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13 Juli 2020

Vorsicht beim Teilen von Kinderfotos im Netz.

Die schönsten Kinderfotos entstehen oft im Sommerurlaub. Der Moment muss festgehalten werden, denn dieser soll der Familie in Erinnerung bleiben. Eltern sind sich den negativen Auswirkungen, die durch das Teilen von Kinderfotos entstehen, jedoch häufig nicht bewusst.

Die Sommerferien sind da und die Familie verreist. Schnell folgt das Teilen eines Fotos auf Facebook oder Instagram. Oft übersehen Eltern dabei, dass die Bilder in falsche Hände geraten können. Sind die Fotos einmal hochgeladen, können sie sich schnell verbreiten und nicht mehr aus dem Netz verschwinden. Jede Information, die man ins Internet stellt, führt möglicherweise zu einer Diskussion. Die Konsequenzen, die durch das Teilen von Kinderfotos entstehen, haben dann meist die Kinder zu tragen.

Das Kindeswohl hat Vorrang

Der Grundgedanke von Eltern ist überwiegend, dass Freunde und Verwandte über die sozialen Netzwerke am Leben der Kinder teilhaben können. Zudem streben die Eltern nach Wertschätzung. Likes, Kommentare oder Followerzahlen sorgen für die nötige Anerkennung. Das führt dazu, dass manche Eltern ihr Kind im Netz präsentieren möchten. Die Kinder können manche Fotos heute gut und zu einem späteren Zeitpunkt als unangenehm empfinden. Zudem besteht die Gefahr, dass die Bilder missbraucht werden. Grundsätzlich hat jeder Mensch das Recht am eigenen Bild, es gehört zum allgemeinen Persönlichkeitsrecht. Meistens können Kinder jedoch nicht selbst über eine Veröffentlichung entscheiden. Priska Dabkowska ist Programmverantwortliche Medienkompetenz der Stiftung Pro Juventute. Gemäss ihr sind Kinder üblicherweise im Alter von 14 Jahren urteilsfähig. Ab diesem Alter benötigen Vater und Mutter das Einverständnis ihres Kindes, ob sie ein Bild veröffentlichen dürfen oder nicht. Ist das Kind jünger, dürfen die Eltern darüber entscheiden.Solange der Nachwuchs nicht sein eigenes Einverständnis zu einem Post geben kann, ist es die Aufgabe der Eltern, die Persönlichkeitsrechte und die Privatsphäre ihres Kindes zu schützen.

 Ein konstantes Management der Facebook-Freunde und ein sicheres und geheimes Passwort sind für den Persönlichkeitsschutz wichtig

Das Bewusstsein der Eltern stärken

Eltern sollen darauf aufmerksam gemacht werden, was mit den Kinderbildern geschieht und wie sich diese im Internet verbreiten. «Eine Sensibilisierung hinsichtlich dieser Thematik würde zu einem bewussteren Umgang mit den eigenen Bildern und deren Verwendung im digitalen Bereich führen», betont Dabkowska. Vater und Mutter sind dazu verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen und eine Vorbildfunktion einzunehmen. Dabkowska bekräftigt: «Zuerst braucht es ein eigenes Verständnis der Eltern, was es bedeutet, wenn man Bilder veröffentlicht. Vater und Mutter müssen den eigenen Umgang mit den digitalen Medien reflektieren.» Denn Kinder beobachten, wie Eltern mit den sozialen Medien umgehen. Es besteht die Möglichkeit, dass der Nachwuchs das Verhalten entsprechend nachahmt. Vater und Mutter dürfen daher auch nicht jedes Detail von sich in den sozialen Medien preisgeben. Eltern haben die Aufgabe, eine klare Strategie zu verfolgen, was publiziert werden kann und was nicht. Diese Strategie gibt man anschliessend den Kindern weiter.

Vor dem Hochladen von Kinderfotos können sich Eltern beispielsweise an folgenden Fragen orientieren:

– Würde man es wollen, dass seine eigenen Bilder aus Kinderzeiten online aufzufinden sind?

– Wird das Recht des Kindes verletzt?

– Ist es im Interesse des Kindes, dass die Bilder im Internet zu finden sind?

Mutter macht Foto von Baby
Zum Schutz der Kinder

Generell sind Kinderfotos online nur in gesicherten Bereichen zu veröffentlichen, die nicht für alle zugänglich sind. Eltern sollten beim Teilen von Kinderfotos darauf achten, dass der Nachwuchs nur teilweise erkennbar ist. Die Kinder können zum Beispiel mit einer Sonnenbrille zu sehen sein. Fotos, die Kinder in Bikini, Badehose, in der Badewanne oder in anderen privaten Situationen zeigen, empfiehlt es sich nicht zu teilen. Der Leiter der Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstelle, Dr. med. Georg Staubli, betont: «Fotos, auf welchen Kinder unpassend posieren und jede Form von Nacktfotos sollten nicht gepostet werden.» Laut Priska Dabkowska schreiten Behörden dann ein, wenn sie beispielsweise im Rahmen einer Gefährdungsmeldung auf heikle Posts stossen. Falls Eltern unsicher sind, ob sie ein Foto ihres Kindes veröffentlichen sollen oder nicht, können sie auf einen Fotoguide zum Teilen von Kinderfotos zurückgreifen.

Eltern haben die Aufgabe, eine klare Strategie zu verfolgen, was publiziert werden kann und was nicht.

Was beim Hochladen beachtet werden muss

Im Internet sind Übersichten vorhanden, die Eltern über das sichere Einstellen von Online-Diensten informieren. Grundsätzlich sind Vater und Mutter dazu verpflichtet, Profilinformationen und Bilder nur für ausgewählte Kontakte und keineswegs für Suchmaschinen sichtbar zu machen. Ein konstantes Management der Facebook-Freunde und ein sicheres und geheimes Passwort sind für den Persönlichkeitsschutz wichtig. Beim Hochladen von Bildern über das Smartphone achten Eltern besser darauf, dass sie die Ortsbestimmung deaktivieren. Andernfalls ist erkennbar, wo das Bild aufgenommen wurde. Priska Dabkowska verdeutlicht: «Es gilt dennoch zu beachten, dass Bilder von Kontakten beliebig kopiert und somit weiterverbreitet werden können.» Das Hochladen von Bildern in einem Online-Speicher wie beispielsweise einem Cloud-Speicher ist ebenfalls nicht unproblematisch. Schliesslich werden persönliche Daten einem Unternehmen anvertraut. Zudem besteht die Gefahr, dass diese Speicher gehackt werden. Eltern sind daher verpflichtet, sich über die Geschäfts- und Datenschutzbedingungen eines Anbieters zu informieren und ein gutes Passwort zu verwenden. Am sichersten ist es, Bilder oder Videos nur auf der Festplatte zu speichern.

Text: Chantal Somogyi

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