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26 Februar 2021

Mark Ruffalo: Umweltschützer aus Leidenschaft.

Als Schauspieler macht Mark Ruffalo problemlos den Spagat zwischen den Avengers-Filmen mit »The Hulk« und kleineren Produktionen  wie dem Oscar-gekrönten Drama »Spotlight«. Bedeutend weniger flexibel ist er aber, wenn es um den Schutz der Umwelt geht – wie auch sein jüngster Film »Dark Waters«, der im April in die Kinos kommt, zeigt.

Mark Ruffalo, im Oscar-prämierten Film »Spotlight« spielten Sie einen Reporter, der das Ausmass der sexuellen Missbräuche in der katholischen Kirche in Boston aufdeckte. In »Dark Waters« verkörpern Sie nun einen Anwalt, der es gegen eine Grundwasser-verschmutzenden Chemie-Giganten aufnimmt. Sehen Sie sich als Schauspieler als Aufklärer mit einer gesellschaftlichen Verantwortung?

Ja, ich habe mein Handwerk bei Stella Adler gelernt. Sie kam aus dem politisch aktiven Group Theater, das zum Beispiel mit dem Stück »Waiting for Lefty« half, die Gewerkschaften in den USA ins Leben zu rufen. Ich habe kein Problem mit Schauspielern, die nur Unterhaltung machen wollen. Ich selber habe das Bedürfnis, an grösseren Diskussionen teilzunehmen und mache deshalb beides – Filme einfach zur Unterhaltung und solche, die zum Nachdenken anregen. 

Treffen Sie in Ihrem wirklichen Leben als Umweltschützer auch auf Superhelden?

Ich habe in Dimock, Pennsylvania gegen Hydro-Fracking gekämpft, bin von Charlottesville nach Richmond gegen Rassismus marschiert und habe mich in Standing Rock gegen die Öl-Pipeline gewehrt. Die Leute, die an all diesen Orten kämpfen, kämpfen um ihr Leben. Es sind einfache Leute. Oft sind sie nicht sehr gebildet. Es sind alleinerziehende Mütter, Omas, Bauern, denen klipp und klar ist, was recht ist und was nicht. Ich bin jedes Mal wieder inspiriert und lerne von ihnen. Manchmal würde ich gerne eine Pause einlegen, aber ich höre immer wieder, dass wir sie nicht vergessen sollen. Wegen diesen Menschen mache ich weiter.

Das Thema Wasserverschmutzung hat Sie schon früh persönlich betroffen, richtig?

Ja, ich bin am Lake Michigan aufgewachsen, als die Fische zwei Köpfe, Tumore und Ausschläge hatten. Medizinische Abfälle säumten die Strände. Es hat zehn Jahre gedauert, den See zu säubern, aber der Wille war da. PFOA-Chemikalien verschwinden jedoch nicht. Sie sind überall. Es gibt immer noch ganze Klassen von Chemikalien wie die Perfluorcarbone, die überhaupt nicht reguliert sind. 

Ich bin am Lake Michigan aufgewachsen, als die Fische zwei Köpfe, Tumore und Ausschläge hatten.

Sie haben sich vor allem als Anti-Fracking-Aktivist einen Namen gemacht. Unter Präsident Trump werden erreichte Vereinbarungen zum Schutz der Umwelt wieder rückgangängig gemacht. Was können Sie da tun?

Auf nationaler Ebene ist es schwierig. Die nationale Umweltaufsichtsbehörde EPA tat sich schon immer schwer in Sachen Wasser-Schutz, zu sehr ist sie ein Sklave von Unternehmensinteressen. Selbst wenn man Verschmutzung nachweisen kann, passiert nichts. Momentan zählt der Einsatz auf Ebene der einzelnen Bundesstaaten. Da geht es jetzt immer mehr vorwärts. North Carolina hat eines der größten PFOA Desasters der USA. Wir zeigen »Dark Waters« vor Ort und versuchen die Aktivisten an der Front zusammenzubringen.

Und international? Was halten Sie davon, dass die USA aus der Pariser Klima-Abkommen ausgestiegen ist?

