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19 Mai 2019

«Commitment ist keine Einbahnstrasse».

Sicher spüren Sie ihn auch, den Wind der Veränderung, der derzeit durch alle Branchen fegt. Das ist einerseits positiv, weil er zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen mit sich bringt. Andererseits steigt damit vor allem die Unsicherheit. Schon Berufseinsteiger müssen sich heute fragen, ob ein potenzieller Arbeitgeber langfristig überhaupt zukunftsfähig ist. Denn auch Branchengrössen wie eine SBB, die Post oder Swisscom unterliegen den gestiegenen Anforderungen der Kunden und des Marktes und müssen mit Flexibilität und Anpassungsfähigkeit reagieren – oder gehören morgen vielleicht nicht mehr zu den Grossen.

Sven Bühler lic. phil., Psychologe und Geschäftsführer des Befragungs- und Beratungsinstituts icommit
Sven Bühler lic. phil., Psychologe und Geschäftsführer des Befragungs- und Beratungsinstituts icommit

Die Auswirkungen dieses Wandels kann man tatsächlich messen. Das belegen die Daten unserer jährlich durchgeführten Mitarbeiterbefragung zum Swiss Arbeitgeber Award. 2015 noch im Mittelfeld, hat die Unternehmensstrategie mittlerweile den grössten Einfluss auf das Commitment der Belegschaft. Logisch: Denn mit einer klaren Strategie – die man auch noch gut kommuniziert – wissen die Mitarbeitenden: «Mein Unternehmen ist noch auf dem richtigen Weg». Das gibt Sicherheit, ein hohes Gut in insgesamt unsicheren Zeiten. Arbeitsmittel oder Zielvereinbarungen haben hingegen verhältnismässig wenig Einfluss auf das Commitment – nicht weiter verwunderlich, schliesslich wird gerade Letzteres in Unternehmen immer häufiger hinterfragt oder grundsätzlich in Frage gestellt. Erstaunlich auf der anderen Seite: Die Work-Life-Balance hat eine geringe Bedeutung für das Commitment, ist offenbar bei der Arbeitgeberwahl von untergeordneter Bedeutung. Dennoch leidet die Belegschaft, wenn die Work-Life-Balance nicht ausgeglichen ist. Das zeigt die hohe Bedeutung des Themas für die Mitarbeiterzufriedenheit.

Das Commitment der Mitarbeiter holen

Einen ähnlich steilen Aufstieg wie die Unternehmensstrategie erlebt derzeit die Mitarbeiterförderung. Auch sie hat mittlerweile einen entscheidenden Einfluss auf das Commitment. Und auch hier zeigt sich die klare Korrelation zu der höheren Unsicherheit am Markt. Mitarbeitende wollen selbstverständlich stärker gefördert werden. Schliesslich werden sie auch zunehmend mehr gefordert. Commitment ist also keine Einbahnstrasse. Wer sich eine Belegschaft wünscht, die sich stark mit dem Unternehmen identifiziert, muss sich ebenso klar zur Belegschaft «committen». Ein guter Arbeitgeber muss in die Arbeitsmarktfähigkeit seiner Angestellten investieren und ihnen das Werkzeug an die Hand geben, mit dem sie auf die starke Marktdynamik reagieren können.

Wer sich eine Beleg- schaft wünscht, die sich stark mit dem Unternehmen identifiziert, muss sich ebenso klar zur Belegschaft ‹committen›.

Mit anderen Worten: Unternehmen müssen umdenken. Ganze Geschäftsmodelle werden auf die Probe gestellt. Wer heute noch ein Produkt verkauft, muss morgen vielleicht schon einen Service anbieten. Kunden wollen kein Auto mehr kaufen, sondern Mobilität. Eine SBB investiert vielleicht nicht mehr in Züge, sondern kauft sich Pünktlichkeit als Service ein.

Neue Technologien rund um das Internet of Things, künstliche Intelligenz oder Big Data werden unser Arbeitsleben verändern. Unternehmen müssen all das gewinnbringend für sich nutzen. Und das gelingt nur, wenn die Belegschaft die nötigen Fähigkeiten hierzu hat. Keiner weiss genau, was die Zukunft bringt. Unternehmensstrategien passt man sicher in immer kürzeren Zeitabständen an. Das ist kein Problem, solange es nicht im stillen Kämmerlein auf der Führungsetage passiert. Eine offene und ehrliche Kommunikation gegenüber der Belegschaft ist der vielleicht wichtigste Faktor, der die Spreu vom Weizen trennt. Darauf sollten Berufseinsteiger bei der Auswahl ihres potenziellen Arbeitgebers ebenso achten, wie langjährige Mitarbeitende. Und für das Employer Branding ist es sicherlich das gewichtigste Pfund, mit dem ein Unternehmen wachsen kann.

Text: Sven Bühler lic. phil., Psychologe und Geschäftsführer des Befragungs- und Beratungsinstituts icommit

 

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