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Zürich
28 März 2020

Fabienne Wernly schwelgt im Mutterglück.

Als ihr Sohn Emilio im Februar zur Welt kam, verabschiedete sich die Energy-Moderatorin Fabienne Wernly in den Mutterschaftsurlaub. Nach einem halben Jahr Pause ist die frischgebackene Mutter wieder zurück hinter dem Mikrofon und blickt im Interview auf die ersten Monate mit ihrem Sohn zurück

Es ist ein sonniger Herbsttag, an dem ich Fabienne Wernly zum Interview treffe. Doch sie ist nicht dem Wetter entsprechend gut gelaunt, sondern wirkt aufgelöst. 

Fabienne Wernly, ist alles in Ordnung?

Ich stehe gerade ein wenig unter Schock. Beim Aussteigen aus dem Bus sind die Kinderwagenräder zwischen Bordstein und Fahrzeug gerutscht und dort stecken geblieben. Glücklicherweise kamen mir andere Passagiere zur Hilfe. Emilio hat von allem nichts mitbekommen und friedlich weitergeschlafen.

Sind Passanten immer so hilfsbereit, wenn Sie mit dem Kinderwagen im ÖV unterwegs sind?

Nein, ich musste sogar schon mehrmals eine Station weiterfahren als geplant, weil mir keiner beim Aussteigen geholfen hat. Auch stört es mich, wenn jemand darauf beharrt, dort auszusteigen, wo ich mit dem Kinderwagen stehe, und drängelt, obwohl andere Ausgänge frei wären. Leider fährt Emilio überhaupt nicht gerne Auto, deshalb bin ich oft mit Tram und Bus unterwegs. 

Wie zeigt er seinen Unmut übers Autofahren?

Er schreit, als würde man ihm ein Bein absägen. Sobald wir anhalten und aussteigen, lacht er aber wieder. Er ist eine kleine Dramaqueen.

Seit drei Monaten arbeiten Sie an zwei Tagen pro Woche. Haben Sie sich gefreut, die Morgenshow wieder zu moderieren?

Vor dem ersten Arbeitstag wurde ich sehr emotional und musste ein Tränchen vergiessen, weil mir der Abschied von Emilio so schwer viel. Doch ich gewöhnte mich schnell an die Umstellung und geniesse es, wieder zu arbeiten. Gleichwohl freue ich mich über die drei Tage, die ich weiterhin mit meinem Sohn zuhause verbringen darf. Dann bin ich jedoch jeweils froh, wenn mein Mann Lucio abends heimkommt und ich ihm den Kleinen in die Arme geben kann.

Mein Sohn ist eine kleine Dramaqueen.

Fabienne Wernly
Sie stehen als Moderation in der Öffentlichkeit und zeigen Ihren Sohn auch auf Social Media. Wie findet Ihr Mann das, der selbst weniger aktiv ist?

Anfangs war Lucio dagegen, ihn zu zeigen und ich eher dafür. Mittlerweile ist er in dieser Hinsicht sehr offen geworden und möchte die Fotos einfach vor der Veröffentlichung sehen. Was ich nicht wollte, war eine Zensur mit Emojis auf den Bildern. Ich fand es auch übertrieben, ihn nur von hinten zu zeigen und ein grosses Geheimnis um sein Gesicht zu machen. Ich bin nicht Roger Federer, so interessant ist mein Leben nicht. Die sozialen Medien widerspiegeln unsere Gesellschaft und zu dieser gehören nun mal Kinder. Ich würde aber nie ein Foto von ihm ins Internet stellen, das ihn in einer peinlichen Situation oder sogar nackt zeigt. Ich möchte nicht, dass man sich über ihn lustig machen kann – auch wenn ich natürlich viele witzige Fotos von ihm habe. Alltägliche Situationen zeige ich jedoch gerne, er gehört schliesslich zu meinem Leben und dieses ist Teil der Öffentlichkeit.

Spüren Sie in der Schweiz, dass die Kinder zur Gesellschaft gehören?

Ehrlich gesagt, fehlt mir hier oft das Verständnis für Kinder. Viele fühlen sich von ihnen genervt. In Zürich kenne ich nur wenige kinderfreundliche Cafés und Restaurants. Man muss fast Insidertipps erhalten, um zu wissen, wo man mit Kind freundlich empfangen wird. Früher ist mir das gar nicht aufgefallen, doch nun habe ich festgestellt, dass Zürich nicht wahnsinnig kinderfreundlich ist.

Sie leben mit Ihrem Mann, Kind und Hund in einem Einfamilienhaus – haben Sie sich Ihr Leben schon immer so ausgemalt? 

Tatsächlich standen drei dieser Dinge schon immer auf meiner Bucketlist. Einzig ein eigenes Haus war nie wirklich ein Traum von mir. Ich habe es aber immer als das grösste Glück angesehen, mit Kind und Mann glücklich zusammenzuleben. 

Wie hat Eure Hündin Grace auf den Familienzuwachs reagiert?

Anfangs war sie sehr beschützerisch. Seit er krabbelt und auf sie zukommt, hat sich das etwas geändert. Sie hat auch schon in die Luft geschnappt. Unterwegs ist sie aber noch immer ganz klar seine Beschützerin und passt auf ihn auf. Nur zuhause möchte sie dem neuen Familienmitglied zeigen, wer der Rudelführer ist.

Ich bin nicht Roger Federer, so interessant ist mein Leben nicht.

Fabienne Wernly
Haben Sie keine Angst, dass da eventuell doch mal etwas passieren könnte?

Doch, immer ein bisschen mehr. Früher habe ich Emilio auch kurz mit ihr alleine gelassen. Jetzt, wo er krabbelt, bin ich wirklich immer dabei, um aufzupassen.

