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21 Oktober 2020

Ronald Schenkel: Bei Weiterbildung ans Überfachliche denken.

Ronald Schenkel
Ronald Schenkel
Leiter Kommunikation, Marketing, Events, Schweizerischer Verband für Weiterbildung

Eine Weiterbildung hilft der Karriere. Wie ein Mantra unterlegen Weiterbildungsinstitutionen ihre Angebote mit diesem Satz. Und eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer vertraute bisher darauf. 85 Prozent jener, die eine berufliche Weiterbildung machten, zielten damit in der Vergangenheit auf eine Erhöhung ihrer Karrierechancen ab. Das war vor Corona. Welche werden die Gründe für eine Weiterbildung nach der Pandemie sein? 

Wahrscheinlich wird weiterhin die Aussicht auf Karriere ein zentraler Beweggrund dafür sein, sich weiterzubilden. Vielleicht aber vermehrt auch deshalb, um sich neu zu positionieren. Aber welche Weiterbildung ist langfristig geeignet, Karrierechancen aufzubauen? Die Coronapandemie hat gezeigt, wie leicht wirtschaftliche Stabilität ins Wanken gerät und als sicher geltende Jobs plötzlich auf der Kippe stehen. Vor diesem Szenario sollte man sich also überlegen, welche Kompetenzen einen wirklich weiterbringen und was allenfalls lediglich eine Vertiefung von fachlichem Wissen bringt. 

Die Verschiebung von Kompetenzen

Nicht im Zuge von Corona, sondern vielmehr vor dem Hintergrund der Digitalisierung prognostizierten in der Vergangenheit verschiedene Unternehmensbefragungen eine Verschiebung von Kompetenzen. Zwar stand die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, konstant an der Spitze der nachgefragten Kompetenzen. Doch zu den Aufsteigern gehören vor allem kritisches Denken und Kreativität. Letztere, so sagt man voraus, werde vor allem nötig sein, um mit der Flut neuer Produkte, neuer Technologien und neuen Arbeitsmethoden umgehen zu können. Nach den Erfahrungen der Pandemie dürfte Kreativität auch deshalb höher im Kurs stehen. Sie hilft uns, angesichts des völlig Unerwarteten nicht die Waffen strecken zu müssen.

Man sollte sich überlegen, welche Kompetenzen einen wirklich weiterbringen.

Ronald Schenkel, Leiter Kommunikation, Marketing, Events, Schweizerischer Verband für Weiterbildung

Doch wie sieht es auf Seiten der Angebote aus? Man stellt fest, dass die Programme und Angebote der berufsorientierten Weiterbildung mit einem klaren Funktionsbezug in den letzten Jahren ausgebaut, feiner gegliedert und gestuft sind. Die Weiterbildung reagierte damit natürlich auf Entwicklungen in der Arbeitswelt. Berufliche Funktionen sind immer klarer definiert und mitunter auch Kleinteilige. Dementsprechend kann eine Ausbildung dafür geschneidert werden – stets mit dem Versprechen auf eine Stelle oder einen Karriereschritt. Unerwähnt bleibt dabei oft, dass diese neuen Curricula infrage gestellt werden, wenn neuerliche Veränderungen oder Umstrukturierungen stattfinden – oder eben das Unerwartete über uns hereinbricht.

Was bringt mich weiter?

Wer also eine Weiterbildung ins Auge fasst, sollte sich genauer überlegen, was sie vor allem langfristig zur Entwicklung der eigenen Arbeitsmarktfähigkeit beiträgt, zumal diese heute und in Zukunft nicht unbedingt und allein an fachbezogenen Kompetenzen gemessen wird, sondern eben an jenen erwähnten überfachlichen. Das wiederum bedeutet, dass man sich nach entsprechenden Angeboten umschauen sollte, die die Vermittlung solcher Kompetenzen in Aussicht stellen. Das kann durchaus auch in einem fachbezogenen Kurs der Fall sein, muss aber nicht. Wirklich nützliche Weiterbildung erschöpft sich nicht in einem Diplom oder Zertifikat, sondern misst sich daran, wie weit man sich entwickeln kann. Sucht man mit diesem Ansatz eine Weiterbildung, liegt man vermutlich richtig.

Text Ronald Schenkel

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