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8 Dezember 2019

Marc Sway: «Die besten Feste finden in der Küche statt».

Marc Sway ist für seine unverkennbare Stimme und brasilianische Rhythmen bekannt. Dieses Jahr hat der Soul- und Pop-Sänger Neuland betreten und seine erste Filmrolle übernommen. Wen er dabei verkörpert und wo man ihn diesen Winter antrifft, hat er im Interview verraten.

Marc Sway, die Tage werden kürzer und kälter. Haben Sie die Saison schon mit einem Raclette eingeläutet?

Ich versuche jedes Jahr, einmal mitten im Sommer ein Raclette zu machen. Dabei veranstalten wir eine Grillade und holen den Racletteofen hervor. Es ist doch etwas vom Schönsten, etwas dann zu machen, wenn man es am meisten vermisst. Das ist wie grillieren im Winter, diese Tradition haben wir auch. Also ja, ich habe die Raclette-Saison bereits im Sommer eingeläutet.

Was darf bei Ihnen beim Raclette auf keinen Fall fehlen?

Beim Raclette gehört für mich immer Ziger zu den Kartoffeln. Darüber scheiden sich die Geister. Meine Frau liebt Senffrüchte, das ist das Einzige, was ich gar nicht mag.

Worauf freuen Sie sich in dieser kalten Jahreszeit besonders?

Ich freue mich grundsätzlich auf all vier Jahreszeiten, die wir glücklicherweise in der Schweiz haben. Jetzt, im Spätherbst wird das Licht anders und ich finde es faszinierend, wie man hier, im Gegensatz zu meiner Zweitheimat Brasilien, die Jahreszeiten wirklich erleben kann.

Inspirieren Sie die Jahreszeiten auch musikalisch?

Ja, im Winter ist alles etwas langsamer und träger als im Sommer. Als Musiker, der sich vom Alltag und Leben inspirieren lässt, haben die Jahreszeiten Einfluss auf mein Gemüt und damit auf die Art und Weise, wie meine Songs entstehen. 

Sie haben in Arosa Skifahren gelernt. Wo lernen es Ihre beiden Töchter?

Sie haben tatsächlich ihre ersten Versuche wie ich in Arosa gemacht. Ich persönlich stand mit drei Jahren zum ersten Mal auf Skiern. Bei meinen Kindern ist es etwas später geworden, weil es hilft, wenn sie etwas Kraft in den Beinen haben. 

Sind dieses Jahr Skiferien geplant? 

Ja, wir haben Freunde, die ein Haus in Arosa haben. Die besuchen wir sehr gerne. Das gehört sicher einmal im Jahr dazu.

Haben Sie neben dem Skifahren schon andere Winteraktivitäten ausprobiert?

Ich möchte schon sehr lange einmal Langlauf ausprobieren, das steht auf meiner Bucketlist. Vielleicht komme ich es ja diesen Winter dazu.

In einer Woche spielen Sie zur Saisoneröffnung in Samnaun. Reicht die Zeit des Aufenthalts auch noch für die Piste oder Après-Ski?

Die Schwierigkeit unseres Berufes ist, dass wir ganz oft einen Tag davor und danach ebenfalls Auftritte haben. Ich erinnere mich an das letzte Winterfestival «Live is Life» in Arosa / Lenzerheide. Einen Tag nach dem Auftritt mussten wir zurück ins Unterland, nur um wiederum einen Tag später wieder zurückzufahren. Greta hätte keine Freude daran gehabt, doch es war nicht anders lösbar. Das passiert leider viel zu oft. 

Sie gelten als einer der besten Schweizer Livekünstler. Was macht Ihnen mehr Spass – das Performen vor grossem Publikum oder in einer kleinen Dorfbar? 

Es hat beides seinen Reiz. Ich glaube, das Grösste für einen Musiker ist es, auf der Bühne zu stehen und alles rundherum zu vergessen. Wir nennen das «wenn Magie entsteht». Manchmal entsteht Magie vor einer einzelnen Person und manchmal entsteht sie vor zehntausenden von Menschen. Vor einem grossen Publikum zu spielen ist vergleichbar mit einem breiteren Pinsel auf einer grossen Leinwand. Wenn man in einem kleinen Klub ist, dann hat man einen kleinen Pinsel und skizziert anders. Bereits rein physikalisch ist ein Unterschied zu spüren.

Erinnern Sie sich an das erste Mal auf der Bühne, als Sie diese Magie gespürt haben?

Ich konnte mir mit 16 Jahren meinen grossen musikalischen Jugendtraum erfüllen. Ich durfte mit einer brasilianischen Gruppe am Montreux Jazz Festival auftreten. Es waren circa 17 Musiker auf der Bühne. Dort habe ich diese Magie zum allerersten Mal in dieser Form gespürt und wusste, dass ich sie nie mehr missen möchte.

Welcher Ihrer Songs kommt beim Publikum jeweils am besten an?

Von den alten Songs ist es ganz klar «Severina». Es gibt kein Konzert, an dem es nicht gespielt wird. Die Konzertbesucher rufen richtig danach. Daneben gibt es jedoch auch ganz neue Songs, die sich zu perfekten Livesongs mausern. 

Welche sind das aktuell?

Das Publikum liebt den Song «Curious» vom neuen Album, obwohl wir diesen gar nicht auf dem Radar hatten. Auch «Way Back Home» ist ein Song, der auf besondere Art berührt. 

Im Film «Eden Einfach» sind Sie in Ihrer ersten Filmrolle als Paolo Cesar zu sehen. Was haben Sie und er gemeinsam?

