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Zürich
18 Februar 2020

Nachhaltige Weiterbildung.

Um zwei Themen scheinen Firmen heute nicht herum zu kommen: Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Während erstere Veränderungswellen losgetreten hat, hätte letztere eigentlich auch das Potential, die Weiterbildungslandschaft der Schweiz zu verändern. 

Gemäss dem Bundesamt für Statistik besuchten 2016 stattliche 62,5 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung zwischen 15 und 75 eine Weiterbildung. Weitere 10,2 Prozent verfolgten ein Lernziel selbstständig, lasen also beispielsweise jobrelevante Fachliteratur. Circa ein Drittel der ständigen Wohnbevölkerung im genannten Alter tat sogar beides. Die Schweizer, so scheint es, sind ein Volk lebenslang Lernender. 

Rasanter Wandel 

Dies ist auch notwendig, denn der Arbeitsmarkt verändert sich. Viele spüren: Wer sich nicht an Veränderungen anpasst, verliert. Ronald Schenkel, Leiter Kommunikation, Marketing und Dienste des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung (SVEB) konstatiert: «Weiterbildung ist heute bereits ein zentraler Faktor zum Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit und wird es in Zukunft noch stärker sein». Digitaler Wandel, Wissen mit sinkender Halbwertszeit und Arbeitsmarktverschiebungen seien nur mittels Weiterbildung zu bewältigen.

Ohne Weiterbildung keine Karriere?

Arbeitsmarktfähigkeit: Darunter wird das eigenverantwortliche Anpassen an die Arbeitsmarktanforderungen verstanden. Selbst wenn es im Job gut läuft, muss man sich weiterbilden; die nächste Jobsuche kommt bestimmt. Dies befeuert einen riesigen Weiterbildungsmarkt, fast täglich kommen Angebote hinzu. Experten schätzten das Angebot im Jahr 2014 auf satte dreitausend Anbieter (Schläfli/Sgier). «Da das Richtige zu finden, ist ein zeitintensives Projekt, das einem niemand abnehmen kann», so Michèle Rosenheck, Direktorin des Laufbahnzentrums Zürich. 

5-Jahres-Regel

Dieser Weiterbildungsdruck erzeugt auch Stress. Jene die es etwas gelassener sehen, orientieren sich an der sogenannten 5-Jahres-Regel. Michèle Rosenheck weiss, dass es potentielle Arbeitgeber nicht gerne sehen, wenn auf dem CV keine jobrelevanten Weiterbildungen im Verlauf der letzten fünf Jahre vorgewiesen werden. Es gelte zu zeigen, dass man engagiert ist. Auch gehe es darum, die eigenen Lernfähigkeiten zu erhalten und Bereitschaft zum Lernen zu zeigen.» Rosenheck warnt aber auch davor, wahllos Kurse zu besuchen: «Die Themen der Weiterbildung müssen für den Job relevant sein: Es gibt da den sogenannten Bildungstourismus. Wahllos irgendwelche Kurse zu besuchen, nur damit man Kurse besucht hat, hilft einem auch nicht weiter». 

Altes verschwindet, Neues entsteht

Der Wandel auf dem Arbeitsmarkt lässt neue Berufe entstehen, während andere sich verändern oder verschwinden. Dies gilt in vielfacher Hinsicht: Zum einen wird kräftig digitalisiert und automatisiert – dies ist vor allem bei körperlichen oder sehr repetitiven Tätigkeiten schon im vollem Gange. Der nächste Umwandlungsschub wird Rosenheck zufolge bald das mittlere Qualifikationsniveau betreffen: «Tätigkeiten und Berufe in der Administration, im Finanzwesen und im Verkauf werden sich verändern oder einige ganz wegfallen». Zum anderen sind es auch neue Themen, welche in der Arbeitswelt Einzug halten: Der Begriff der Nachhaltigkeit fällt dabei oft.

Nachhaltige Geschäftswelt

Gemäss Ronald Schenkel hat die Entwicklung im IT- und Softwarebereich in vielen Branchen disruptive Formen angenommen – es herrsche Fachkräftemangel. Dennoch, ob die Entwicklung im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit ebenso verlaufe, sei schwer zu sagen. Wohl unwahrscheinlich, dass Nachhaltigkeitsexperten bald ebenso heiss begehrt sind wie IT-Fachkräfte. Dennoch sind Weiterbildungen in Nachhaltigkeit eine Option, an die nur die wenigsten denken, die aber wohl langfristig an Relevanz gewinnen werden. «Aufgrund der drastischen Klimaveränderungen und der Dringlichkeit von Massnahmen dürften Spezialisten auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit durchaus mit einem wachsenden Arbeitsmarkt rechnen», schätzt Schenkel.  

Grüne Möglichkeiten

Das Schweizer Weiterbildungssystem ist massgeblich durch den Markt gesteuert, in anderen Worten, durch Angebot und Nachfrage. Nachhaltigkeitsverfechter dürfte es freuen, dass gemäss der Einschätzung des SVEB Nachhaltigkeit auch in der Weiterbildung zu einem zentraleren Thema werden wird. «Themen der Nachhaltigkeit dürften im engeren Sinn stärker ins Angebot rücken.» Dies wohl daher, da Beratung und Planungshilfe in Sachen Nachhaltigkeit für Unternehmen immer wichtiger werden wird. «Insgesamt werden Aspekte der Nachhaltigkeit in vielen Weiterbildungsangeboten auch stärker betont werden. Und wird die Nachfrage danach steigen, wird auch das Angebot breiter werden», so der Experte.

Nachhaltigkeit: Weiterbildung noch dünn gesät

Insgesamt sei aber auffällig, dass Kurse zur Umweltbildung noch eher selten seien, führt Schenkel aus. Viele Angebote operieren lediglich mit nachhaltigen Ansätzen oder beziehen Nachhaltigkeit mit ein, fokussieren sich aber nicht darauf. «Sucht man nach Angeboten zur Nachhaltigkeit im engeren Sinn» so Schenkel weiter, «wird es dünn. Darunter fällt etwa ein CAS in Umweltbildung an der ZHAW oder Kurse von Anbietern wie der Stiftung Silviva». Vorbereitungskurse auf die Berufsprüfung, also Abschlüsse mit eidgenössischem Fachausweis, gibt es zurzeit zwei: «Projektmanagement Natur und Umwelt» und «Umweltberaterin». Als Weiterbildung sollten diese absolviert werden, wenn bereits Erfahrung im Bereich Nachhaltigkeit vorhanden ist. 

Grosses, schlummerndes Potential

Es scheint absehbar, dass Nachhaltigkeit in Zukunft ein immer grösseres Thema spielen wird. Wer intrinsisch motiviert ist, das heisst aus Interesse an der Sache selbst lernt, für den kann eine Weiterbildung sinnstiftend und bereichernd sein. Gut erklärt und dargestellt, macht sich eine Nachhaltigkeitsweiterbildung auf jedem CV gut: Es zeigt, dass man für seine Überzeugungen auch einsteht und arbeitet – wenn man dabei mit seinen Unterlagen nicht den Anschein eines «Weiterbildungstouristen» vermittelt. Nachhaltigkeit als Thema ist hier, um zu bleiben. Je knapper unsere Ressourcen werden, desto unabdingbarer sind Experten, die sich damit auskennen. Dies einzusehen, ist vernünftig. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Umstand eine das Angebot treibende Nachfrage zu kreieren vermag. 

Quellen: Statistik BfS MzB2016, veröffentlicht am 27.08.2018

Text: Jo Widmer

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