Sie haben im letzten Dezember standesamtlich geheiratet. Folgt irgendwann ein grosses Fest?

Ja, das ist eigentlich geplant. Ursprünglich wollten wir 2020 heiraten, doch nun wird es frühestens 2021 so weit sein. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen kostet ein solches Fest viel Geld. Zum anderen hapert es bereits bei der Einladungsliste. Es sind zu viele Leute darauf und wir können uns nicht entscheiden, wen wir streichen sollen (lacht). Deshalb vertagen wir das immer wieder. Ausserdem möchte ich am grossen Hochzeitsfest auf keinen Fall erneut schwanger sein, da ich schon zivil schwanger geheiratet habe. 

Welche Eigenschaften haben Sie an Ihrem Mann überzeugt, dass Sie bei seinem Antrag sofort Ja gesagt haben?

Es hört sich vielleicht blöd an, aber es ist wirklich alles an ihm positiv. Er ist ein herzensguter Mensch und hat eine reine Seele, das habe ich von Anfang an bemerkt. Er ist sehr verständnisvoll, auch mir gegenüber – ich bin nicht immer die Einfachste. Aber natürlich hat auch er seine Macken. Er ist ein bisschen chaotisch und hat die Zeit nicht im Griff, doch das sind nur Kleinigkeiten. 

Für Ihr Kind haben Sie bestimmt viele Sachen angeschafft. Welches war die beste Investition?

Am öftesten haben wir, neben dem Kinderwagen und dem Windeleimer, die Babytrage benutzt. Sie war am Anfang wirklich Gold wert, weil er nicht in den Wagen wollte – in der Tragehilfe ist er hingegen immer sofort eingeschlafen.

Welcher Artikel war nutzlos?

Die Babywippe haben wir zu spät angeschafft. Vielleicht hätte er diese gemocht, als er kleiner war. Was es auch nicht gebraucht hätte, sind so viele Spielsachen, da er meistens Alltagsgegenstände spannender findet. Er liebt Fernbedienungen. Ich würde auch nicht mehr gleich viele Kleider kaufen, weil Kinder am Anfang äusserst schnell wachsen, da lohnt es sich mehr, ein wenig öfters zu waschen.

Welche Familienrituale haben sich schon eingependelt?

Davon gibt es viele! Wir versuchen, ihn jeden Abend gemeinsam ins Bett zu bringen. Dafür baden wir Emilio, geben ihm die Flasche, singen am Bettchen und streicheln ihn bis er einschläft. Es ist das Schönste, ihn zu beobachten, wie er sich langsam ins Traumland verabschiedet. 

Mit gerade einmal vier Wochen hat Emilio das Rotavirus eingefangen und musste ins Krankenhaus. Wie hat sich das gezeigt und war das ein grosser Schock?

Ich war an besagtem Tag sogar noch froh, dass es mit dem Drei-Stunden-Rhythmus zu klappen schien und er wenig weinte. Doch abends stutzte ich, als er sich nach drei Stunden nicht zum Stillen gemeldet hatte. Dann haben wir seine Stirn befühlt und ihm Fieber gemessen. Er hatte 39.1 Grad – wir standen total unter Schock und fuhren direkt mit ihm ins Kinderspital. Die Ärzte vermuteten zuerst eine Hirnhautentzündung. Doch als er Durchfall bekam, war klar, dass diese Diagnose falsch war und es sich um das Rotavirus handelte, eine zum Glück nicht tödliche Krankheit, die sich gut behandeln liess. 

Hat Sie die Krankheit verunsichert?

Ich war schon vorher eine Person, die sehr viel Wert auf Hygiene gelegt hat. Das hat sich danach noch verstärkt. Alle Besucher, die mit ihm in Kontakt kamen, mussten sich die Hände waschen. Mittlerweile hat er aber schon seine zweite Krankheit durch, einen grippalen Infekt, welchen er gut überstanden hat. Nun bin auch ich wieder etwas lockerer geworden. 

Fabienne Wernly, bitte vervollständigen Sie die Sätze…

Am besten entspanne ich mit… Baden!

Am Herbst mag ich… alles! Die bunten Blätter, das warme Licht, den frischen Marroniduft und die saisonalen Gerichte. Der Herbst ist wirklich meine Lieblingsjahreszeit.

Nicht stoppen kann ich bei der Serie… Stranger Things. Ich mag viele, denn ich bin ein Netflix-Junkie, doch diese ist momentan meine absolute Lieblingsserie.

Das letzte Mal ausgeschlafen habe ich… vor Emilios Geburt.

Meine Familie… ist für mich das Schönste auf der Welt.

Ich bin stolz auf… Emilio und seine Entwicklung!

Zuletzt gelacht haben wir über… Emilio, als er am Tisch sass und etwas erzählte. Ich muss jeden Tag über ihn lachen. Er ist wirklich sehr unterhaltsam.

Ohne meinen Mann… ist es manchmal auch schön (lacht laut).

Emilio hat mir gezeigt,… was bedingungslose Liebe ist.

Ein zweites Kind… ist bereits geplant. Die Frage ist nur noch wann. Ich wäre auch nur mit Emilio glücklich, aber wir wünschen uns ein Geschwisterchen für ihn.

Am Muttersein hat mich am meisten überrascht,… was die Mütter wirklich leisten. Ich habe immer gedacht: «Ein Mami ist ein Mami, schön, jeder hat eins». Aber nein, was man da leistet ohne Gegenleistung, das finde ich bewundernswert.

In 20 Jahren… ist die ganze Familie hoffentlich gesund, die Pubertät ohne zu grosse Strapazen überstanden, Emilio steht glücklich im Leben und ich sehe noch immer gleich aus wie vor 20 Jahren.

Interview: Miriam Dibsdale

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