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4 Juni 2020

BIM – Aus «jeder für sich» wird ein «Miteinander».

Die Baubranche verändert sich grundlegend. Ein zentraler Treiber dieses Wandels ist die Digitalisierung. Neue Planungsmethoden wie Building Information Modeling liefern schon heute einen Vorgeschmack darauf, welche Möglichkeiten digitale Hilfsmittel noch erschliessen werden. Doch die wichtigste Veränderung findet gemäss Experten nicht auf dem Bildschirm statt – sondern in den Köpfen der Marktteilnehmer.

Wer mit dem Begriff «Digitalisierung der Baubranche» vor allem technische Themen assoziiert, hat die Tragweite der Entwicklung noch nicht erfasst. Denn die «Digitalisierung ist nicht primär ein Technologiethema, sondern beeinflusst die Kultur, die Organisation und die Prozesse von Unternehmen nachhaltig», schreibt Thomas Glättli, Co-Geschäftsführer von «Bauen digital Schweiz» im Rahmen der «BIM Roadmap». Diese entstand im vergangenen Jahr anlässlich des dritten Schweizer BIM-Kongresses. Glättli führt weiter aus, dass die BIM-Methode (Building Information Modeling) ein neues Verständnis der Zusammen­arbeit voraussetze. «Denn bisher fokussierte sich jeder Akteur auf seine Aufgabe, die vor- und nachgelagerten Prozesse waren zweitrangig.» Neu seien nun alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette miteinander vernetzt – und werden dadurch zum integrierenden Bestandteil von durchgängigen Prozes­sen. «Das ‹Miteinander›, statt ‚jeder für sich‘ rückt in den Vordergrund.»

Alle auf dem gleichen Stand

Doch wie genau fördert BIM diese prozess- und funktionsübergreifende Kooperation im Rahmen eines Bauprojekts? Vor allem indem es den Ablauf der Gebäudeplanung verändert. Denn anders als das in Branche übliche CAD (Computer Aided Design), das Architektinnen und Architekten nutzen, um am Computer zweidimensionale Pläne zu schaffen, kann es ein tatsächliches Gebäude simulieren. Dieses Modell setzt sich nicht aus abstrakten zeichnerischen Elementen zusammen, sondern wird aus digitalen Entsprechungen realer Bauteile gebildet, wie Fenstern, Wandelemente, Treppen, Stromanschlüssen etc. Diese können im virtuellen Modell nach Belieben platziert, gedreht, verschoben oder ersetzt werden.

Ein anderer grosser Vorteil ergibt sich durch die zentrale Verwaltung von Informationen im dreidimensionalen Gebäudemodell. Anders als bei Zeichnungen, die durch die Veränderung der Bauplanung jeweils individuell angepasst werden müssen, erlaubt es BIM, Änderungen automatisch nachzuführen. Das hat zur Folge, dass alle am Projekt beteiligten Akteure über den aktuellen Projektstand verfügen. Mit dem Ergebnis, dass – zumindest theoretisch – alle Projektteilnehmer immer über den gleichen Wissenstand verfügen. Doppelspurigkeiten sollen dadurch der Vergangenheit angehören und der Einsatz von Ressourcen zielgerichteter möglich sein.

Die Vorteile der BIM-Methodik sind augenfällig.

Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft

Die Vorteile der BIM-Methodik sind augenfällig. Doch bisher eben nur theoretisch. Denn um die Möglichkeiten von BIM tatsächlich nutzen zu können, genügt es nicht, einfach ein geometrisches Gebäudemodell mit seinen Modellkoordinaten zu nutzen. Thomas Glättli bringt es auf den Punkt. Denn der eigentliche Mehrwert liegt vielmehr in den durchgängigen «Informationen», die im BIM-Modell hinterlegt werden können (z.B. Preis, Verfügbarkeit, Lagerbestand der einzelnen Elemente etc.). «Dazu ist ein Wandel weg von ‹unstruk­turierten Daten›, hin zu ‹strukturierten Informationen› notwendig.» Denn diese bildeten laut Glättli schlussendlich das Fundament für das vernetzte, kollaborative und integrative Planen, Bauen und Bewirtschaften eines Bauwerkes.

Für «echte» BIM-Nutzer und solche, die es werden wollen, bedeutet das vor allem eines: Arbeit. Denn um aus unstrukturierten Daten strukturierte Information zu machen, müssen diese zuerst erfasst, katalogisiert, eventuell abgeglichen und in die BIM-Anwendung eingespeist werden. Ein grosser administrativer Aufwand, der sich gemäss Fachleuten aber lohnt, da sich die Zeit für die Planung langfristig deutlich verkürzt.

Kleines und grosses BIM

In der Branche haben sich seit einiger Zeit die Begriffe «Little BIM» und «Big BIM» etabliert. Das «kleine BIM» steht dabei für Anwendungen, bei denen die BIM-Methodik als Insellösung eingesetzt wird. Sprich, die Anwendung lässt sich nur innerhalb einer Disziplin anwenden (z.B. der Gebäudeplanung). Dem gegenüber steht das «grosse BIM»: Gemeint ist damit das interdisziplinäre Anwenden der Methodik entlang des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. In diesem Fall verbindet BIM einerseits verschiedene Abläufe (wie Planung, Budgetierung, Bau-Kontrolle etc.) und andererseits verschiedene am Bau beteiligte Akteure (Architekten, Bauherren, Bauunternehmen usw.). Damit entspricht «Big BIM» eher dem eigentlichen Gedanken der Digitalisierung. Fachleute betonen aber, dass vor allem bei kleineren bzw. weniger komplexen Projekten die Anwendung von «Little BIM» häufig genüge.

Welche Software soll man wählen?

Wer die BIM-Methodik nutzen möchte, muss sich für einen Softwareanbieter entscheiden. Die Liste ist übersichtlich. Bei der Auswahl der BIM-Software sollte man darauf achten, dass es sich um eine offene Lösung handelt, welche ein interdisziplinäres Arbeiten erlaubt. Das ist vor allem wegen der Bestrebungen um «OpenBIM» wichtig. Dabei handelt es sich um eine Initiative der grossen Softwareanbieter für die Schaffung weltweit gültiger Open BIM-Standards in der Baubranche. Dies mit dem Ziel, dass BIM-User unabhängig der eingesetzten Software miteinander kooperieren können. In der Schweiz verfolgen die Verbände «openBIM.ch» sowie «Bauen digital Schweiz» das Ziel, diesen Gedanken hierzulande zu festigen.

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