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20 Juli 2019

Sébastien Buemi vergleicht sich nicht mit anderen Fahrern.

Am 22. Juni ist es soweit. Die ABB-FIA-Formel-E kommt zurück in die Schweiz – nach Bern. Fokus «Mobilität» traf den Formel-E-Weltmeister von 2014 und Piloten des Nissan e-dams Rennstalls Sébastien Buemi und sprach mit ihm über seine Karriere, sein Privatleben und die Zukunft des Rennsports.
Am 22. Juni kommt der E-Prix zurück in die Schweiz, nach Bern. Verspüren Sie grossen Druck das heimische Rennen zu gewinnen?

Natürlich möchte ich gewinnen. Aber ich würde nicht sagen, dass ich grösseren Druck verspüre als üblich. Wie schon in Zürich, wird der Ablauf in Bern anders sein als sonst. Viel mehr Anfragen, viel mehr zu tun. Aber sobald ich im Cockpit sitze, ist es ein Rennen wie jedes andere.

Wie bereiten Sie sich auf Rennen vor?

Da habe ich eine bestimmte Routine. Ich versuche stets, die ganzen Vorbereitungen gleich zu machen. Normalerweise fahre ich nach Le Mans, verbringe dort zwei Tage im Simulator und gehe anschliessend ans Rennen. Gut organisiert zu sein, ist dabei essentiell. Wenn wir bereits Rennen auf dieser Strecke absolviert haben, schaue ich das Videomaterial der Onboard-Kameras an. Danach diskutiere ich das Set-up und das Programm mit den Ingenieuren und versuche anschliessend beim Rennen gute Arbeit abzuliefern.

Unterscheidet sich die Vorbereitung von ABB-FIA-Formel-E zur FIA-Langstrecken-WM?

Es gibt durchaus Unterschiede. Es sind ja auch komplett verschiedene Rennkategorien. Der Hauptunterschied ist, dass ich bei der FIA Langstrecken-WM viel weniger Zeit im Simulator verbringe. Ich kenne die Strecken sehr gut und fahre viele davon bereits seit 10 bis 15 Jahren. In der ABB FIA Formel-E muss ich mich immer auf neuen Rennstrecken zurechtfinden. Bern beispielsweise wird wieder eine komplett neue Strecke.

In der Formel-E nahmen Sie an 48 Rennen teil und gewannen 12 – jedes vierte. Zudem fahren Sie ungefähr jedes zweite Rennen aufs Podest. Sind Sie der beste Formel-E-Fahrer aller Zeiten?

Es stimmt, dass ich in Sachen Siege, Pole-Positions, etc. die Rekorde halte. Aber die letzten Rennen verliefen ein wenig schwieriger und das möchte ich verbessern. Mit den anderen Fahrern vergleiche ich mich aber nicht. Ich mache mein Ding und überlasse den Zuschauern und Experten die Entscheidung, wer schlussendlich der beste Fahrer aller Zeiten ist. Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf und verschwende keine Zeit und Energie damit.

Ich mache mein Ding und überlasse den Zuschauern und Experten die Entscheidung, wer schlussendlich der beste Fahrer aller Zeiten ist.

Sébastien Buemi, Bild: Nissan
Sébastien Buemi, Bild: Nissan

Was ist ihr Erfolgsrezept?

Harte Arbeit! Talent ist nicht genug. Man muss stets hart an sich arbeiten, seinen Fähigkeiten und sich selbst vertrauen und immer weiter machen. Unter anderem auch lernen, Fehler zu akzeptieren und sofort versuchen, diese zu verbessern.

Was würden Sie an der ABB-FIA-Formel-E ändern?

Eigentlich nicht viel. Ich würde weiterhin versuchen, grosse Marken auf die ABB-FIA-Formel-E aufmerksam zu machen. Wir haben bereits Nissan, Porsche, Mercedes und viele mehr. Die Formel-E macht einen ausgezeichneten Job, indem sie Rennen in wunderschönen Städten auf der ganzen Welt organisiert, wie in London beispielsweise.

Und dennoch wünschen Sie sich, in die Formel-1 zurückzukehren – warum?

Nicht zwingend. Die Formel-1 ist sehr kompliziert. Es ist schwierig, eine Chance zu erhalten und letzten Endes möchte ich um gute Resultate, Podestplätze und Siege kämpfen. Würde solch eine Möglichkeit kommen, würde ich sie selbstverständlich in Betracht ziehen. Aber momentan bin ich sehr glücklich, für die Formel-E zu fahren und an der Langstrecken-Weltmeisterschaft teilzunehmen.

Wie konkret wäre der Plan Formel-1 überhaupt?

Wenn es so weit kommen würde, müsste es ein sehr gut organisiertes Umfeld mit guten Perspektiven sein. Zurzeit ist das aber überhaupt kein konkreter Plan. Ich fokussiere mich auf die Formel-E und möchte dort die bestmöglichen Resultate abliefern. Darauf liegt mein ganzer Fokus.

Was sind die Eigenheiten der Formel-1 und der Formel-E? Wie unterscheiden sie sich?

