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Zürich
3 Juni 2020

Mit Kochlöffel und Teigschaber in der Küche durch die Krise.

Das Kochen und Backen erlebt momentan ein Revival. Mehr Zeit zu Hause und weniger Möglichkeiten, sich auswärts zu verpflegen, bringen immer mehr Menschen dazu, die eigene Küche wiederzuentdecken. Das tut dem Magen und auch der Seele gut.

Flexible Arbeitszeiten, volle Terminkalender und zahlreiche Hobbys sorgen dafür, dass viele Menschen ständig im Schuss sind. Da bleibt kaum Zeit, sich um die eigenen Mahlzeiten zu kümmern und übers Essen gross nachzudenken. Dabei könnte man vom Kochen und Backen zu Hause von vielen Vorteilen profitieren.

Das Leben bereichern

In Zeiten, in welchen die Gastroszene stillsteht und man sich mehrheitlich zu Hause versorgen soll, muss umgedacht werden. Online bestellen ist zwar immer noch möglich, jedoch geht es mit der Zeit ins Geld, sich täglich Gerichte vor die Türschwelle zu bestellen. Warum also nicht die aktuelle Situation für eine Umstellung im Leben nutzen?

Sich in der Küche mehr auszuleben, hat nämlich auch psychologische Vorteile: Wenn man viel Zeit und Mühe in die Vorbereitung einer Mahlzeit investiert, sagt sich das menschliche Gehirn, dass es einfach gut schmecken muss. Man entwickelt eine Erwartungshaltung, welche sogar noch stärker ausgeprägt ist, wenn man für die Liebsten kocht. Man sagt also nicht umsonst, dass Selbstgekochtes besser schmeckt als im Restaurant. Wenn etwas Selbstgemachtes auf dem Teller landet, hat man sich nicht nur kreativ betätigt, sondern macht sich selbst und anderen Menschen eine Freude.

Nachhaltigkeit und Fingerfood

Kochen und Essen ist geprägt von Trends. Einer der meist verbreiteten Trends ist der Griff zu Lebensmitteln aus nachhaltiger Landwirtschaft. Produzenten wie auch Konsumenten achten seit Jahren immer mehr darauf, wie die Nutzung der Felder die Bodengesundheit verbessern und beim Kampf gegen den Klimawandel helfen kann. Bio-Produkte und regionale Nahrungsmittel sind beliebt und werden je länger je mehr in der hauseigenen Küche gebraucht.

Kochen und Essen ist geprägt von Trends.

Aufgrund des schnelllebigen und mobilen Zeitalters tendiert ein Grossteil der Menschen auch dazu, die Essensstruktur mit drei regelmässigen Mahlzeiten hinter sich zu lassen. Viele kleinere Snacks und Gerichte auf den Tag verteilt zu sich zu nehmen, macht das Essen einfacher und nimmt nicht viel Zeit in Anspruch. Der Trend zu «Snackisfaction» vereinfacht das Kochen und inspiriert gleichzeitig, Finger-Food und kleinere Snacks aus fremden kulturellen Küchen in die eigene zu integrieren.

Den Alltag ausbremsen

Ein weiterer, aktuell stark aufkommender Trend ist das Backen. Mit wenig Zutaten kann man ein knackiges Brot oder einen leckeren Kuchen herzaubern – und weiss gleichzeitig, was drin ist. Doch auch das steigende Bedürfnis nach einer Pause vom stressigen Alltag und dem Abschalten bringt immer mehr Menschen dazu, selbst Hand anzulegen. Das findet auch Marcel Paa, Schweizer Bäcker- und Konditormeister: «Backen hat – gerade in dieser hektischen Zeit – etwas Meditatives. Man kann herunterfahren und dabei erst noch sensationelle Produkte erstellen. Auch kann man als Hobbybäcker gesunde und regionale Produkte verwenden, die einem guttun.»

Achtsamkeit durch Backwaren

Exaktes Abmessen und beruhigendes Teigkneten: Stress beim Backen ist fehl am Platz und führt in der Regel dazu, dass das Ergebnis nicht gut herauskommt. Entgegen dem modernen Leben ist beim Backen Ruhe und Geduld gefragt, was bei vielen Menschen im Alltag fehlt. Vor allem in herausfordernden Zeiten ist das Backen ein Phänomen: Es ist eine preisgünstige, stressmindernde und kreative Ablenkung für zu Hause.

Brot beschäftigt Jung und Alt

Wer zurzeit aufmerksam durch die Läden wandert, hat eventuell bemerkt, dass die Nachfrage nach Mehl gross ist. Das hat auch seinen Grund: «Seit Längerem besteht ein grosser Hype zum Brot selber Backen. Dabei geht es vor allem um Sauerteig und Hefewasser – zurück zum Ursprung ist hier die Devise», sagt Marcel Paa. Da die Menschen wieder mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, finden sie wieder Interesse daran, sich in der Küche auszutoben.

Stress beim Backen ist fehl am Platz und führt in der Regel dazu, dass das Ergebnis nicht gut herauskommt.

Das eigene Brot zu backen, ist gleichzeitig auch etwas für die ganze Familie: «Es macht einfach unglaublich Spass, tolle und gesunde Gebäcke aus dem Ofen zu ziehen. Und man kann erst noch die Kinder mit einbeziehen», so der Schweizer Bäcker- und Konditormeister weiter. Die jüngere Generation lernt dabei, die Arbeit hinter einem klassischen Brot wertzuschätzen und kann sich zudem kreativ betätigen.

Wenig Kosten für den einfachen Einstieg

Um mit den Backen beginnen zu können, braucht es keine mehrwöchigen und teuren Kurse. Das Wissen rund um Grundlagen und Zusammenhänge für die ersten Backprojekte kann man sich auch bequem von zu Hause aus aneignen. Erste Projekte sollten dabei aber nicht zu gross sein: «Als Einstieg empfehle ich ein Brot oder einen klassischen Kuchen zu backen. So lernt man grundlegende Bearbeitungsvorgänge und Techniken. Wichtig dabei ist, sich genau an die Rezepte zu halten», empfiehlt Marcel Paa.

Das Backen ist so beliebt wie lange nicht mehr. Zusammen mit vielen anderen Küchentrends sorgt es auch in herausfordernden Zeiten dafür, dass man die Zeit zu Hause für Gutes nutzt und spannende neue Projekte verfolgen kann.

Text Dominic Meier

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