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Zürich
9 August 2020

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – eine Herausforderung für alle.

Mütter sehen sich oft mit der Wahl zwischen Karriere und Kindern konfrontiert. Dabei wäre die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein Problem, wenn Mütter, Väter und Wirtschaft am selben Strang ziehen würden.

Über die Hälfte der Mütter mit Kindern im Alter von null bis zwölf arbeiten gar nicht oder nur Teilzeit. Währenddessen arbeiten über 80 Prozent der Väter mit Kindern im selben Alter Vollzeit. Diese Erkenntnisse des Bundesamtes für Statistik zeigt eine hohe Diskrepanz auf, die die konservative Rollenverteilung der Geschlechter in der Schweiz widerspiegelt. Dies scheint die Schweizer Frauen vor die Wahl zu stellen: Karriere oder Familie? Mütter müssen zuhause bleiben, obwohl sie arbeiten möchten, während Väter kaum Zeit mit ihren Kindern verbringen können. Keine optimale Lösung für die Familie also. Tatsächlich ist es auch keine optimale Lösung für die Wirtschaft. Denn der Schweizer Wirtschaftsstandort sorgt sich immer mehr über den zukünftigen Mangel an Fachkräften. Hoch qualifizierte Mütter, die in tiefen Arbeitspensen oder gar nicht tätig sind, könnten diesem Mangel entgegenwirken. Wie diverse Studien nachweisen, würden Mütter gerne mehr arbeiten. Vorausgesetzt sie finden attraktive Betreuungsangebote für die Kinder.

Und da liegt die grosse Herausforderung, die überwunden werden muss. Von der Familie ebenso wie von den Arbeitgebern und der Gesellschaft: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ein Potenzial, diesem Mangel entgegenzuwirken, sind die vielen, hoch qualifizierten Mütter.

Mangelnde Betreuung

Es herrscht ein gewisser Mangel an Betreuungsangeboten. Kinderkrippen und Tagesschulen sind rar. Wenn eine Familie doch einen der umstrittenen Plätze erhält und die Mutter arbeiten kann, verschwindet das zusätzlich verdiente Geld oft in der Finanzierung der Krippe. Die Plätze sind teuer und als Resultat können es sich viele Familien erst gar nicht leisten, die Kinder in eine Drittbetreuung zu übergeben. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern, müsste man dieses Angebot sowohl quantitativ als auch qualitativ ausbauen. Für Familien mit Kindern, die bereits zur Schule gehen, ist es auch von Vorteil, wenn die Schule mit Blockzeiten arbeitet, sodass sie mit den Arbeitszeiten vereinbar ist.

Eine andere Weise, diese Probleme zu lösen, sind Betreuungsangebote vom Arbeitgeber selbst. Dazu haben sie Anreize, da sie attraktiver in einem umstrittenen Arbeitsmarkt werden und da Mütter bei ihnen höhere Prozente arbeiten können. In der Tat gibt es vieles, das der Arbeitgeber unternehmen kann, um seine Mitarbeiter in ihrer Work-Life-Balance zu unterstützen.

Eine andere Weise, diese Probleme zu lösen, sind Betreuungsangebote vom Arbeitgeber selbst.

Familienfreundlichkeit

Familienfreundliche Arbeitsbedingungen in Unternehmen spielen eine überaus wichtige Rolle zur Unterstützung einer Familie. Homeoffice erweckt die Hoffnung auf ein besseres Management von Arbeit und Kinder. Jedoch sehen es Arbeitgeber nicht gern, wenn man während der Arbeitszeit auch noch auf die Kleinen aufpasst. «Allenfalls ist die Frage der Kinderbetreuung bei Homeoffice mit dem Arbeitgeber bereits vertraglich geregelt», erläutert Tonia Villiger, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Zürich. «Ob ein totales Verbot der Kinderbetreuung zulässig wäre, ist aus meiner Sicht fraglich, insbesondere bei freier Arbeitszeiteinteilung. Wenn keine Regelung besteht, findet die Kinderbetreuung da ihre Grenzen, wo es die geschuldete Arbeitszeit oder die Arbeitsqualität beeinträchtigt. Auf die gesetzlich vorgesehenen Pausen und Ruhezeiten haben die Arbeitnehmenden aber auch bei Homeoffice Anspruch.»

Jobsharing

Die Gelegenheit, Teilzeit zu arbeiten, hilft der familiären Situation natürlich. Dabei sollte diese Option allerdings nicht nur den Müttern zur Verfügung gestellt werden, sondern auch den Vätern. So können die Eltern nämlich den Haushalt und dessen Finanzierung untereinander aufteilen. An manchen Tagen kann der Vater auf die Kinder aufpassen, an anderen die Mutter und ein- oder zweimal in der Woche kann das Kind in die Kinderkrippe gebracht werden. Dies ist ein Beispiel eines möglichen Modells, das für eine gute Verträglichkeit von Beruf und Familie sorgt.

Oft ist es jedoch so, dass es gerade bei hochqualifiziertem Personal und Kaderstellen schwierig wird, das Pensum zu kürzen. Und falls gekürzt wird, heisst dies auf diesen Positionen oft lediglich weniger Lohn bei gleichbleibendem Aufwand. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, bietet das sogenannte Jobsharing. Dabei können zwei Mitarbeiter die Stelle mit einem 60 Prozent-Pensum besetzen. Dabei erhält der Arbeitgeber sogar mehr als 100 Prozent Einsatz auf dieser Stelle und die jeweiligen Mitarbeiter haben so mehr Zeit für ihre Familien.

Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, bietet das sogenannte Jobsharing.

Wie zu Beginn bereits erwähnt, arbeiten jedoch über 80 Prozent der Väter in der Schweiz Vollzeit. Dabei ist seit einigen Jahren keine Änderung erkennbar. Dabei ist es wichtig, dass sowohl Männer als auch Frauen Beruf und Familie miteinander verbinden können.

Urlaub als Start in einen neuen Lebensabschnitt

Ein Weg, diese Veränderung zu erbringen, kann die Einführung eines Vaterschaftsurlaubes sein. Eine internationale Studie zeigt auf, dass mehr Väter Teilzeit arbeiten, je länger der Vaterschaftsurlaub dauert. Wenn ein Vater die ersten Wochen zuhause bleibt und seiner Frau beiseite steht, gewöhnt er sich an die Rolle, sodass es später selbstverständlicher für ihn ist, die Hausarbeit zu teilen.

In der Schweiz ist ein Vaterschaftsurlaub nicht im Gesetz verankert, jedoch bieten manche Firmen zwei Wochen an.

Damit Mütter erfolgreich zur Wirtschaft beitragen und aus ihrer Rolle herauskommen können, besteht also in vielen Bereichen noch Nachholbedarf. Und nicht nur bei Müttern, sondern auch bei Vätern, sodass diese sich an eine neue Rollenverteilung gewöhnen und die Verbindung Arbeit und Familie für alle Parteien – Mütter, Väter, Kinder und Arbeitgeber – optimal gestaltet werden kann.

Text: Simon Misteli

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