Paolo Cesar ist wie ich Musiker und Halbbrasilianer. Trotzdem musste ich mich daran gewöhnen, in eine Rolle zu schlüpfen und vor der Kamera zu stehen. Die Kamera ist gnadenlos – sie nimmt jede noch so kleine Bewegung auf und ich musste lernen, meine Mimik zu kontrollieren.

Wann ist die Veröffentlichung geplant?

Der Film wird jetzt geschnitten. Sicher im nächsten Jahr, aber ob es Frühling oder Herbst wird, weiss man noch nicht.

Werden Sie jetzt vermehrt in Filmen zu sehen sein?

Das habe nicht ich zu entscheiden. Das entscheidet das Publikum und alle Leute, die Filme machen (lacht).

Sie leben mit Ihrer Frau und Ihren zwei Töchtern zusammen. Wer hat zuhause das Sagen?

Wie in jeder normalen Familie auf der ganzen Welt – ganz klar die Frau (lacht).

Wir haben einmal versucht, einen Weihnachtsbaum nach Brasilien mitzunehmen. Dieser blieb dann aber leider am Zoll hängen.

In Ihrem Zuhause steht ein drei Meter langer Tisch. Wer wird an Weihnachten dort zu Gast sein?

Der ist zwischen Weihnachten und Neujahr praktisch immer voll mit Familie und Freunden – wir haben ein sehr offenes Haus. Die besten Feste finden immer in der Küche statt, das ist unser Motto. 

Was fehlt in der Weihnachtszeit bei Ihnen und Ihrer Familie nie?

Ein Weihnachtsbaum! Ich streite jedes Jahr mit meiner Frau, weil ich das Gefühl habe, dass wir viel zu viel Weihnachtsschmuck haben. Weihnachtsschmuck wird zum Handtaschenersatz für Frauen. Es wird jedes Jahr mehr und nimmt viel Platz in unserem Keller ein.

Erinnern Sie sich noch, was letztes Jahr an Weihnachten unter dem Baum lag?

Ja, die handgefertigte Krippe meiner Schwiegermutter ist immer dort. Diese hat Tradition. Natürlich waren auch Geschenke darunter. Wir versuchen immer, die Anzahl ein wenig in Schach zu halten. Das ist zwar schwierig, doch lohnt sich.

Schreiben Ihre Töchter einen Wunschzettel oder wie äussern sie ihre Wünsche?

Ja, wir leiten diesen dann jeweils an den «Samichlaus» und das «Christchindli» weiter.

Und wer bringt die Geschenke?

Natürlich das «Christchindli»! 

Was steht dieses Jahr auf den Wunschzetteln Ihrer Töchter? 

Momentan halten sie sich noch zurück, doch die Liste kommt bestimmt noch.

Haben Sie Weihnachten schon einmal in Brasilien gefeiert?

Ja, wir haben sogar einmal versucht, einen Weihnachtsbaum nach Brasilien mitzunehmen. Dieser blieb dann aber leider am Zoll hängen, da er nicht importiert werden durfte. Das Bild meiner Eltern mit einem Weihnachtsbaum am Zoll ist mir geblieben. In Brasilien ist zu Weihnachten die heisseste Zeit. Dort sieht man dann den Weihnachtsmann in kurzen Hosen. Es muss der Horror sein, bei solchen Temperaturen in einem Kostüm zu stecken.

Welche brasilianischen Traditionen fehlen Ihnen in der Schweiz?

Ich denke eher, die Traditionen von hier fehlen mir in Brasilien. Ich liebe es definitiv, Weihnachten hier in der Schweiz im Schnee zu feiern. Das passt besser zu Weihnachten als 40 Grad.

Was wünschen Sie sich von und für die Schweiz zu Weihnachten?

Mehr Offenheit, Toleranz und weniger Angstmacherei. Nichts auf der Welt funktioniert langfristig auf der Basis von Angst. Ich wünsche mir von gewissen Parteien mehr Anstand in der Art und Weise, wie sie kommunizieren. Jeder darf seine eigene Meinung vertreten, doch sie müssen nicht übers Ziel hinausschiessen und Angst schüren. Diese Strategie ist nicht nachhaltig. 

Entweder oder

Fondue oder Raclette?
Raclette!

Zimtstärn oder Mailänderli?
Mailänderli! Davon kann man viel mehr essen, bevor einem schlecht wird. Das weiss ich aus eigener Erfahrung.

Skiferien oder Strandurlaub?
Beides hat seinen Reiz. Manchmal verlangt mein Körper nach Wärme, doch ich geniesse die Berge und unsere wunderschöne Natur ebenso.

Glühwein oder Punsch?
Glühwein!

Christmas-Shopping im November oder Dezember?
Es ist amüsanter im Dezember! Dann kann man am 24. alle verzweifelten Männer beobachten, welche wie verscheuchte Rehe in der letzten Minute für ihre Frauen noch Geschenke suchen.

Ugly Christmas Sweater oder schicker Anzug?
Mir gefällt die Tradition, mit eleganter Kleidung einem Anlass noch mehr Gewicht zu verleihen. Ich kann mich erinnern, wenn jeweils sonntags die italienischen Familien in ihren besten Kleidern vorbeiliefen und so dem Sonntag wertvoller machten. Am Tag nach dem Weihnachtsfest darf es aber ruhig etwas gemütlicher sein.

Weihnachtsgeschenke gekauft oder selbst gemacht?
Wenn jemand richtig basteln kann, da kriege ich gerne etwas Selbstgemachtes. Bei denen, die das nicht können, freue ich mich auch über ein gekauftes Geschenk.

Interview: Miriam Dibsdale, Bilder: Jonathan Heyer

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