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Zürich
20 Januar 2020

«Wer Erfolg haben will, muss etwas Verrücktes wagen».

Am Anfang war die Lust auf Bratwurst: Weil der Zürcher Sternengrill zu weit weg war für einen Fussmarsch, aber nicht weit genug für eine Velofahrt, keimte die Idee des «Kickboards» in Wim Ouboters Kopf auf. Aus diesem Gedanken entstand mit «Micro» ein weltweit tätiges Unternehmen, welches die urbane Mobilität nachhaltig verändert hat. «Fokus Innovation» sprach mit Ouboter über den Mut zum Exotischen – und wie man Haifischbecken meidet.  

Wim Ouboter, warum sind Sie Unternehmer geworden?

Meine Karriere entstand aus dem Willen heraus, etwas Neues zu schaffen und einen anderen Weg zu beschreiten. Und das nicht ganz freiwillig, schliesslich war ich ein Schulversager und Legastheniker. Darum war für mich schon immer klar, dass ich Dinge anders anpacken musste, um erfolgreich zu sein. Ende der 90er-Jahre kam es dann zum Bratwurst-Vorfall: Weil der Bratwurststand am Zürcher Bellevue zu weit weg war, um die Distanz zu Fuss zurückzulegen, aber gleichzeitig auch zu gering, um extra das Velo hervorzuholen, machte ich mir Gedanken über Mobilitäts-Alternativen. Aus diesen Überlegungen ging 1997 das allererste Kickboard hervor. Doch es war eine problembehaftete Erfindung. 

Inwiefern?

Ein «Mini-Trottinett» war alles andere als ein cooles Gefährt. Praktisch durchaus, aber eben sehr kindisch. Daher kam ich auf die Idee, das Board zusammenklappbar zu machen. So konnte man es einfach und diskret in einer Tasche unterbringen. Das war der Startschuss für die portable Mobilität. 

Und, hat sich das Prinzip schnell durchgesetzt?

Nein, zumindest nicht sofort. Denn meine Freunde fanden meinen «Kiddy-Scooter» lächerlich und so liess ich das Gerät entmutigt in der Garage verstauben. Doch meine Frau stellte fest, dass die Kids in der Nachbarschaft total aus dem Häuschen waren wegen dem Gerät und seiner besonders spassigen Fahrweise. Meine Frau war es dann auch, die mir den Mut gab, mich gegen die Nein-Sager durchzusetzen und den ersten MicroScooter zu lancieren. Das zeigt, dass man als Unternehmer keine Angst von der Aussenansicht haben darf. Und man darf sich nicht davor fürchten, etwas Exotisches auszuprobieren. Der Erfolg gab uns Recht: 1998 starteten wir die Produktion mit 500 Fabrikangestellten in China. Gerade einmal eineinhalb Jahre später beschäftigten wir 15 000 Menschen in drei Fabriken.

Haben Sie diesen Erfolg kommen sehen?

Nein, keineswegs. Was sich allerdings durchaus abzeichnete, war die Flut an billigen Plagiatsprodukten, die den Markt bald überschwemmten. Während wir bei der Produktion von Kickboards und MicroScootern auf Qualität und Nachhaltigkeit achteten, ging es diesen Firmen nur um das schnelle Geld. Bald brach der Markt darunter zusammen. 

Wir hatten in der Zeit zuvor ein gutes finanzielles Polster aufbauen können und nutzten dieses, um in Innovationen zu investieren.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Wir hatten in der Zeit zuvor ein gutes finanzielles Polster aufbauen können und nutzten dieses, um in Innovationen zu investieren. Wir änderten auch unsere Markpositionierung nach dem Prinzip des «Blue Ocean Marketings»: Wenn in deinem Becken zu viele Haie schwimmen, suche dir einen neuen Ozean. Wir haben die portable Mobilität also aus einem anderen Blickwinkel analysiert. Aus diesen Erkenntnissen entstand unter Anderem mit unserem Partner Samsonite ein Hybrid aus Koffer und Scooter. Zudem sind wir im Bereich der E-Scooter führend und setzen dort auf Kooperationen mit Mercedes und BMW. Darüber hinaus ist es uns gelungen, unsere Scooter als bevorzugtes Gefährt für Skateparks zu etablieren. Diese neuen Geschäftsfelder haben es ermöglicht, dass «Micro» trotz Plagiatswelle weiterhin erfolgreich blieb und sich neu positionieren konnte. 

Mit dem Microlino haben Sie auch eine Schritt in die Welt der E-Autos getan. Was ist dort der Stand?

Dieses Vorhaben mussten wir vorerst unterbrechen. Der Industriepartner hat sich leider als nicht zuverlässig erwiesen. Mit zwei einstweiligen Verfügungen in Deutschland gegen ihn wurde die Basis für einen Neuanfang aber bereits gelegt. Dennoch sind Verzögerungen von rund einem Jahr entstanden. Glücklicherweise kann ich mich auf den Support meiner beiden Söhne Merlin und Oliver verlassen: Sie haben mir die nötige Kraft gegeben und mich bestärkt, dieses Projekt trotz der diversen Hürden weiterzuverfolgen.

Ihre Söhne übernehmen heute wichtige Lenkaufgaben im Unternehmen. War von Beginn an klar, dass die beiden dereinst die Firma übernehmen würden?

Nein, sie hatten ursprünglich gar kein Verlangen danach (lacht). Und einfach in die Fussstapfen des Vaters zu treten ist in der Tat wenig attraktiv. Doch die Idee, dass sie die Lancierung unseres Elektroautos zu verantworten haben, weckte ihr Interesse. Ich finde es wichtig, dass jeder seine eigene Geschichte schreibt und genau das sollen auch meine Söhne tun. Und trotz der unvorhergesehen Schwierigkeiten sind wir mit Microlino auf dem richtigen Weg: Als wir quasi «aus Jux» 2016 am Genfer Autosalon teilgenommen haben, entpuppte sich unsere Vision laut Kennern als ein Highlight der Messe. Und die Liste an Vorbestellungen wurde immer länger. Umso mehr bin ich froh, dass ich mich auf die Arbeit und die Innovationskraft meiner beiden Söhne verlassen kann. Gemeinsam können wir Berge versetzen. 

Habt keine Angst vor Rückschlägen, die gehören einfach dazu.

Zum Schluss: Was raten Sie Menschen, die mit dem Gedanken spielen, ein Unternehmen zu gründen?

Habt keine Angst vor Rückschlägen, die gehören einfach dazu. Und wenn Leute aus eurem Umfeld eure Ideen in Frage stellen, nehmt das Feedback ernst – aber lasst euch auch nicht beirren. Denn wer Erfolg haben will, muss etwas Verrücktes machen!

Wim Ouboter wurde 1960 geboren, ist verheiratet und der Vater zweier Söhne. Sein Unternehmen «Micro» hat sein Hauptquartier im zürcherischen Küsnacht.

Interview: Matthias Mehl 

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