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17 Oktober 2019

Die Schweizer Fintech-Branche wächst rasant.

Fintech-Unternehmen werden immer relevanter für den hiesigen Finanzplatz, wie eine aktuelle Studie der Hochschule Luzern zeigt. Dies, weil sie innovative neue Lösungen für Kunden anbieten und so die digitale Transformation des Finanzsektors vorantreiben. Doch wie wird sich die Koexistenz zwischen Fintech-Firmen und den traditionellen Geldinstituten weiterentwickeln? Soviel sei verraten: Die Banken müssen sich Gedanken machen.   

Die Schweiz ist ein Land der Banken. Diese Tatsache ist auf der ganzen Welt bekannt. Doch während die meisten beim «Finanzplatz Schweiz» an die etablierten Traditionsinstitutionen denken, sind es aktuell vor allem die kleineren Fintech-Firmen, die den Markt aufmischen und mit neuen Ideen vorauseilen. Und gleichzeitig rapide wachsen. Gemäss der im Februar dieses Jahres erschienenen «IFZ FinTech-Studie 2019» der Hochschule Luzern (HSLU) hatte der Fintech-Sektor im 2018 ein fantastisches Jahr. Ende 2018 waren 356 Fintech-Unternehmen hierzulande tätig. Dies entspricht einem Zuwachs von satten 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. «Analog zur letztjährigen Studie zeigt sich, dass der Fintech-Sektor gute Rahmenbedingungen geniesst. Im weltweiten Fintech-Hub-Ranking stehen die Städte Zürich und Genf weiterhin auf Platz zwei, respektive drei», schreibt Prof. Dr. Andreas Dietrich auf dem offiziellen Blog der Hochschule Luzern (zu finden unter blog.hslu.ch). Dank der exzellenten Bedingungen könnten Schweizer Fintech-Unternehmen dem Rückgang der traditionellen Finanzinstitutionen entgegenwirken.

Wie Andreas Dietrich weiter ausführt, äussert sich der Erfolg der Fintech-Firmen aber nicht alleine im Wachstum. Gemäss der HSLU-Studie sei die Branche auch merklich gereift. Dies zeige sich anhand der steigenden Anzahl Mitarbeitenden sowie der zunehmenden Kapitalisierung der Unternehmen. Konträr sei hingegen die Entwicklung im traditionellen Finanzsektor, wo die Anzahl Institutionen und Mitarbeiter abnehme.

Nicht alle Bereiche gleich stark

Das signifikante Wachstum im Fintech-Sektor haben hauptsächlich Unternehmen im Bereich der «Distributed Ledger Technology» getragen. Deren Zahl habe sich mehr als verdreifacht, erklärt Dietrich. Die jährlichen Wachstumsraten der anderen fünf Produktbereiche liegen zwischen 17 Prozent (Banking Infrastructure) und 38 Prozent (Payment). Von den insgesamt 356 Unternehmen sind 122 im Bereich «Distributed Ledger Technology» tätig, 66 im Bereich «Investment Management», 56 im Bereich «Banking Infrastructure», 42 im Bereich «Deposit & Lending», 36 im Bereich «Payment» und 34 im Bereich «Analytics».

Die neuen Technologien werden einen Teil der Dienstleistungen und Prozesse von traditionellen Banken übernehmen, sofern sich die Banken nicht rechtzeitig dagegen wappnen.

Eine der wichtigsten Punkte der «Fintech-Studie 2019» liegt gemäss Andreas Dietrich in der Erkenntnis, dass globale Innovation Fintech-Unternehmen vorantreibt. «In den Fintech-Geschäftsbereichen lässt sich ein gewisses Muster erkennen.» So sind die Tech-getriebenen Unternehmen, namentlich diejenigen in den Bereichen «Distributed Ledger Technology» (z. B. Blockchain) und «Analytics», hauptsächlich international orientiert. Die Finanz-getriebenen Fintech-Betriebe wie diejenigen in den Bereichen «Deposit & Lending» oder «Payment», fokussierten sich hingegen verstärkt auf den Binnenmarkt. «Dieses Muster lässt sich sowohl bei den hiesigen als auch bei den internationalen Fintech-Unternehmen erkennen», führt Dietrich aus.

Den Banken schlägt die Stunde der Wahrheit

In Bezug auf die Rolle und die Relevanz der traditionellen Banken findet der Experte klare Worte. So hält er fest, dass sich traditionelle Banken positionieren müssen – oder Gefahr laufen, irrelevant zu werden. Denn die Resultate der letztjährigen Studie liessen den Weg des Fintech-Sektors vom Hype zur Realität erkennen. «Bestätigt wird diese Aussage in diesem Jahr durch eine weitere Reifung und grössere Venture Capital Transaktionen.» Der Markt für Kryptowährungen hingegen erlitt eine starke Korrektur. Es sei zwar nicht zu erwarten, dass die Banken von Fintech-Unternehmen verdrängt werden. «Die neuen Technologien werden aber einen Teil der Dienstleistungen und Prozesse von traditionellen Banken übernehmen, sofern sich die Banken nicht rechtzeitig dagegen wappnen», betont Dietrich. Die Gewinner der technologischen Innovation werden diejenigen Unternehmen sein, welche über die richtigen Teams sowie über die passende Kultur verfügen, um neue Technologien schneller und konsequenter implementieren zu können.

Dieses kooperative Modell zwischen Fintech-Unternehmen und Banken könnte durch neue Regulationen der EU zusätzlichen Rückenwind erhalten. Konkret gemeint ist die europäische Zahlungsdienste-Richtlinie «PSD2». Diese sieht vor, dass 3 000 Banken auf EU-Gebiet schrittweise Schnittstellen zu ihrer IT für Dritte öffnen müssen. Unter anderem müssen etwa Abfragen zu Kontoinformationen und -Deckung sowie für Deutschland und Grossbritannien zusätzlich Zahlungsauslösungen ermöglicht werden. Im Falle der UBS beispielsweise hat dies gemäss Branchenkennern dazu geführt, dass seit dem 14. März Fintech-Unternehmen im Rahmen einer «Sandbox» erproben dürfen, wie sich ihre eigenen Dienstleistungen an diejenigen der Bank anbinden lassen.

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