsten Jahres hat dann das Gebäude «zu sein». Derzeit beginnen die Arbeiten an der Fassade, danach wird mit dem Innenausbau begonnen. Der Fahrplan sieht vor, dass die Bauarbeiten Ende 2019 abgeschlossen sind und die Infrastruktur 2020 in Betrieb genommen werden kann. Bis dahin wird es eine intensive, aber auch sehr spannende und abwechslungsreiche Zeit. Ich freue mich, beim OYM dabei sein zu dürfen, schliesslich handelt es sich mit seiner Kombination aus Athletikumgebung, Forschung, Gastroeinrichtungen und Unterkünften um ein einzigartiges Projekt.

Weitere Informationen unter www.b-bm.ch sowie www.oym.ch

Zur Person.
    1. Philip Bär wurde 1984 geboren. Er absolvierte die Sekundarschule an der Kunst und Sportschule, wo er auch an seinem Talent für das Springreiten feilen konnte. Nach einer Lehre als Hochbauzeichner nahm er ein Architekturstudium in Chur und Zürich auf, gleichzeitig arbeitete er in einem Büro für Baumanagement. Nach einem Auslandaufenthalt in den USA sowie diversen Bauprojekten machte sich Philip Bär 2014 selbstständig und gründete die «Bär Baumanagement AG». Diese fungiert als Partner für Bauherren und erbringt als Baumanagements- Dienstleister sämtliche Services in den Bereichen Architektur, Projektplanung, Bauleitung sowie Bauherrenberatung.

Interview: Matthias Mehl
Foto: Micha Freutel

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