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11 Juli 2020

Energiestrategie 2050: Sanieren lohnt sich.

Bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 ist nicht nur das Bundeshaus, sondern alle in der Schweiz lebenden Personen gefragt. Um das gemeinsame Ziel zu erreichen, muss die Energieeffizienz steigen. Alte Gebäude stellen dabei ein grosses Hindernis dar, weshalb der Staat deren Sanierung weiterhin fördert.

Die Energiepolitik ist seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima weltweit zu einem vieldiskutierten Thema geworden. Kernkraftwerke können für die Natur und die Menschen eine Gefahr darstellen. Mit der Annahme der Energiestrategie 2050 entschied sich die Schweiz dafür, in absehbarer Zeit ohne die fünf Atomkraftwerke auszukommen. Um das zu realisieren, muss der Bund langfristige Alternativen finden und umsetzen. Eine Herausforderung, denn die Bevölkerung wächst und mit ihr der Bedarf nach Energie.

Das Potenzial der Gebäudesanierungen

Die Energiestrategie 2050 beinhaltet Massnahmen, die zur Senkung der CO2-Emissionen beitragen und erneuerbare Energie fördern. Eine zusätzlich wichtige, unumgängliche Intention ist es, die Energieeffizienz zu erhöhen. Laut dem Bundesamt für Energie (BFE) fallen 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund ein Drittel der CO2-Emissionen im Gebäudebereich an. Hierzulande seien mehr als eine Million Gebäude sanierungsbedürftig. Mit einer besseren Dämmung der Gebäudehülle besteht die Möglichkeit, den Wärmebedarf eines Haushaltes um mehr als die Hälfte zu reduzieren. Ausserdem vermeidet eine energetische Gesamtsanierung die schädlichen CO2-Emissionen fast gänzlich. Es liegt auf der Hand, dass dort etwas passieren muss, damit das Einsparpotenzial ausgeschöpft wird.

Auf der Schattenseite des Gebäudes schlagen Fachleute eher kleinere Fenster vor.

Das Gebäudeprogramm in neuem Zustand

Der Bund unterstützt klimafreundliche Optimierungen von Gebäuden seit acht Jahren mit dem sogenannten Gebäudeprogramm. Der ursprüngliche Plan war, die Subventionen befristet bis 2019 durchzuführen. Durch die Energiestrategie 2050 hat der Bund diese Frist zu Gunsten der Umwelt und somit der ganzen Bevölkerung aufgehoben. Das Förderprogramm erscheint in einer neuen Form und unterstützt Eigentümer, die in umweltfreundliche Sanierungen investieren. Die jährlichen Förderbeiträge stiegen von 300 auf 450 Millionen Franken. Dieses Budget stammt aus den Erträgen der CO2-Abgaben auf Brennstoffe. Energetische Gebäudesanierungen schaffen ausserdem steuerliche Anreize: Rückbaukosten von Ersatzneubauten sind abzugsfähig und Investitionskosten lassen sich in den Steuerabzügen auf drei Jahre verteilen. Das macht dann Sinn, wenn der Abzug höher als das Jahreseinkommen ausfällt.

Nachhaltige Sanierung

Wann es sinnvoller ist, ein älteres Gebäude zu renovieren anstatt es abzureissen, weiss Antje Horvath, Leiterin Energieberatung im Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft, Baudirektion Kanton Zürich: «Wenn die Gebäudesubstanz noch entsprechend gut und damit für die nächsten Jahrzehnte weiter verwendbar ist, lohnt es sich, zu sanieren. Zudem sollte das Objekt über zweckmässige Grundrisse verfügen.» Des Weiteren spreche für eine Modernisierung, wenn auf dem Grundstück keine Ausnutzungsreserven vorhanden seien. Wer sich für eine Sanierung entscheidet, wendet sich am besten an einen Architekten, der sich mit den Besonderheiten alter Häuser auskennt.

Ältere Gebäude büssen ausserdem 30 Prozent der Wärme durch undichte oder unvorteilhafte Fenster ein.

Um den Energieverbrauch zu minimieren, lassen sich verschiedene Massnahmen vollziehen. Ein Haushalt verwendet die meiste Energie für das Wärmen der Räume. Dabei bietet eine zuverlässige Wärmedämmung die Basis. Denn die Hälfte der Wärme verlässt das Haus durch die Wand, das Dach und den Boden. Ältere Gebäude büssen ausserdem 30 Prozent der Wärme durch undichte oder unvorteilhafte Fenster ein. Es empfiehlt sich, gegen Süden grossflächige Fenster zu montieren, damit die Sonnenstrahlen die Zimmertemperaturen positiv beeinflussen. Auf der Schattenseite des Gebäudes schlagen Fachleute kleinere Fenster vor. Der restliche Anteil Wärme verlässt durch den Luftwechsel das Haus. Dazu bieten Komfortlüftungsanlagen eine Lösung. Sie entziehen der verbrauchten Luft die Wärme und führen diese mit der frischen Luft zurück in die Innenräume. Die energetische Gebäudesanierung hat neben den ökologischen Aspekten auch den Vorteil, dass der Wohnkomfort steigt: Die Raumtemperaturen sind Sommer und im Winter angenehm und Eigentümer haben die Gelegenheit, das Gebäude aufzuwerten und modernisieren.

Schädliche Heizung austauschen

Eine erfolgsversprechende Massnahme neben dem Isolieren ist der Austausch einer klimaschädlichen Heizung. Fossile und direkt elektrische Heizungen sollten Hausbesitzer durch Heizsysteme mit erneuerbaren Energien oder durch den Anschluss an ein Wärmenetz austauschen. Wer ein solches Vorhaben plant, reicht vor den Bauarbeiten bei seinem Kanton ein Gesuch ein. Jeder Kanton regelt eigenständig, welche Massnahmen er unter welchen Bedingungen fördert. Anfallende Kosten können Privatpersonen von der Einkommenssteuer abziehen.

Schädliche Baumaterialien

Viele fürchten, bei einer Sanierung auf Giftstoffe von veralteten Baumaterialen zu stossen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Asbest. Es ist hitze- und säurebeständig, isoliert solide und ist mit anderen Materialien wie Zement gut mischbar. Durch diese praktischen Eigenschaften verwendeten Bauarbeiter Asbest früher sehr oft. Heute ist der Faserstoff verboten, weil er sich bei Bearbeitung in der Lunge festsetzt und das Bindegewebe schädigt. Besteht die Chance, dass ein sanierungsbedürftiges Gebäude Schadstoffe beinhaltet, ist ein Fachmann beizuziehen. Er schafft durch Materialproben Klarheit. «Ist ein Gebäude mit Schadstoffen belastet, erfordert dies immer eine besondere Behandlungsweise. Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, dass auch belastete Gebäude saniert werden können», erklärt Antje Horvath. Fachleute müssen die Schadstoffe unter Einhaltung etwaiger Sicherheitsbestimmungen sachgerecht entsorgen – egal, ob das Gebäude abgerissen oder saniert wird.

Text: Michelle Christen

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