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14 November 2019

Berufswahl: Bald alles nur noch digital?.

Seit 2014 gibt es für Jugendliche die Berufswahl-App www.berufswahl.zh.ch. Damit sie im Sek-Unterricht besser eingesetzt werden kann, wurde sie nun zu einer responsiven Plattform weiterentwickelt.

Es war im Sommer 2014, als die Berufswahl-App lanciert wurde und seither über 50 000 Downloads verzeichnete. Es war ein erster Schritt in Richtung digitales Berufsberatungsangebot. Zwecks besserem App-Einsatz im Berufswahlunterricht der Sekundarschulen wurde sie nun zu einer responsiven beziehungsweise Desktop-tauglichen Plattform weiterentwickelt: «Jugendliche, Eltern und Lehrpersonen können das Berufswahl-Portal mit oder ohne persönlichem Login nutzen», sagt Philipp Dietrich von der Berufsberatung des Kantons Zürich: «Die Jugendlichen können neu auch einen Interessentest durchführen. Auf einem persönlichen Startbildschirm werden dann unter anderem Info-Veranstaltungen, Berufsbesichtigungen, Schnupperlehr-Betriebe oder Lehrstellen angezeigt, die zu den Interessen und Wunschberufen passen.»

Beliebt: «Schnupperlehre suchen»

Für junge Menschen wird das Smartphone immer mehr zur universalen Schaltzentrale für alle Lebensbereiche. Philipp Dietrich hat auf den Trend reagiert: «Wir wollten den Berufswahl-Prozess und die nötigen Berufswahl-Infos mobil via Smartphone zugänglich machen, kundennah und bedienungsfreundlich. Jugendliche können die Berufswahl-relevanten Infos jederzeit und überall abrufen, nach Info-Veranstaltungen zu Berufen suchen, sich für Berufsbesichtigungen anmelden oder einen Termin bei der Berufsberatung vereinbaren. Das funktioniert. In Spitzenmonaten wurde die Seite ‹Schnupperlehre suchen› über 30 000 Mal aufgerufen.»

Neues Fach: berufliche Orientierung

Aber wie finden Jugendliche ihre Stärken und einen Beruf, in dem sie diese einsetzen können? Jugendliche werden dabei durch die Schule und die Berufsberatung unterstützt, ebenso durch Gespräche mit Eltern und dem Umfeld. In der 2. Sek startet der Berufswahl-Prozess so richtig. Im Rahmen des Berufswahl-Unterrichts bzw. im Fach «Berufliche Orientierung» – neu seit der Lehrplan-21-Einführung – tasten sich die Jugendlichen an ihre Stärken, Talente und Interessen heran. Sie lernen die Berufswelt kennen, informieren sich über Berufe und Ausbildungen, besichtigen Berufe und gehen schnuppern. Insbesondere Berufsbesichtigungen und Schnupperlehren sind dabei wichtig, betont Philipp Dietrich: «Jugendliche finden so heraus, wie sehr ihre Stärken in einem Wunschberuf tatsächlich zum Tragen kommen, und können obendrein ihre persönlichen Vorstellungen und Vorurteile über einen Beruf mit der tatsächlichen Realität abgleichen. Das fördert die Entscheidungskompetenz.»

Die Qual der Wahl

Die Möglichkeiten des Schweizer Bildungssystems sind vielfältig. Jugendliche können aus rund 250 Lehrberufen mit unterschiedlichen Anforderungsniveaus auswählen. Eine drei- oder vierjährige Lehre bzw. berufliche Grundbildung schliesst man mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab, während weniger anforderungsreiche berufliche Grundbildungen mit einem Eidgenössischen Berufsattest (EBA) abgeschlossen werden. Schulisch stärkere Schülerinnen und Schüler können eine Lehre mit der Berufsmaturität kombinieren, was ihnen den Zugang zu zahlreichen Fachhochschul-Studiengängen und Karrierewegen ermöglicht. Oder sie gehen an ein Gymnasium, die Fachmittelschule (FMS), Handelsmittelschule (HMS) oder Informatikmittelschule (IMS). Voraussetzung hierfür ist eine bestandene Aufnahmeprüfung.

Keine Pauschalaussagen

Aus der Wirtschaft hört man oft pauschale Statements wie «Die heutigen Jungen wollen ja gar keine Karriere mehr machen», «Die Jungen können ja kaum mehr einen Satz fehlerfrei schreiben» oder «Die Jungen haben das wirkliche Arbeiten verlernt». Aus berufsberaterischer Sicht kann Philipp Dietrich solche Aussagen nicht bestätigen: «Es gab schon immer mehr oder weniger ehrgeizige, talentierte und schulisch starke Jugendliche. Wir stellen jedoch fest, dass die Anforderungen der Lehrberufe in den letzten Jahren tendenziell zugenommen haben».

Vorerst keine DNA-Analysen

Die technologische Entwicklung und die Digitalisierung führen bei Erwachsenen insbesondere im Bereich von Stellensuche, Bewerbung und Rekrutierung zu zahlreichen neuen Prozessen, die teil- oder gar voll-automatisiert ablaufen. Ein Beispiel ist das maschinelle Pre-Screening von Lebensläufen, bei dem Bewerbungen durch eine Art Schlagwort-Suche vorsortiert werden. «Das mag die Personalabteilungen in gewissem Grad bei der Sichtung von Bewerbungsunterlagen entlasten», führt Philipp Dietrich aus. «Bei der Berufswahl von Jugendlichen spüren wir von solchen Trends noch nichts, von DNA-Analysen ganz zu schweigen. Im Berufswahl-Bereich sind vorderhand vor allem sogenannte Matching-Technologien existent, um Interessen- oder Stärken-Profile von Jugendlichen mit den offenen Lehrstellen von Lehrfirmen abzugleichen und zu ‹matchen›. Ob sich solche Technik-getriebenen Lösungen in einem Umfeld, wo Menschen mit ihren Charakteristiken und ihrer Persönlichkeit im Mittelpunkt stehen, langfristig wirklich durchsetzen, wird die Zeit weisen».

Text: Mohan Mani

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