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Zürich
17 Januar 2020

Wissenswertes rund um die Pubertät.

Die Pubertät ist eine Ausnahmezeit. Auch für die Eltern pubertierender Kinder kann es sehr anstrengend werden. Eine anspruchsvolle Zeit für Heranwachsende ist es ohnehin. Denn es verändert sich einiges. Ganz wichtig ist es, sich bewusst darüber zu sein, dass Streit und Widerspruch oftmals einfach zu dieser Zeit dazugehören.

Was körperlich in der Pubertät passiert, ist allgemein bekannt. Die Veränderungsphase beginnt bei Mädchen ungefähr im zehnten Lebensjahr. Bei den Jungs beginnt sie etwas später, etwa mit zwölf. Geschlechtsunabhängig erleben Pubertierende einen gehörigen Wachstumsschub und die äusseren Geschlechtsmerkmale eines erwachsenen Körpers beginnen, sich zu entwickeln. Menstruation beziehungsweise Samenerguss setzen ein. Abgeschlossen ist der Prozess mit ungefähr 16 Jahren. Doch auch mental passiert was: «Eltern sollten sich bewusst sein, dass sich das Verhalten des Kindes in dieser Zeit stark ändern kann», bestätigt Florian Huggler von der Erziehungsberatung des Kantons Bern. «Dabei kann es starke individuelle Unterschiede geben. Es gibt angepasste, zurückgezogene Jugendliche bis hin zu solchen, die massiv Grenzen überschreiten, wo fordernde Themen wie Alkohol, Drogen und Sexualität stark in den Vordergrund rücken», erläutert der Erziehungsberater weiter.

Die Entwicklungen im Hirn sorgen dafür, dass die Gefühlskontrolle der Pubertierenden teilweise ausser Rand und Band gelangen.  

Abschottung und Konflikte

Die Entwicklungen im Hirn sorgen dafür, dass die Gefühlskontrolle der Pubertierenden teilweise ausser Rand und Band gelangen.  Provokationen und Widersprüche sind an der Tagesordnung und die Achterbahn der Gefühle kann noch intensiviert werden durch erste sexuelle Erfahrungen. Das ist anstrengend, verunsichernd und verlangt den Jugendlichen sowie auch den Eltern, viel ab. Nebst den neurologischen Erklärungen für das Gefühlschaos gibt es aber noch einen ganz anderen, offensichtlichen Grund: Die Jugendlichen müssen ihren eigenen Weg finden: «Konflikte dienen auch zur Abgrenzung von den Eltern», so Florian Huggler. Dabei lernen die Heranwachsenden Wichtiges wie das Nein-sagen. Der Erziehungsberater und Schulpsychologe empfiehlt weiter: «Wenn das eigene Kind sehr angepasst ist, ist es wichtig, dass es ermutigt wird, auch eigene Wege zu gehen».

Es ist wichtig, möglichst ruhig zu bleiben und zu versuchen, ein Verständnis für das Kind zu entwickeln.

Experten empfehlen…

Beratungsstellen und Experten bieten online und offline Hilfe für überforderte Eltern. Florian Huggler gibt einige generelle Tipps: «Es ist wichtig, möglichst ruhig zu bleiben und zu versuchen, ein Verständnis für das Kind zu entwickeln. Wenn Eltern selbst konfrontieren und laut werden, dann führt das umso mehr zur Eskalation. Also: ruhig bleiben und gleichzeitig versuchen, die eigenen Einstellungen klar zu vertreten». Falls sich das Kind extrem abschottet, empfiehlt er, den Kontakt immer wieder zu suchen: «Manchmal geht das Aufbauen des Kontaktes einfacher, wenn man gemeinsam etwas unternimmt, anstatt gleich reden zu wollen». Ein Kontaktversuch durch eine andere nahestehende Person (zum Beispiel die Tante) könne manchmal helfen – oder allenfalls auch ein Besuch bei einer Fachstelle.

Ein gutes Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern ist unter anderem auch wichtig, um rechtzeitig erkennen zu können, wenn die emotionalen Nöte der Kinder Überhand nehmen. Denn psychische Erkrankungen wie Essstörungen, Depressionen oder Angststörungen häufen sich im Jugendalter. «Gerade Essstörungen haben oftmals mit dem Wunsch, bei den Gleichaltrigen gut anzukommen und um einem gewissen Bild zu entsprechen, zu tun», bestätigt Florian Huggler. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn im Kontrast zum Verhältnis zu den Eltern wird dasjenige zu Gleichaltrigen meist zentraler. Es ist für die Teenager überwiegend sehr wichtig, von ihren Gleichaltrigen akzeptiert zu werden und sich mit ihnen auszutauschen können.

Bestimmte psychosoziale Faktoren wie beispielsweise Mobbing, Gewalterfahrungen oder Trennung der Eltern können das Risiko zusätzlich erhöhen. Bei psychischen Erkrankungen ist es zwingend notwendig, rechtzeitig professionelle Hilfe zu holen.

Das Ganze dauert nicht ewig, ist mit vielen interessanten Lernprozessen verbunden und ergibt durchaus seinen Sinn.

Auch das geht vorbei

Jede Pubertät ist unterschiedlich, häufige Konflikte mit den Erziehungsberechtigen sind jedoch die Ordnung im Zimmer, der Handygebrauch oder auch die Kleidung.

Die gute Nachricht an überforderte Eltern: Das Ganze dauert nicht ewig, ist mit vielen interessanten Lernprozessen verbunden und ergibt durchaus seinen Sinn. Denn die eigenen Kinder werden unabhängiger, lernen viel Neues dazu, gehen ihre eigenen Wege und sind am Ende des Prozesses mit einem hocheffizienten Gehirn ausgestattet – viel leistungsfähiger, als es je war. Die Heranwachsenden entwickeln die Fähigkeit, abstrakt zu denken. Zusammenhänge zwischen Politik, Philosophie und Gesellschaft können verstanden werden und das Interesse an verwandten Themengebieten wächst. Langfristiges Planen und das Setzen von entsprechenden Zielen können nun eigenständig erledigt werden. Florian Huggler fasst zusammen: «Ruhig bleiben, probieren, das auszuhalten und sich darauf freuen, dass es irgendwann dann auch wieder vorbei geht».

Text: Antonia Vogler

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