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18 Januar 2020

Wo bitte geht es zur Digitalisierung?.

Das Thema Digitalisierung ist allgegenwärtig, den Zug will niemand verpassen. Aber wo und wie kann man einsteigen? Und wo liegen die grossen Herausforderungen? 

Die Digitalisierung wird unser Leben und unsere Arbeitswelt in den kommenden Jahren massiv verändern. Dabei ist es egal, ob man den Wandel gut oder schlecht findet. Er passiert, und kaum jemand in der industrialisierten Welt wird sich dem widersetzen können. Was dies aber für das eigene Unternehmen und das Leben jedes einzelnen bedeutet, ist oft noch sehr vage und meist von grossen Veränderungsängsten begleitet. In dieser Orientierungslosigkeit schaut man oft ins Silicon Valley, um sich dort von den Digitaltreibern wie Google, Tesla und AirBnB inspirieren oder auch erschrecken zu lassen. Oder wir lassen uns von vollmundigen Werbeversprechungen der Hersteller und einem Heer von Beratern dazu verleiten, grosse und technologiegetriebene Projekte zu lancieren. Technische Lösungen gibt es in beinahe unüberschaubarem Umfang, das wird insbesondere beim Besuch der Leitmessen zur Thematik offensichtlich.

Es geht hier aber nicht darum, die Leistungen dieser Anbieter zu schmälern. Kreative Köpfe auf der ganzen Welt entwickeln in einem kaum überschaubaren Tempo Innovationen, die man vor einigen Jahrzehnten noch als Hirngespinste oder Science-Fiction abgetan hätte. Gleichzeitig schürt der Digitalisierungs-Hype gerade bei technischen Laien überzogene Vorstellungen oder Ängste über die Möglichkeiten, sodass in der Realität die Erwartungen nicht mit den praktischen Limitationen der heutigen Ansätze und Technologien oder den Kosten für eine Umsetzung vereinbar sind.

IoT, Datenverarbeitung und KI als wesentlicher Treiber

Das Internet der Dinge (IoT) ist in letzter Zeit explosionsartig gewachsen. Laut Cisco-Studie wird die Zahl der vernetzten Geräte bis 2020 voraussichtlich 50 Milliarden überschreiten. Hierzu gehören sowohl Alltagsgegenstände wie steuerbare Beleuchtung und Heizung im Haus als auch Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M). Gemeinsam mit dem IoT nimmt auch die Diskussion um künstliche Intelligenz in der Fabrik an Fahrt auf. Diese Entwicklung wird forciert durch immer höhere Rechenleistungen, wachsende Datenmengen sowie den verstärkten Einsatz von Sensoren. Unternehmen begegnen in diesem Zusammenhang neuen Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Die Fabrikhalle der Zukunft und das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Maschine gepaart mit künstlicher Intelligenz sind zentrale Themen, die Unternehmen beschäftigen. 

Technologie sucht Anwendung

Trotzdem liegt die grosse Herausforderung bei Digitalisierungsprojekten oft nicht bei der Technik, sondern bei deren sinnvollen Anwendung. So verlockend die technologischen Möglichkeiten auch sind, schlussendlich wird am Ende jemand kritisch beurteilen, was das Ganze bringt. Und dieser Mensch – sei es der Arbeiter in der Fabrik, der Kunde oder ein Entscheidungsträger – wird sich nicht an der tollen Technik oder dem kreierten Geschäftsmodell orientieren. Er wird sich schlicht und einfach die Frage stellen, ob für ihn das Leben einfacher geworden ist, ob die Lösung für ihn einen Mehrwert bringt. An diesem Punkt entscheidet sich, ob das Produkt im Markt erfolgreich sein wird, und ob sich die Investition auszahlt.

Gemeinsam zum Geschäftsmodell

Die Möglichkeiten und Anwendungsbereiche sind heute so vielfältig, dass kaum jemand in der Lage ist, im Alleingang die ideale Lösung zu finden. Das Zauberwort heisst daher Zusammenarbeit, im Management-Slang auch «Collaboration» oder «Co-Creation». Erst wenn wir gemeinsam mit allen Beteiligten die Wünsche und Sorgen in einem Teilbereich betrachten, finden wir Lösungen, die einen wirklichen Mehrwert bringen. Nur den Kunden nach Wünschen zu fragen, ist dabei oft wenig zielführend. Das sollte zwar seit Henry Ford bekannt sein, dessen Kunden schnellere Pferde wollten. Nur wird diese Tatsache gerade bei der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen oft vergessen.

In kleinen Schritten zum Ziel

Im Bereich der Standardisierung laufen grosse Anstrengungen, und die Lösungen der Anbieter werden immer einfacher. Trotzdem sind die Errungenschaften der Digitalisierung immer noch sehr jung und einem steten Wandel unterworfen. Es bewährt sich daher, die Lösungen an ganz konkreten Kundenbedürfnissen (nicht den vermuteten, sondern den sorgfältig eruierten) auszurichten. So kann man in kleinen Schritten mit der Umsetzung starten und während dem Prozess und der Einführung aus den gemachten Erfahrungen lernen und Korrekturen mit moderaten Kosten anbringen. Wenn wir unser Produkt oder unsere Kunden durch das Unternehmen verfolgen, stellen wir oft fest, dass unnötige Schnittstellen, Kommunikationsprobleme oder schlecht verfügbare Informationen eine effektive Bearbeitung behindern. Alleine schon mit dieser Betrachtung können viele Verbesserungspotentiale aufgedeckt werden. Und allzu oft braucht es weder BigData, künstliche Intelligenz noch ein Mammutprojekt, um diese Probleme anzugehen.

Digitalisierung fordert einen Kulturwandel

Ein weiteres Argument für überschaubare Schritte: Mit der Digitalisierung halten gleichzeitig Themen wie eine firmenweite Verfügbarkeit von Daten, Vernetzung mit Kunden und Lieferanten oder eine schnelle und flexible Anpassung der Abläufe Einzug. Und so harmlos dies im ersten Moment tönt: Viele Unternehmensgrundsätze und etablierte Strukturen werden mit einer konsequenten Umsetzung in Frage gestellt. Denn Digitalisierung bedeutet nicht, dass Mitarbeiter, Kunden und Produkte noch besser überwacht werden. Digitalisierung verlangt vielmehr eine Auflösung klassischer Strukturen und eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die technologischen Veränderungen mögen von vielen als disruptiv bezeichnet werden. Die wirklich einschneidenden Veränderungen werden aber in der Zusammenarbeit der Menschen geschehen. In der Realität ist die digitale Transformation vielmehr eine kontinuierliche Evolution der Fähigkeiten und Zusammenarbeit.

Wie packe ich es an?

Die Zukunft ist ungewiss, die anstehenden Veränderungen vermutlich gross. Für die meisten Unternehmen gibt es mehr Möglichkeiten als Ressourcen. Trotzdem ist die Antwort einfach: Ein Schritt nach dem anderen, dann ist kein Weg zu weit. Und schlussendlich ist es wie beim Sport: Mit der Bewegung wächst die Lust auf Bewegung.

Text: Daniel Gillmann 

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