14 C
Zürich
4 Juni 2020

Work-Life-Balance für moderne Väter.

Die Spannung steigt. Nächsten Monat ist es endlich soweit. Das Wunder geschieht. Ich werde zum ersten Mal Papa. Doch was kommt auf moderne Väter zu?

Ich freue mich wahnsinnig und kann es kaum erwarten, bis mein kleines, süsses «Ich» das Licht der Welt erblickt. Gleichzeitig drängen sich aber auch diverse Fragen und Unsicherheiten auf. Kann ich für meine Familie sorgen? Habe ich noch Zeit für mich? Was ändert sich generell? Zweisamkeit ade? Eine Aussage eines guten Freundes, und selbst zweifacher Vater, brannte sich in mein Gedächtnis ein: «Lass bloss die Finger von irgendwelchen Erziehungsratgebern oder sonstiger ‹how-to-be-the-perfect-dad›-Literatur. Das Vatersein ist ein natürlicher Urinstinkt und wird dir – sofern du dich reinhängst – automatisch gut gelingen.» Soweit so gut. Aber was heisst das konkret?

Moderner Zeitgeist

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der zeitgeistliche Begriff «Work-Life-Balance» ist sowohl bei mir, wie auch bei vielen befreundeten Vätern, ein essentielles Thema und führt nicht selten zu grosser Unsicherheit und Konflikten. In der Partnerschaft und mitunter mit sich selbst. Ich mache mir ehrlich gesagt keine grossen Sorgen, ob ich ein guter Vater sein werde. Das «Baby» werde ich schon schaukeln. Viel mehr mache ich mir Gedanken, wie sich mein zukünftiges Familienleben mit meiner beruflichen Tätigkeit vereinbaren lässt und wie ich beides gewichten werde.

Für Mütter ist es besonders schwierig, beide Welten in Einklang zu bringen. Karrierechancen schwinden und eine Jobsuche gestaltet sich schwieriger als je zuvor. Aber wie steht es um die modernen Väter? Wie sollen sie heutzutage Beruf und Privatleben unter einen Hut bringen?

Der in der Schweiz faktisch nicht vorhandene Vaterschaftsurlaub, ist eine deftige Ohrfeige für jeden Vater dieses Landes.

Arbeiten, um zu leben oder leben, um zu arbeiten?

Nicht zuletzt aufgrund der immer grösser werdenden Verschiebung der klassischen Rollenverteilung zeigt sich ein ganz neues und spannendes Phänomen: Auch wir Väter wollen mehr Zeit mit unseren Kindern und der Familie verbringen. Karriere machen ja, aber nicht um jeden Preis. Es reicht vielen Daddys nicht mehr, am Abend nach der Arbeit ihren Kindern bloss einen Gutenachtkuss auf die Stirn zu drücken, während diese bereits seelenruhig die Sterne zählen. Wie schön wäre es, zumindest einen Tag pro Woche als Familie gemeinsam im Freibad zu plantschen, spazieren zu gehen oder auch einfach nur daheim auf dem Sofa zu faulenzen und Gemeinschaftsspiele zu spielen?

Paradigmenwechsel

Dem Bundesamt für Statistik zufolge, arbeiten in der Schweiz über 80 Prozent der Väter mit Kindern von null bis zwölf Jahren Vollzeit, während über die Hälfte der Mütter nur Teilzeit oder gar nicht arbeitet. Die Väter tragen die alleinige Verantwortung hinsichtlich Geldbeschaffung, während die Mütter die Kinder erziehen und den Haushalt schmeissen. Am Ende des Tages sind beide mehr oder weniger erschöpft – geistig wie körperlich – und ein «wie war dein Tag»-Gespräch gleicht schnell dem anderen. Dieses Ungleichgewicht ist für viele Eltern in meinem Umfeld unbefriedigend und nicht mehr zeitgemäss. Es mag nach wie vor Familien geben, welche gut mit diesem klassischen Familienmodell durchs Leben kommen. Die Frage muss aber erlaubt sein, ob die hohen Scheidungsraten und die grosse Anzahl alleinerziehender Mütter etwas damit zu tun haben.

Kinderwunsch als Grund für eine Trennung

In meinem persönlichen Umfeld gab es bedauerlicherweise viele vorher «vermeintlich harmonische» Beziehungen, welche trotz eines gemeinsamen Kinderwunschs noch im ersten Lebensjahr des Kindes an der schwierigen und neuen Situation zerbrachen. Ständige Unruhen, die Austragung von persönlichen Differenzen in der Erziehung und im schlimmsten Fall ein Sorgerecht- bzw. Unterhaltsstreit sind die unangenehmen Folgen. Es heisst, Kinder sind unsere Zukunft, aber der Begriff Familie und deren Zusammenhalt bedeutet für mich im Ursprung etwas anderes, als monatlich die Alimente zu zahlen und jedes zweite Wochenende meinen Vaterpflichten nachzukommen. Familienfreundlichere Rahmenbedingungen wie wir sie in skandinavischen Ländern antreffen, könnten dieser unsäglichen Entwicklung entgegenwirken, auch wenn dies wohl oder übel Auswirkungen auf die Höhe unserer Steuern hätte.

