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Zürich
25 Februar 2021

Worauf es bei der Inklusion ankommt.

Was braucht es für die gelungene Integration von Menschen mit Behinderung in unsere Gesellschaft? Sind das Behindertengleichstellungsgesetz und der damit einhergehende Abbau infrastruktureller Barrieren ausreichend? Oder braucht es mehr? 

Der Tramführer steigt aus seiner Führerkabine und klappt mir die Rampe zum Tram herunter. Das machen einige gern, andere nicht so. Man sieht es ihnen jeweils am Gesicht an. Mit meinem Elektrorollstuhl fahre ich in das Tram und bedanke mich. Ich, seit gut 20 Jahren unfallbedingt Tetraplegiker und damit von der Schulter an gelähmt, habe mich daran gewöhnt, alle für alles bemühen zu müssen.

Ich, seit gut 20 Jahren unfallbedingt Tetraplegiker und damit von der Schulter an gelähmt, habe mich daran gewöhnt, alle für alles bemühen zu müssen.

Raphael Petit, Kommunikationsspezialist bei Kommunikation EDA

Ich stehe vor meinem Bürogebäude und rufe die Loge an. Die oder der Sicherheitsbeamte öffnet mir die Hintertüre, damit ich ebenerdig in das Gebäude gelange. Ich bedanke mich. Nach Verlassen des Lifts klopfe ich an die Stockwerktüre, eine Mitarbeiterin aus den umliegenden Büros öffnet. Merci. Bei den Büros meines eigenen Teams angelangt, frage ich eine meiner Kolleginnen oder Kollegen um Hilfe. Ich werde zu meinem Büro geleitet, dann zieht man mir die Jacke aus, startet den Computer und stellt mir einen Krug mit Wasser hin. Danach fange ich an zu arbeiten, von hier an dank einer kopfgesteuerten Maus und einer speziell kleinen Tastatur selbstständig.

Barrierefrei im Internet

Ich arbeite meine Mails durch, es ist eine Einladung zum Teamevent darunter. Da ich seit über sieben Jahren im Team bin, suchen die Organisierenden inzwischen ganz von alleine eine zugängliche Lokalität aus. Eine meiner Zuständigkeiten im Büro ist die Barrierefreiheit der Webseiten des EDA. Sprich ob unsere Webseiten auch für Menschen mit einer Seh- oder einer Hörbehinderung zugänglich sind, wie es das Behindertengleichstellungsgesetz den Bundesbehörden vorschreibt. Die Stiftung «Zugang für Alle» attestiert den Webseiten des Bundes in einer Studie 2016 ein allgemein gutes Urteil, jedoch auch viel Handlungsbedarf. Insbesondere PDF-Dateien sind zumeist nicht barrierefrei. Die schiere Anzahl der Dateien, die auf Bundeswebseiten zu finden sind, sowie die Anzahl an Menschen, die diese bearbeiten, machen dieses Anliegen zu einem Mammutprojekt.

So wichtig ist Integration

Es ist Mittag, ich fahre in unsere Cafeteria. Meine Kolleginnen und Kollegen sind schon da. Es bietet sich jemand an, mir mein Essen einzugeben. Wir diskutieren über die Integration von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft. Wir sprechen über den Abbau technischer Hemmnisse wie der Rollstuhlgängigkeit von Transportmitteln und Gebäuden, der Untertitelung von Videoinhalten, der Wichtigkeit von Vorleseprogrammen. Es ist jedoch nicht nur eine barrierefreie Infrastruktur, welche die Integration von Menschen mit Behinderung in unsere Gesellschaft ausmacht. Ebenso wichtig ist Bereitschaft von Menschen, da Unterstützung zu leisten, wo sie gebraucht wird. Das beginnt beim Personalverantwortlichen, der Bewerbungsdossiers durchschaut, und hört bei meiner Arbeitskollegin auf, die mir gerade mein Essen eingibt. Erst wenn der Wille zur Integration in den Köpfen aller angekommen ist, sind Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft integriert.

Text: Raphael Petit, Kommunikationsspezialist
bei Kommunikation EDA 

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