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26 Februar 2020

«Learning by Doing» oder wie erziehe ich mein Kind?.

Mütter sind heutzutage beste Freundinnen und Väter treue Konzertbegleiter. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kind hat sich verändert und deshalb ist das Thema Erziehung aktueller denn je.

Wie will ich mein Kind erziehen? Diese Frage stellen sich viele Eltern und suchen die Antwort in zahlreichen Erziehungsratgebern. Oft denkt man dabei an alte Zeiten zurück und setzt auf den gleichen Erziehungsstil, welchen man selbst in der Kindheit erfahren durfte. Diese Methoden können sich zwar auch in der Gegenwart bewähren, jedoch lohnt es sich, seinen eigenen Erziehungsstil zu finden und durchzusetzen. Wenn es früher hiess: «Ich werde nie wie Mama und Papa», so heisst es heute: «Mama ist meine beste Freundin und mit Papa teile ich Musikgeschmack und Bandshirts». Eltern sind heutzutage längst nicht mehr nur noch peinlich, sondern teilen mit ihren Kindern Gemeinsamkeiten.

Früher war alles besser oder doch nicht?

Man will seine Kinder mit viel Liebe und Geborgenheit zu respektvollen, verantwortungsbewussten und toleranten Menschen erziehen. Das war damals schon so und ist es auch heute noch. Die Welt, in der die Kinder aufwachsen, hat sich jedoch verändert. Mit Fernseher, Computer, Smartphones und ganz viel Werbung ist es eine Welt voller Verlockungen. Das digitale Zeitalter ist geprägt von dem Gedankengut, dass etwas Besseres hinter der nächsten Ecke wartet. Als Eltern hier konsequent Grenzen zu setzen und dem Kind nicht sofort jeden Wunsch zu erfüllen, ist sicherlich anspruchsvoller als früher. Ausserdem ist es nicht einfach, die Kinder von ihren Bildschirmen zu lösen und draussen bei Wind und Wetter zum Spielen zu bewegen. Insbesondere Jugendliche betrachten Naturerscheinungen wie Regen oder Schnee lieber von drinnen und verewigen die Momentaufnahme auf Social Media mit Kommentaren wie: «Hey, es schneit!»

Die weite Welt des Internets
Dass Kinder und Jugendliche gerne ihre Grenzen austesten und dabei über die Stränge schlagen, ist nichts Neues. Wurde früher im engen Freundeskreis die Mutprobe ausgetragen, nimmt es im heutigen digitalen Zeitalter mit Instagram, Snapchat und Co. ganz andere Dimensionen an. Der Betroffene kommt zu schnellem Ruhm und hat seine fünf Minuten im Rampenlicht. Das klingt verlockend und senkt deshalb die Hemmschwelle für waghalsige Taten. Diese können unter Umständen gefährlich enden.

«Es war auch vor Social Media immer angesagt, gegen den Strom zu schwimmen», meint der frischgebackene Papa Michael Kessler. «Meine Eltern waren zwar nicht allzu streng, jedoch wusste ich, wo die Grenzen lagen und wann ich mit Konsequenzen zu rechnen hatte», fügt er an, «Wenn Kinder oder Jugendliche sich falsch verhalten, dann sollten die Eltern sie nicht einfach konsequent bestrafen, sondern dem Nachwuchs aufzeigen, wieso dieses Verhalten nicht in Ordnung ist und wie man das ändern könnte. So ist der Lerneffekt grösser. Das Eltern-Kind-Verhältnis ist heutzutage lockerer. Immerhin gehen Jugendliche mit ihren Eltern in den Ausgang, das hätte ich mir nicht vorstellen können.»

Das Erstgeborene muss sich seine Freiheiten erkämpfen und hat seinen jüngeren Geschwistern als Vorbild zu dienen.

Das Internet ist jedoch nicht nur voller Wettervorhersagen und Mutproben von Teenagern, sondern bietet eine Vielfalt an Informationen zu Erziehungsthemen. Über die Informationsflut schüttelt vielleicht manch einer den Kopf, aber Fakt ist, dass die digitale Welt bei Erziehungsfragen oftmals Licht ins Dunkle bringen kann. Früher fragte man bei Unsicherheiten diesbezüglich vielleicht die eigene Mutter oder das nähere Umfeld. Heutzutage ist Austausch und Inspiration in Communities endlos. Ausserdem gibt es unzählige Beratungsstellen, die versuchen, Eltern und Kind das Leben leichter zu machen.

Perfekte Eltern, perfektes Kind

Die modernen Eltern von heute bringen also Beruf und Familie unter einen Hut und wissen, wann es gilt, dem Nachwuchs etwas zu erlauben oder zu verbieten. Den Kindern setzen sie vegane, laktosefreie und glutenfreie Gerichte vor, welche die Sprösslinge gehorsam aufessen. Später sorgen die Kinder für den Abwasch, denn so will es der Ämtliplan. Wenn das Kind bei den Hausaufgaben nicht mehr weiter weiss, hilft man zwar, aber nicht zu sehr, denn das Kind soll ja selbstständig auf die Lösung kommen. So meint es zumindest der aktuelle Erziehungsratgeber oder die eine Nachbarin. Und die muss es wissen, denn schliesslich sind sie und ihre Tochter ein Herz und eine Seele.

Erziehung ist längst nicht mehr nur noch Frauensache. Männer wollen vermehrt am Leben ihrer Kinder und deren Erziehung teilhaben und das von Anfang an; wenn es der Vaterschaftsurlaub zulässt. Und auch Frauen sind gefragt, wenn es darum geht, Familie und Beruf miteinander zu vereinen.

Bruderherz und Schwesterherz

Nebst den Eltern haben auch die jeweiligen Geschwister Einfluss auf die Kinder. Nirgends liegen Liebe und Hass so nah beieinander. Morgens streitet man sich um die Fernbedienung, nur um abends friedselig zusammen die Lieblingssendung zu schauen. Man würde Schwester- oder Bruderherz eine Niere geben, jedoch nicht das Ladekabel des Smartphones. Durch Geschwister lernt man schon früh, Konflikte auszutragen, ohne gleich alles persönlich zu nehmen. Dies ist eine Eigenschaft, die auch im späteren Privat- und Berufsleben von Nutzen sein wird.

Die Geschwisterrollen in der Familie sind nach wie vor klar verteilt: Das Erstgeborene muss sich seine Freiheiten erkämpfen und hat seinen jüngeren Geschwistern als Vorbild zu dienen. Das mittlere Kind, als sogenanntes Sandwich, geht in seiner Rolle oftmals verloren und spätestens beim Nesthäkchen sehen viele Eltern gewisse Dinge um einiges lockerer und das Kind hat mehr Freiheiten. Es ist jedoch wichtig, auf jedes Kind individuell einzugehen und die Stärken und Schwächen des Einzelnen zu akzeptieren und nicht mit anderen Familienmitgliedern zu vergleichen.

Der Anspruch an die perfekte Kindererziehung ist heutzutage hoch und der Druck und Stress noch höher. Dabei vergessen viele, einfach auf ihren Instinkt zu hören, anstatt auf andere. Grundsätzlich gilt bei der Erziehung: «Nobody’s perfect» und Fehler machen ist natürlich erlaubt.

Text: Sonya Jamil

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