Prioritäten setzen

«Zeit ist Geld.» Dieses Sprichwort prägte Benjamin Franklin. Die Zeit sei so wertvoll wie Geld und sollte genutzt werden. Ein wahrlich kluger Mann auch wenn sich die Aussage in seinem 1748 erschienenen Buch «Ratschläge für junge Kaufleute» rein auf die Arbeit bezog. Der Buchtitel könnte heute anders lauten. Zum Beispiel «Work-Life-Balance für moderne Väter». Denn auch auf die Familie bezogen ist «Zeit» für Väter ein wertvolles und oft mangelhaftes Gut.

Der Begriff Familie und deren Zusammenhalt bedeutet für mich im Ursprung etwas anderes, als monatlich die Alimente zu zahlen und jedes zweite Wochenende meinen Vaterpflichten nachzukommen.

Auch mir war es schon immer ein wichtiges Anliegen, nebst der Arbeit genügend Zeit für meine persönlichen Interessen und Hobbies zu haben. Nun, da bald ein neuer Mittelpunkt in mein Leben tritt, nämlich mein süsser Fratz, ist dieses Bedürfnis grösser als je zuvor. Natürlich möchte ich für meine Familie sorgen und genug Geld verdienen, um davon sorgenfrei leben zu können. Auf der anderen Seite kann ich mir nur schwer vorstellen, fünf Tage die Woche von meiner Familie getrennt zu sein und quasi nichts mitzubekommen.

Gesetzlicher Vaterschaftsurlaub

Besonders in der intensiven Anfangszeit, unmittelbar nach der Geburt des Kindes, sollte es doch möglich sein, das Familienglück zu zelebrieren und sich an die neue Rolle sowie die Veränderungen zu gewöhnen. Der in der Schweiz faktisch nicht vorhandene Vaterschaftsurlaub, ist eine deftige Ohrfeige für jeden Vater dieses Landes. In unserer heutigen, schnelllebigen Leistungsgesellschaft braucht es dringend eine gesetzlich verankerte Regelung, damit auch Väter beim Start ins neue Leben anwesend sein können. Darüber hinaus wäre es ratsam, in der Wirtschaft und insbesondere in der Politik über flexiblere Arbeitsmodelle wie z.B. Jobsharing zu diskutieren und entsprechende, geschlechterunabhängige Lösungen bzw. Gesetzesentwürfe zu erarbeiten.

Fünfer und das «Weggli»

Ich spreche für viele Gleichgesinnte. Es ist mir ein grosses Anliegen, ein zufriedenes Familienleben zu führen. Mit all den wunderbaren, wie aufopfernden Seiten.

Gleichzeitig wünsche ich mir weiterhin eine schöne Partnerschaft und Erfolg im Job. Ganz schön viel auf einmal. Aber hey: Wir sind moderne Väter. Wir packen das.

Text: Adrian Georg Seidl

Lesen Sie mehr.

«LGBT» – Die farbenfrohe Regenbogen-Community

Diversität ist ein Wort, welches auf die bunten Regenbogen-Fahnen der «LGBT-Community» besonders zutrifft. In einer Welt, in der nach aussen vermittelt wird, dass wir Menschen alle gleich sind, kommt ungerechte Behandlung öfter vor als gedacht. Darunter leidet auch die «LGBT-Community».

Wie man in dieser Grillsaison zum Profigriller wird

Der Sommer ist da und somit auch die Grillsaison. Nicht nur Besteck und Pappteller sind dabei Teil der obligatorischen Grundausstattung – genauso muss für die Feinkost rund um das Fleisch oder den Halloumi-Käse gesorgt sein.

Wohlergehen von der Schale bis zum Kern

Schönheit wird sowohl durch die Pflege und Wertschätzung des Äusseren verkörpert, als auch vom Innern mit einem gesunden Körper. Wie der Mann diese beiden Faktoren verbindet und zu einem strahlenden Erscheinungsbild wird.

Wie verhalte ich mich während und nach einem Einbruch

Nach den erholsamen Ferien findet man in der eigenen Wohnung ein Chaos vor. Schubladen sind durchwühlt, Unterwäsche am Boden verteilt und womöglich antike Vasen zerschlagen. Das Couvert mit Bargeld und vererbte Schmuckstücke sind gestohlen - auf Nimmerwiedersehen.

Archiv.

Hochzeiten gewinnen an Individualität

Die heutige Zeit wird immer schneller und digitaler. Gerade deswegen vertrauen wir stärker als je zuvor in die Gemeinsamkeit und in die Ehe.