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20 Juli 2019

Vier Sprachen für die Schweiz.

Die Sprache ist bekanntlich die Brücke zu unseren Mitmenschen. Wenn dem so ist, konnte die Schweizer Bevölkerung bereits zahlreiche Brücken schlagen. Wir sind schliesslich mehrsprachig.

Auf die Aussage «Ich komme aus der Schweiz» folgt meist ein anerkennender Blick. Man wird kurz für Schokolade, Käse und Uhr beglückwünscht, dann folgt die Frage: «Woher genau?» Die Antwort entscheidet je nach dem darüber, ob das Gespräch auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch weitergeführt wird. Wenn das geklärt ist, bleibt nur noch zu hoffen, dass man den Dialekt des Gegenübers versteht.

Die Mehrheit der Bevölkerung lebt mit 63.5 Prozent in der deutschsprachigen Schweiz. In 19 von 26 Kantonen wird mit schweizerdeutschem Dialekt gesprochen. Der Westen des Landes mit den Kantonen Genf, Neuenburg, Waadt und Jura spricht hingegen französisch. Bern, Wallis und Freiburg sind zweisprachig. Italienisch kommt im Tessin und in den südlichen Tälern Graubündens zum Tragen. Und mit 0.5 Prozent sind die Rätoromanen die am kleinsten vertretene Sprachgruppe in der Schweiz. Im Kanton Graubünden spricht man jedoch neben Rumantsch auch noch Deutsch und Italienisch. Innerhalb des Rätoromanischen gibt es die Unterteilungen  Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Vallader und Puter. Als sogenannter sprachlicher Kompromiss zwischen den fünf Sprachen dient seit 1982 das Rumantsch Grischun. Die Schweiz zeigt Sprachenvielfalt. Dazu tragen auch die in der Schweiz lebenden Migranten bei, deren Muttersprache von den vier Landessprachen abweicht.

Wie die Schweiz mehrsprachig wurde

Bis 1798 war die Schweiz einsprachig. Dies änderte sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts: Die Romanisierung um die Zeitwende, sorgte dafür, dass weite Teile der Schweiz latinisiert wurden. Davor gab es verschiedene vorindogermanische Sprachen, die von keltischen Sprachvarietäten überlagert wurden. Eine Sprachvarietät ist die Ausprägung einer Sprache, welche diese ergänzt, erweitert oder modifiziert, jedoch nicht alleine existieren kann. Aufgrund der sprachlichen Varietäten und dem Einfluss burgundischer und lombardischer Einwanderer, entwickelten sich diverse regionale Varietäten des Lateins. Unter diese fielen der rätoromanische, lombardische, frankoprovenzalische und französische Dialekt. Später kamen mit der Einwanderung alemannische Mundarten dazu und die romanischen Varietäten breiteten sich aus. Im Mittelalter pendelten sich die sprachlichen Grenzen zwischen Deutsch, Französisch und Italienisch ein und blieben seit der frühen Neuzeit stabil.

Es ist wichtig, dass Kinder möglichst früh eine Fremdsprache erlernen und diese auch aktiv anwenden. So ist der Lernerfolg am grössten

In der Schweiz spricht man von einer territorialen, institutionellen und individuellen Mehrsprachigkeit. Territorial, da sie sich gleich mit mehreren Sprachen identifiziert und in den vier Sprachgebieten in der Regel nur eine Sprache offiziell ist. Institutionell, da der Bund die Sprachen als Amtssprache anerkennt und so mit der Bevölkerung kommuniziert und schliesslich individuell, da zahlreiche Individuen in der Schweiz die Sprache der eigenen Region beherrschen. Die Schweiz ist mehrsprachig, deren Bevölkerung aber nicht zwingend. In der Schule lernt man zwar Französisch oder Italienisch, wenn die Schulzeit sich jedoch zu Ende neigt, gehen meist auch die Sprachkenntnisse flöten.

Mehrsprachigkeit in der Schule

Die Schweiz fördert das Erlernen von Fremdsprachen in der Schule. Im Kanton Zürich lernen die Schüler ab der fünften Klasse Französisch; Englisch oftmals noch früher. Diese Frühforderung der Mehrsprachigkeit löst in der Gesellschaft gemischte Gefühle aus. Die angehende Sekundarlehrerin Fabienne Maag findet: «Es ist wichtig, dass Kinder möglichst früh eine Fremdsprache erlernen und diese auch aktiv anwenden. So ist der Lernerfolg am grössten. Es ist ein grosser Vorteil, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen. Zwar kann es zu Sprachverzögerungen in der Grund- und Fremdsprache kommen, aber diese legen sich meist mit der Zeit.»

Die Schweiz ist aufgrund ihrer Sprachenvielfalt ein facettenreiches Land.

Im Land der vier Sprachen ist es den Eltern natürlich wichtig, dass der Nachwuchs Englisch und Französisch fehlerfrei beherrscht. Dafür reicht der Schulunterricht oftmals nicht aus und wer nicht bilingual aufwächst, muss auf Nachhilfestunden oder Sprachaufenthalte im Ausland zurückgreifen.

Im Ausland wird das Erlernen einer Fremdsprache mal mehr, mal weniger gefördert. So lernen britische Schüler in ihrer weiterführenden Ausbildung keine Fremdsprache, da die britische Bildungspolitik die Fremdsprachenfächer nicht als Pflichtfächer vorsetzt oder sie gar ganz streicht. Wenn die Schüler eine Fremdsprache wählen, so liegt ihr Fokus vor allem auf Sprachen wie Spanisch oder Chinesisch. Die Fächer Deutsch oder Französisch ziehen hierbei den Kürzeren.

Ganz anders China. Der chinesische Staat bietet den Oberstufenschülern vermehrt Fremdsprachen-Unterricht an. Nebst Russisch oder Japanisch lernen die Schüler auch Sprachen wie Deutsch, Französisch und Spanisch.

Viele Länder – viele Sprachen

Die Schweiz ist nicht das einzige Land mit mehreren Amtssprachen. So bedient sich zum Beispiel Luxemburg in offiziellen Dokumenten und im Bildungssystem der  deutschen, französischen und luxemburgischen Sprache. Das Land ist eine dreisprachige Gesellschaft, denn die meisten gebürtigen Luxemburger sprechen alle drei Sprachen fliessend. Und auch Kanada ist mit Englisch und Französisch je nach Region institutionell billingual. Zu guter Letzt Singapur, welche neben Englisch auch noch Mandarin, Malaiisch und Tamilisch als Amtssprache vorweist. Englisch ist hier die Verkehrssprache und wird im Geschäftsleben und Bildungssystem verwendet.

Die Schweiz ist aufgrund ihrer Sprachenvielfalt ein facettenreiches Land. Es hat eine eindrückliche Geschichte, die vom Lauf der Zeit geprägt wurde und vier Landessprachen mit zahlreichen Dialekten und Varietäten hervorgebracht hat.

Text: Sonya Jamil

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