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Zürich
11 Juli 2020

Von der Neugier in die Gewöhnung.

Wir leben in einer speziellen Zeit. Viele von uns arbeiten im Homeoffice, während auch die Kinder zu Hause betreut werden müssen. Wir «zoomen» mit unseren Freunden und versuchen, uns mit Bastel- oder Gartenarbeit die Freizeit zu vertreiben. Wir stecken in einer nie da gewesenen Situation – und trotzdem schleicht sich langsam die Normalität ein. 

Ronia Schiftan, MSc Psychologin
Ronia Schiftan
MSc Psychologin

Zu Beginn waren viele neugierig, ängstlich, ja gar verwirrt und dachten: Was kommt da auf uns zu? Die Anfangsphase war von Aktivität geprägt. Der Alltag musste neu organisiert, das Homeoffice eingerichtet und alle Tools für die Videokommunikation ausgetestet werden. Doch langsam beginnen wir, uns an die Sicherheitsauflagen zu gewöhnen. Der Alltag funktioniert mal besser, mal schlechter, aber ganz neu fühlt sich die neue Tagesstruktur nicht mehr an. 

Umgang mit Langeweile

Während bestimmte Menschen in der Neuorganisation ihres Alltags aufblühen, stellt sich bei anderen die grosse Langeweile ein. Wie gehen wir damit um?

  • Bleib kreativ! Durch kreative Tätigkeiten können wir uns gut ablenken und Neues schaffen und entdecken. Vielleicht lernst du jetzt mit YouTube-Videos ein Instrument, nähst ein neues Sofakissen oder forderst dich mit einem neuen Kochrezept heraus?
  • Bleib aktiv! Die körperliche Aktivität ist nicht nur sehr wichtig für deine physische Gesundheit, sondern hilft auch deiner Psyche. Sorgen und Ängste versetzten den Körper in einen Spannungszustand. Bewegung ist der einfachste Weg zur Entspannung. Gehe alleine an die frische Luft spazieren, schaue dir die spriessende Natur an. Auch zu Hause kannst du dich bewegen. Tanze zu deiner Lieblingsmusik durch die Wohnung oder schüttle dich so lange, bis du so richtig ins Schwitzen kommst. Mit der ganzen Familie zusammen ist das am lustigsten.
  • Bleib sozial! Soziale Kontakte sind elementar, um die aktuelle Situation durchzustehen. Ob über Videokommunikation, Brief, Telefon oder auch Kurznachrichten – probiere verschiedene Kommunikationswege aus und finde heraus, wie du deine Liebsten am besten spürst. Hast du dich schon einmal mit den Nachbarn zu einem balkonübergreifenden Apéro verabredet? Jetzt ist der Moment, solche Dinge auszuprobieren.
Langsam zurück in die alte Normalität

Wir sind nun dran, durchzuatmen, die Situation auszuhalten und das Beste aus ihr zu machen. Nun rechnen wir damit, dass in absehbarer Zeit immer wieder neue Lockerungen auf uns zukommen werden. Wir haben gelernt, Abstand zu halten, zu Hause zu bleiben und die Hygieneregeln umzusetzen. Die neuen Gewohnheiten wurden zur Normalität. Was passiert nun, wenn die Regeln wieder gelockert werden? 

Langsam beginnen wir, uns an die Sicherheitsauflagen zu gewöhnen.

Ronia Schiftan, MSc Psychologin
Ängste rund um die Lockerung

Die Lockerung der Massnahmen kann bei einigen Menschen auch Sorgen und Ängste auslösen. Das ist absolut normal, denn auch Lockerungen bringen Veränderungen und damit verbundene Unsicherheiten: Kommen sie zu früh? Wie sieht meine Arbeitssituation aus, wenn sich die Lage wieder normalisiert? Werde ich dann auf einmal von sozialen Aktivitäten überflutet? 

  • Rede über deine Ängste und Sorgen! Es ist absolut normal, dass jede Alltagsveränderung wiederum auch psychisch verarbeitet werden muss. Bleibe über deine Gefühle im Gespräch. Teile deine Gedanken mit Freunden und Familie.
  • Hole dir Hilfe! Wenn du merkst, dass deine Sorgen Überhand nehmen und sie deinen Alltag beeinträchtigen, hol dir Hilfe von Fachpersonen. Auf www.dureschnufe.ch findest du viele Verweise auf Angebote und Anlaufstellen für jede Form von Sorgen und alltagsnahe Tipps und Tricks zu deiner psychischen Gesundheit während der Coronazeit.
Schritt für Schritt

Bedenke, dass wie die Einführung der Sicherheitsmassnahmen auch deren Lockerung nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen. Gewöhne dich langsam und Schritt für Schritt an die neue Situation. Wir haben eine sehr intensive Zeit hinter uns und schon sehr viel erreicht. Nun schaffen wir auch die nächsten Schritte, bis wir diese Zeit überstanden haben. Niemand von uns weiss, wie lange das alles gehen wird. Lasst uns flexibel bleiben, gemeinsam «dureschnufe» und aufeinander achten! 

Text Ronia Schiftan

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