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Zürich
28 März 2020

Kinder zu Wort kommen lassen.

«Kinder an die Macht», sang Herbert Grönemeyer vor Jahren im gleichnamigen Lied und forderte: «Gebt den Kindern das Kommando» und «die Welt gehört in Kinderhände».


Katja Schönenberger, Direktorin Pro Juventute

In den letzten hundert Jahren hat sich das Kindsein in der Schweiz grundlegend gewandelt. Früher wurden Kinder als Eigentum der Eltern betrachtet. Das führte dazu, dass sie oftmals wehrlos waren und missbraucht wurden. Erst im 20. Jahrhundert begann sich das Bewusstsein durchzusetzen, dass Kinder besonderen Schutz benötigen. Inzwischen werden ihnen eigene Rechte zugestanden und ihr Wohl in den Vordergrund gestellt. Am 20. November vor dreissig Jahren wurde die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes verabschiedet. 1997 hat auch die Schweiz die UNO-Kinderrechtskonvention unterschrieben und sich verpflichtet, die Umsetzung zu garantieren.

Obwohl diese also auch in der Schweiz gilt, besteht bei der Umsetzung Handlungsbedarf. Beispielsweise ist in der Schweiz die Körperstrafe in der Familie nach wie vor nicht explizit verboten. Auch wenn man die Rechte der Kinder nicht so absolut betrachtet wie Herbert Grönemeyer, gibt es in der Schweiz viele Ansatzpunkte, um die Rechte der Kinder besser durchzusetzen. Kinder sollen zum Beispiel ihre Bedürfnisse viel öfter formulieren können, angehört werden und mitbestimmen dürfen. 

Um sich zu entfalten, brauchen Kinder Zeit und Raum zum Spielen, zum Ideen aushecken, um auf Entdeckungsreisen zu gehen. 

Katja Schönenberger, Direktorin Pro Juventute

Im Artikel 12 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes wird die Meinungsäusserung des Kindes festgehalten. Wie viel Mitbestimmung steht Kindern in der Familie zu? Wie gross muss das Mitspracherecht in der Schule sein? Und wie stark sollen Kinder mitplanen dürfen, wenn es um die Gestaltung von Spiel- und Pausenplätzen geht? Pro Juventute hat auf der Basis der Kinderrechte eine klare Haltung: Um sich zu entfalten, brauchen Kinder Zeit und Raum zum Spielen, zum Ideen aushecken, um auf Entdeckungsreisen zu gehen. Freie Zeit, ohne Leistungsdruck und Aufsicht, ist für die Entwicklung notwendig.

Doch die Räume sind eng geworden. Der Verkehr nimmt viel Platz ein und bei der Planung von Städten und Gemeinden werden die Bedürfnisse der Kinder nicht oder zu wenig berücksichtigt. Es mangelt auch darum an kindgerechten Lebensräumen und Spielplätzen. Zusammen mit den Kindern gilt es, den Spielraum zurückzuerobern. Denn Kinder und Jugendliche brauchen für eine gesunde Entwicklung Freiräume und Mitspracherecht. 

Auch Eltern können die Rechte ihrer Kinder fördern, indem sie sich zum Beispiel Gedanken darüber machen, wie viel Mitbestimmung Sie Ihrem Kind in der Familie zugestehen möchten, oder sich in Eltern- Quartiervereinigungen engagieren, damit sie mitgestalten können, wie das Mitspracherecht ihrer Kinder in der Schule und in der Gestaltung des öffentlichen Raums aussehen soll. Das trägt dazu bei, dass die Anliegen der Kinder in der Gesellschaft bekannt sind und auf politischer Ebene Gehör finden.

Text: Katja Schönenberger

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