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5 Juli 2020

5 Mythen zur Intimhygiene.

Über das Thema Sex wird oft und gern gesprochen. Geht es um die Intimgesundheit, bleiben die meisten still. Dabei gibt es so einiges, das Frauen über die Intimhygiene wissen sollten. Höchste Zeit mit gängigen Irrtümern aufzuräumen. 

Die Schönheitsindustrie hat eine neue Problemzone erkoren: die Vagina. Immer mehr Produkte und Beauty-Behandlungen widmen sich der Reinigung, Pflege und Verjüngung des weiblichen Genitals. Der letzte Schrei: Vaginal Steaming – ein Dampfbad für die Scheide. Die Methode wurde dank Schauspielerin Gwyneth Paltrow zum regelrechten Trend. Doch sind solche Schönheitskuren für eine gesunde Intimhygiene wirklich notwendig? 

Viele Frauen sind in Sachen Intimgesundheit falsch informiert, bestätigt Zuzana Kaplan, Gynäkologin aus Zürich. Hier sind fünf weit verbreitete Mythen, die Aufklärung bedürfen.

Die Vagina muss komplett gereinigt werden

Wer sauber sein will, soll seine Vagina komplett von Innen ausspülen – so der gängige Glaube. «Ein klassischer Irrtum», sagt Zuzana Kaplan. Die Vagina ist selbstreinigend. Das Auswaschen ist nicht nur unnötig, sondern kann sogar negative Folgen mit sich bringen:  «Sogenannte Vaginalduschen bergen das Risiko, dass die wichtigen Milchsäurebakterien weggeschwemmt werden und so die Vaginalflora ins Ungleichgewicht gebracht wird.» Übermässiges Reinigen kann eine Entzündung und andere Beschwerden auslösen.  

Intimlotionen sind das A und O einer richtigen Pflege

Vom Intim-Waschgel bis zum Deo für die Scheide – Beauty-Marken vermitteln den Eindruck, es sei unhygienisch und unattraktiv, sich untenrum nicht mit speziellen Produkten zu reinigen. Doch auch davon ist gemäss Frauenärztin abzuraten: «Wenn die Haut gesund und das vaginale Ökosystem intakt ist, braucht es keine besondere Intimlotion. Ein mildes, pH-neutrales Duschgel und Wasser reichen aus.» Den äusseren Intimbereich (Vulva) einmal pro Tag zu waschen sei mehr als genug. Wer hierfür einen Lappen benutzt, sollte diesen nach jedem Waschgang wechseln. 

Milchsäuretabletten sorgen für eine gesunde Vagina

Die Milchsäurebakterien, auch Lactobazillen genannt, sorgen in der Vagina für eine gesunde Flora und damit für einen wirkungsvollen Schutz gegen Infektionen. In der Werbung werden deshalb gerne Milchsäuretabletten angepriesen. Aber bringen die etwas? «Milchsäuretabletten benutzen wir oft im Zusammenhang mit vaginalen Entzündungen. Wenn man keine Beschwerden hat, braucht es das nicht.» Eine Überdosierung von Milchsäurebakterien ist übrigens nicht möglich. Dennoch,  Kaplan rät davon ab, unnötig Tabletten einzunehmen.  

Ausgerechnet die Entfernung der Schamhaare führt zu vielerlei Problemen. Die Haare sind nämlich dazu da, die Haut vor dem Austrocknen zu schützen.

Intimbehaarung ist unhygienisch und eklig

Die Intimrasur hat sich in unserer Gesellschaft fest verankert. Gemäss einer aktuellen Umfrage der 20 Minuten erwarten 73 Prozent von 22 659 Teilnehmenden, dass sich der Sexualpartner die Sexualpartnerin im Intimbereich zumindest teilweise rasiert. Viele der Befragten gaben an, sie fänden dies hygienischer. Doch ausgerechnet die Entfernung der Schamhaare führt zu vielerlei Problemen. Die Haare sind nämlich dazu da, die Haut vor dem Austrocknen zu schützen. Frauenärzte haben in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg an Ekzemen und Schuppen festgestellt. «Ich kann jungen Frauen nicht empfehlen, sich nicht mehr zu rasieren. Das ist derzeit kulturell nicht umsetzbar. Alle rasieren sich.» Gerade deswegen ist es wichtig, die Intimzone regelmässig mit einer rückfettenden Creme einzusalben, betont Kaplan. «Am besten mit einer unparfümierten Creme oder einem natürlichen Öl. Das ist eine einfache Sache, die sehr viel bewirkt.» 

Ein Scheidenpilz entsteht durch mangelhafte Hygiene

Ein Scheidenpilz ist keine Seltenheit. Doch er wird fälschlicherweise häufig als Geschlechtskrankheit bezeichnet. Mit der Intimhygiene hat ein Pilz hingegen nichts zu tun, bestätigt Kaplan. «Die Vaginalflora besteht aus Bakterien, Pilzen und Viren. Sie ist also nicht keimfrei. Wenn das Ökosystem nicht ausgeglichen ist und der pH-Wert steigt, beginnen die Pilze zu wachsen.» Wer aufgrund einer Erkrankung Antibiotika einnimmt, ist übrigens besonders empfindlich für einen Scheidenpilz. «Das ist ein Klassiker. Man kriegt ein Antibiotikum für eine Ohrenentzündung und plötzlich juckt es unten. Das heisst, das Antibiotikum hat auch die Milchsäurebakterien wegbehandelt.» Zwar ist ein Scheidenpilz unangenehm, in der Regel aber einfach zu behandeln. 

Scheidenpilz dank öffentlicher Toilette

Kann ich mir auf der öffentlichen Toilette einen Scheidenpilz holen? Mit dieser Frage wird Kaplan öfters konfrontiert. Die Antwort: ein klares Nein. «Einen Pilz oder Virus kann man so unmöglich auflesen. Einerseits überleben diese Organismen nicht auf einer Klobrille, andererseits dient eine gesunde Vaginalflora als Schutzbarriere.» 

Ein Scheidenpilz ist keine Seltenheit. Doch er wird fälschlicherweise häufig als Geschlechtskrankheit bezeichnet.

Was muss man sonst noch wissen? 

Zur Intimhygiene gehört auch die richtige Wahl und Reinigung der Unterwäsche dazu. Unterhosen sollten beispielsweise immer bei 60 Grad gewaschen werden, um Bakterien abzutöten und Infektionen vorzubeugen. Ausserdem sollten Frauen auf Unterwäsche aus helleren Stoffen setzen, sagt Kaplan. Die dunkle Unterwäsche beinhalte Farbstoffe, die im Intimbereich zu Irritationen führen können. Genauso können String-Tangas durch die Reibung des Stoffs Hautekzeme auslösen. Zwar sind «Oma-Schlüpfer» ungern gesehen, für die Intimgesundheit sind sie jedoch von Vorteil. 

Text: SMA

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