Es ist traurig, aber erstaunt nicht. Es ist verrückt, dass Amerika die Führung einfach so abgibt. Jetzt geht es darum, den Rest der Welt zusammenzuhalten. Wir müssen auch aufpassen: Was macht Großbritannien jetzt? Ich bin hoffnungsvoll, dass der Rest der Welt kapiert, worum es hier geht. Auch in den USA kapieren es die meisten – ausser eine Handvoll von Leuten, die wir dieses Jahr aus dem Amt wählen werden.

Färbt es auf Ihre drei Kinder ab, dass Sie sich so leidenschaftlich engagieren?

Ja, sie sind in Upstate New York aufgewachsen, wo es Bäume, Teiche, Flüsse und eben auch Hydro-Fracking gibt. Es ist ihnen bewusst, dass die Natur um sie herum zerstört werden kann. Vor allem meine eine Tochter ist sehr redselig bei Dingen, die sie betreffen. Sie identifiziert sich als lesbisch und denkt über diese Rechte nach. Die junge Generation wächst mit diesen Dingen bewusster auf als wir es waren. 

Zahlen Sie auch einen Preis für Ihr Engagement als Umweltschützer?

Ja, mein Engagement belastet mich und meine Familie. Ich habe mir auch schon gedacht, es wäre besser, wenn ich jetzt nicht an diese oder jene Demonstration ginge. Aber dann sag ich mir, dass dieses Engagement als Umweltschützer doch meine Bestimmung ist. Es ist ein konstantes Ringen. Es graut mir jedes Mal, obwohl ich weiss, dass ich etwas Gutes tue. Denn ich weiss, was die Konsequenzen dafür zu Hause sind.

Welche Konsequenzen meinen Sie?

Heutzutage Teenager zu sein ist schwierig und meine Frau muss die Familie allein tragen, wenn ich nicht da bin. Sie ist sehr stark und super mit den Kids. Sie ist mein Fels und ohne sie ginge das alles überhaupt nicht. Aber es ist schwierig für sie und die Familie, wenn ich nicht da bin. Manchmal fragen die Kids, ob ich arbeiten oder gegen Fracking kämpfen gehe. Wenn es gegen Fracking ist, finden sie es okay. Aber sie vermissen mich. Die Leute können auch ganz schön fies zu ihnen sein, weil ich mich engagiere. Die hässliche politische Atmosphäre berührt sie. Das zu sehen bricht mir das Herz.

Wir sind momentan so gespalten, dass man nur schon einen gewissen Publikumsanteil verliert, wenn man sagt, man sei ein Aktivist.

Gibt es auch beruflich ein Nachsehen? 

Wir sind momentan so gespalten, dass man nur schon einen gewissen Publikumsanteil verliert, wenn man sagt, man sei ein Aktivist und Umweltschützer. Deshalb versuche ich meine Botschaft in Filmen so zu vermitteln, dass es die Zuschauer zusammenbringt. »Dark Waters« erfüllt dieses Kriterium. Denn Wasser braucht jeder und niemand will vergiftetes Wasser trinken. Gleichzeitig spricht der Film ein größeres Thema an: Wieso passieren diese Dinge? Wieso passieren sie mit Opiaten? Wieso mit Monsanto? Wieso mit Asbest? Wieso passiert das immer wieder? Ich hoffe, dass wir mit dem Film nicht nur zum Nachdenken über PFOA anregen, sondern auch darüber, wie das System uns immer wieder krank macht und wir dafür bezahlen müssen, unsere Körper wieder von dem Übel zu reinigen, dem wir ausgesetzt sind.

Und wie verschaffen Sie sich Gehör bei Leuten, die nicht zuhören wollen?

Ich erzähle Geschichten. »Dark Waters» umschifft beispielsweise die politische Komponente. Wenn ein Wissenschaftler über die Wasser-Verschmutzung referiert, verliert man die Aufmerksamkeit der Leute schnell. Hier sehen wir stattdessen einen Bauern und wie es seinen Hof beeinträchtig. Aber es stimmt: Wir leben in einer Zeit, in der die Wahrheit unter Beschuss steht. Wir leben in George Orwell’s »1984«. Aber wir bleiben dran und ich denke, wir werden letztlich siegen. Ich hoffe, es zumindest. 

Interview Marlène von Arx, Bilder HFPA

Das Interview mit Natalie Portman, Mark Ruffalos Co-Star in »Avengers: Endgame«, lesen Sie hier.

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