Die Autos beispielsweise. Sie sind komplett verschieden. Wir haben einen neuen Look, eine eigene DNA in der Formel-E. Der Rennwagen fühlt sich nicht mehr an wie ein elektronischer Einsitzer. Im Vergleich zur Formel-1 haben wir aber weniger Downforce und schwerere Autos. Der grösste Unterschied ist, dass wir in der ABB FIA Formel-E nur in Stadtzentren fahren und alles an einem Tag vonstattengeht, während es in der Formel-1 ein Wochenende ist.

Was wird Ihr Highlight 2019?

Ich hoffe, die Formel-E zu gewinnen (lacht). Nein, ich möchte einfach möglichst viele Rennen gewinnen in der Formel-E, aber auch LeMans und die Langstrecken-Weltmeisterschaft.

Welche ist die schönste Rennstrecke der Welt?

Für mich ist das eine klare Angelegenheit. Spa-Francorchamps und Suzuka sind meine Lieblingsstrecken. Ich geniesse es sehr, diese zu fahren und hoffe natürlich, dass man dort in Zukunft mit elektrischen Autos Rennen austragen kann.

Wie sieht der Rennsport der Zukunft aus?

Gut, sehr eng verbunden mit den Zuschauern. Das machen wir bereits heute in der Formel-E mit dem Attack-Mode oder dem Fanboost. Diese Features machen den Rennsport interessanter und verändern ihn auch. Ich hoffe, dass der Rennsport der Zukunft mehr solche Features hat, die dem Publikum sowie den Rennfahrern gleichermassen gefallen.

Spa-Francorchamps und Suzuka sind meine Lieblingsstrecken.

Werden Sie in Zukunft von selbstfahrenden Autos abgelöst?

Nein, das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Zuschauer aufkreuzen würden, um Maschinen fahren zu sehen. Vielleicht wird es aber doch in Zukunft einen Wettkampf, eine Art «Robo Race» geben, indem sich selbstfahrende Autos messen. Das hätte natürlich nachhaltig Einfluss auf die Zukunft unserer Mobilität. Ein solcher Wettkampf könnte die Erkenntnisse in diesem Bereich beschleunigen.

Testfahrer in der Formel 1, Fahrer bei der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft und Fahrer in der FIA ABB Formel-E, wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?

Es ist ein vollgestopfter Zeitplan. Ich habe viel zu tun, aber bis anhin hat es gut funktioniert. Eine gute Organisation ist sehr wichtig und ich habe das Glück, für gute Teams zu fahren, die mich sehr unterstützen. Das schätze ich sehr.

Bleibt Ihnen bei diesem gefüllten Terminkalender überhaupt noch Zeit für die Familie?

Das ist nicht einfach. Ich gebe natürlich mein Bestes, um Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen und sicherzustellen, dass alle in meinem Umfeld glücklich sind, mich eingeschlossen. Bis jetzt funktioniert’s.

Wünschen Sie sich, dass Ihre beiden Söhne auch Rennfahrer werden?

Wieso nicht? Sie sind zwar noch sehr jung, aber wenn sie das möchten werde ich sie unterstützen, aber ich würde sie niemals in diese Richtung pushen. Natürlich werde ich ihnen die Welt des Rennsports zeigen, aber in einer so schnelllebigen Welt sollte man nur das machen, was man auch wirklich liebt. Das ist das Wichtigste!

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Rennfahrer geworden wären?

Das weiss ich ehrlich gesagt nicht. Für mich war es schon in ganz jungen Jahren klar, dass ich Rennfahrer werden möchte. Vermutlich wäre ich in unser Familienbusiness eingestiegen – in der Automobilbranche.

Fahren Sie privat auch lieber schnelle, sportliche Autos oder nutzen Sie den öffentlichen Verkehr?

Kommt darauf an. Wenn ich an den Flughafen muss, nehme ich gerne den Zug. Das ist einfacher. Aber normalerweise fahre ich meinen Nissan GTR oder meinen Porsche. Manchmal fahre ich damit sogar an meine Rennen in Europa, hauptsächlich Le Mans, Paris, Monaco oder in der Schweiz.

Fahren Sie anders, wenn ihre Kinder mit Ihnen mitfahren?

Nein. Ich fahre immer vorsichtig und gehe möglichst keine Risiken ein.

Ist Monaco besser als die Schweiz?

Nein, das denke ich nicht. Ich bin Schweizer. Meine Familie und meine Freunde leben hier. Die Schweiz ist ein grossartiges Land und ich liebe es, meine Zeit hier zu verbringen.

 

Beenden Sie folgende Sätze:

Wäre ich in der Formel-1 geblieben,… wäre ich niemals für die Formel-E gefahren und hätte niemals die Formel-E-Meisterschaft oder Le Mans gewonnen.

Der schönste Sieg war… der Gewinn
der Formel-E-Weltmeisterschaft in London.

In zehn Jahren… habe ich hoffentlich mehrere Formel-E-Meisterschaften und mehrmals Le Mans gewonnen.

Am Rennsport liebe ich… natürlich den Speed!

Einen weiteren Sieg in Le Mans… gibt’s hoffentlich sehr bald.

Familie bedeutet für mich… alles!

Bilder: Nissan

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