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8 Dezember 2019

Chef, wir müssen dringend über Technologie sprechen!.

Selbstverständlich ist es wichtig, ein Unternehmen mittels Technologie effizient aufzustellen. Natürlich sollen brachliegende Potenziale mittels Optimierung dieser Technologie genutzt werden. Diese Massnahmen allein generieren aber noch keinen Mehrwert für den Kunden.

Andy Fitze @Andy_Fitze Co-Founder SwissCognitive – The Global AI Hub Präsident Swiss IT Leadership Forum
Andy Fitze
@Andy_Fitze
Co-Founder SwissCognitive – The Global AI Hub
Präsident Swiss IT Leadership Forum

Heissen Ihre grössten IT-Projekte auch «FIT» oder «BETTER BIT»?

Während wir im stillen Kämmerlein noch über das akkurate Projekt, das Budget und die für all diese Effizienzsteigerungsprojekte benötigten Kompetenzen diskutieren, bewegt und verändert sich der Markt. Wenn wir wieder aus dem Kämmerlein heraustreten, stehen wir plötzlich einer durch neue Technologien sowie dramatisch verbesserten Algorithmen, Connectivity und Rechenpower radikal veränderten Welt gegenüber. «Nanu, was ist denn da passiert?» fragen wir uns, und reiben uns erstaunt die Augen.

«Chef, wir sind nun hocheffizient. Das Problem ist nur: keiner kauft mehr»

Technologien und speziell die neuen smarten Technologien stellen herkömmliche Geschäftsmodelle auf den Kopf. Wer Ticketmaschinen baut, sollte verstehen, dass Tickets heute per App gekauft werden. Da nützen die optimierte Herstellung und smarte Innovationen in den Ticketmaschinen selbst wenig. Und wer Ticketapps baut, sollte wissen, dass bereits heute Tickets nicht mehr gekauft, sondern «payed by use» abgerechnet werden. Und das ist nur ein Beispiel unter tausenden.

«Wir haben digitalisiert. Wobei: Eigentlich haben wir nur manuelle Tätigkeiten durch maschinelle Abläufe ersetzt.»

Herkömmliche, erfolgreiche Ertragsstützen in digitale Geschäftsmodelle zu transformieren, ist arg radikal. Da melkt man doch lieber weiterhin die altbekannten Cashcows und vergoldet sie. Im komfortablen und gemütlichen Kokon des Bewährten und Bekannten optimiert man das Geschäftsmodell, vertikalisiert, baut seinen Marktanteil aus und fühlt sich rundum wohl. Was jetzt gefragt ist, sind Querdenker.

«Bringen Sie Technologie in Ihre Produkte und Services.»

Smart Products bewirken einen radikalen Wandel. Wer Löcher statt Bohrmaschine verkauft, hat es verstanden. Wer Fleet Management statt einen Schiffsmotor verkauft, hat es verstanden. Für KMU in der Schweiz bieten Smart Products die grosse Chance, mehr- und höherwertige Erzeugnisse anbieten zu können.

Genau hier beginnt die Arbeit.

«Chef, wir leisten uns Daten, die wir in Rechenzentren parkieren.»

Fangen wir bei den Daten an. Daten ohne Nutzung sind wie leere Hotelbetten: sie kosten. Entlassen wir die Daten in die Freiheit! Es ist nämlich beileibe nicht so, dass die Daten – wie man das erwarten könnte – überall und immer frei zur Verfügung stehen und klug genutzt würden. Schneller Daten- und Funktionszugriff für neue Projekte und Services kann durch optimalen TechStack, «Business Network in the Cloud» und API-Architekturen erreicht werden.

In der Schweiz sind wir, was das anbelangt, schlecht aufgestellt. Laut diversen Studien der letzten Jahre, ist unsere Nutzung von Business-Plattform-Services weit unterdurchschnittlich – wir sind gleichsam die Weltmeister der proprietären, selbstgebastelten «Standardlösungen», der eigenen Rechenzentren und der verkappten Systeme, im Vergleich zu anderen prosperierenden Ländern wie die USA. In IT-Projekten kalkulieren wir nach wie vor mehrheitlich Kosteneffekte, statt über neue Potenziale zu sprechen. Die Cloud bietet aber im Kern nicht einfach die bessere Kostenstruktur, sondern vielmehr neue Zugänge zu Funktionalität und Businessnetzwerken, die inhouse schlicht nicht zu haben sind.

Diese Do-it-yourself-Philosophie ist ein veritabler Wachstums- und Innovationsbremser. Statt Plattform-Effekte zu nutzen, versuchen wir oftmals Funktionalitäten, die schon verfügbar sind, in Eigenregie zu kreieren. Man muss aber das Rad nicht ein zweites Mal erfinden, es rollt bereits.

Nebst der Frage nach dem Zugriff auf Daten und offene Funktions- & API-Architekturen stellt sich auch die Frage nach der Technologie-Kompetenz.

Vielfach kümmern sich IT-Abteilungen auch heute noch ausnahmslos um jedes Bit & Byte. Ob Netzwerk, Telefonie, Support, Enterprise-Applikationen, Technologien, Unternehmensarchitektur oder Best Practice in der Projektleitung: Die IT-Abteilung soll als eierlegende Wollmilchsau der Firma wirken. Aber wie wir alle wissen, existiert dieses Wundertier leider nicht.

«Eine übertriebene Polyvalenz von Aufgaben führt zu Ineffizienz. Dieser Grundsatz ist jedem Balljongleur bekannt. Die IT-Abteilungen müssen allzu oft mit viel zu vielen Bällen jonglieren.»

Die Lösung des Problems liegt in der konsequenten Auslagerung von infrastrukturellen Aufgaben. Und zwar nicht nur wegen der Kosten, sondern auch, um den Fokus wieder zu finden und wieder scharf zu sehen. Maler, Sanitärinstallateure, Elektriker und viele andere Fachleute nehmen uns Aufgaben ab, die sie viel besser beherrschen als wir. In diesem Bereich haben wir keine Probleme mit der «Auslagerung». In Bezug auf die technologische Infrastruktur tun wir uns erstaunlicherweise viel schwerer. Dabei würde die damit zu erreichende Reduktion von Komplexitäten neue Räume für Innovationen eröffnen. Die IT würde damit näher zum Business rücken, und der CIO zum besseren Sparring-Partner für die Geschäftsleitung werden.

«Chef, lass uns über Potenziale, neue Märkte und User Experience reden, und nicht über Internetstörungen!»

Kombiniert man das oben Gesagte mit der Tatsache, dass offene Partner-Netzwerke mit Startups, Fachhochschulen, Universitäten und Partnerunternehmen heute einen entscheidenden Beitrag an Diversität, Outside-In-Innovation und die Fitness des Unternehmens leisten, hat man das gesamte Ausmass der Herausforderung vor sich.

Meine Empfehlung lautet deshalb: «Chef, wir müssen dringend über Technologien sprechen! – Lass uns sämtliche Corporate-IT-Abteilungen in fokussierte Digital-Business-Bereiche umwandeln. Lass uns mittels Technologie aktiv die Geschäftsmodelle und Märkte verändern.»

Die Aussichten auf «Digital-Business-Bereiche» sollten es uns wert sein, den gleichzeitig geliebten und gehassten Begriff «IT-Abteilung» zu opfern. Auf diese Weise können wir alle, ob CFO, CEO, CIO, CHRO oder CMO, zu digitalen Pionieren werden. Let’s shape, instead of being shaped.

Text: Andy Fitze

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