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Zürich
23 Februar 2020

Energiewende – aber wie?.

Die Entwicklung der menschlichen Zivilisation ist eng mit der Mobilität verbunden. Sei dies im Altertum zu Fuss, zu Pferd oder schon damals mittels Schiffen. In der Zeit der grossen Entdeckungsfahrten wurde die Welt mit mehrmastigen Segelschiffen umrundet. Die industrielle Entwicklung ist ohne den Bau von Eisenbahnen und motorbetriebenen Schiffen nicht vorstellbar. Die moderne, vernetzte Welt wäre ohne Automobil, Aviatik und elektronische Kommunikation nicht realisierbar. Diese immer schneller drehende Entwicklung hat sehr vielen Menschen auf der ganzen Welt Existenzsicherung und materiellen Wohlstand gebracht.

Die Welt gibt uns Energie

Über 7 Milliarden Menschen leben auf unserem Planeten. Ein grosser Teil davon lebt mit gesicherter materieller Grundlage und im Genuss von Elektrizität und motorisierter Mobilität. Die Kehrseite davon ist die grosse Abhängigkeit von einer zuverlässigen und stets ausreichenden Energieversorgung. Das Leben in einer entwickelten Gesellschaft wie derjenigen der Schweiz wäre ohne Mobilität und Energieversorgung überhaupt nicht denkbar. Wer hat heute noch haltbare Vorräte zu Hause, um nur wenige Tage ohne Stromversorgung und Besuch eines Supermarkts überleben zu können? Ein Stromunterbruch von mehreren Tagen könnte mangels Stromversorgung der Tankstellen die Personen-, Liefer- und Lastwagen zum Stillstand bringen und damit zu einer Notlage der Bevölkerung führen.

Demgegenüber stehen die bekannten Umweltfolgen unserer Lebensweise und ein Zeitgeist, der immer lauter nach einer Neuorganisation unserer technischen Zivilisation ruft. Je weniger diese Rufe beachtet werden, umso drohender werden die Katastrophenszenarien. Die Apelle für eine radikale Änderung unserer Verhaltensweisen werden immer schriller, weil die grosse Mehrheit der Bevölkerung gesinnungsmässig eine Veränderung unserer Gewohnheiten wohl befürwortet, das eigene Leben aber kaum umzustellen gewillt ist.

Das Leben in einer entwickelten Gesell- schaft wie derjenigen der Schweiz wäre ohne Mobilität und Energieversorgung überhaupt nicht denkbar. Daniel Hofer, Präsident der Erdöl-Vereinigung

In diesem «angeheizten» Diskussionsklima werden Forderungen auf progressiver wie konservativer Seite immer heftiger und radikaler, was die Gräben zwischen den Seiten vertieft und das Erreichen pragmatischer Lösungen nur schwieriger macht. Dabei wären es gerade pragmatische und freie Denkansätze, die uns jetzt weiterbrächten. Wieso soll man beispielsweise nicht an neuen Nukleartechnologien forschen, den Bau von  Windturbinenanlagen verhindern oder die Wasserkraft nicht weiter ausbauen?

Der Ausbau der Stromproduktion

Denn eines scheint mir in der uns bevorstehenden Umbruchsphase sicher zu sein: Die Dekarbonisierung des Energiesystems führt zwingend zu mehr Stromverbrauch. Zum gleichen Ergebnis kommt man, wenn man die alle Lebensbereiche durchdringende Digitalisierung betrachtet. Da werden gigantische Datenmengen produziert, die in Computern verarbeitet werden müssen. Wie soll das ohne zusätzlichen Stromverbrauch gehen? Es ist nicht zu erwarten, dass durch Stromsparen genügend Kapazitäten frei werden, die für die Dekarbonisierung des Energiesystems und die Digitalisierung eingesetzt werden können. Ein pragmatischser Ansatz, eine Energiewende herbeizuführen, wäre die Kapazitäten für Stromproduktion und – verteilung massiv auszubauen und auf diese Weise billigen Strom im Überfluss bereitzustellen. So würden sich die Konsumenten aus ökonomischen Gründen für ein CO2-freies Energie- und Mobilitätssystem entscheiden. Dazu braucht es mutige, unternehmerische Entscheide. Wer wird den ersten Schritt tun?

 

Daniel Hofer, Präsident der Erdöl-Vereinigung
Daniel Hofer, Präsident der Erdöl-Vereinigung

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