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Zürich
14 Juli 2020

Duzen und Siezen ohne Missverständnisse.

Wirkt das jetzt unhöflich, wenn ich ihn jetzt einfach duze? Oder komme ich zu zugeknöpft rüber, wenn ich sie jetzt mit Sie anspreche? Duzen und Siezen führt oft zu Unklarheiten und Missverständnissen. Um diese zu vermeiden, gilt es einige wichtige Punkte zu beachten.

«Wir freuen uns auf deinen Besuch» Diesen Satz liest man immer häufiger auf Websites von Geschäften oder direkt in der Filiale vor Ort. Duzen scheint im Trend zu liegen. Auch immer mehr Unternehmen verabschieden sich vom Sie. Es ist somit längst keine Seltenheit mehr, dass alle Mitarbeitenden in einem Unternehmen vom CEO bis zur Praktikantin alle per Du sind. Dennoch hat dieser Wandel das Sie nie verdrängt. Wie sieht es aber im Alltag aus?

«Erwachsene ab etwa 17 Jahren werden grundsätzlich gesiezt, auch Lernende. Mit dem Sie möchte man Respekt ausdrücken», klärt Kniggeexpertin Susanne Abplanalp aus dem zürcherischen Thalwil auf. Eine simple Regel, die trotzdem immer wieder zu zahlreichen Missverständnissen führt (siehe Infobox). Das Urkonzept des Siezens lässt sich übrigens mehr als tausend Jahre in die Vergangenheit zurückverfolgen. «Ungefähr im 900 nach Christus ging man dazu über für Ranghöhere das Ihr zu verwenden. Etwa im 19. Jahrhundert wurde das Ihr dann durch das Sie ersetzt», weiss die Expertin.

Erwachsene ab etwa 17 Jahren werden grundsätzlich gesiezt, auch Lernende. Mit dem Sie möchte man Respekt ausdrücken.

Susanne Abplanalp

Wer wem das Du anbieten darf

Obwohl das zunehmende Duzen zwar Konventionen lockert, existieren dennoch nach wie vor Regeln, die es zu befolgen gilt. So darf nicht jede Person der anderen das Du anbieten. Dabei gilt es jedoch stets, die berufliche und private Ebene getrennt voneinander zu betrachten. «Im Business gilt immer Hierarchie, Geschlecht und Alter spielen dabei keine Rolle. Es ist also immer die höhergestellte Person, die das Du anbietet», so Susanne Abplanalp. «Konkret heiss das: Der Chef bietet dem Mitarbeitenden das Du an und der Kunde bietet dem Chef und den Mitarbeitenden das Du an.» Privat biete laut der Expertin die wesentlich ältere Person der jüngeren Person das Du an. Nicht zuletzt spiele privat auch das Geschlecht eine Rolle: Es ist üblich, dass die Frau dem Mann das Du anbietet. Diese Regeln sind aber nicht in Stein gemeisselt und werden laufend angepasst – es ist durchaus denkbar, dass diese Gender-Regel mit der Zeit angepasst wird.

Warum nicht jeden duzen?

Im Englischen kann man jeden Menschen mit «you» ansprechen – egal ob alt oder jung, Freund oder Fremder. Warum macht man es im Deutschen nicht gleich und duzt alle Menschen? «Das Siezen ist meines Erachtens nicht überholt», meint Susanne Abplanalp dazu. «Traditionen lassen sich nicht so schnell umwerfen. Das Du wurde vielerorts zu schnell und ungefragt übergestülpt und passt nicht immer zum Verhalten und zum Führungsstil. Es ist schon eher wieder der Trend auf mehr Zurückhaltung mit dem Du spürbar.» In der Arbeitswelt ist es laut der Expertin weiterhin wichtig, dass das Du zur Firmenphilosophie passt: «Wenn man streng hierarchisch führt und dann als Vorgesetzter den Mitarbeitenden das Du verordnet, passt es nicht.»

Das Siezen ist meines Erachtens nicht überholt. Traditionen lassen sich nicht so schnell umwerfen.

Susanne Abplanalp

Oft werde das Du angewendet, weil es einfacher ist. Dieser Gedanke gilt aber nicht als Königsweg. «Es kann auch passender sein, wenn man sich der anderen Person zuerst annähert und erst nach der Kennenlernphase entscheidet, ob man per Du sein möchte», rät Susanne Abplanalp. Dann habe man sich das Du sozusagen mit dem Vertrauen erarbeitet. So kann das Du auch eine Art Belohnung darstellen. Die Expertin beobachtet dies auch in der Praxis: «Ich kenne Vorgesetzte, die generell Ihren Mitarbeitenden das Du erst nach bestandener Probezeit anbieten. Als Vorgesetzter sollten Sie alle Mitarbeitenden gleichbehandeln. Wenn Sie mit dem neuen Mitarbeitenden in der ersten Woche per Du sind und dienstältere Mitarbeitende immer noch siezen, wird dies genau beobachtet und kann bei den Mitarbeitenden nicht so gut ankommen.»

Wenn das Duzen zu ungewohnt erscheint

Dem einen oder anderen dürfte diese Situation bekannt sein: Man ist an einem neuen Ort und hat keine Ahnung, ob hier geduzt oder gesiezt wird. Aber auch solche Situationen müssen nicht zwingend einen unangenehmen Verlauf nehmen. «Als Neuling können Sie fragen wie es üblich ist in der Firma oder dem Club. Immer besser ist es, mit Sie zu starten oder abzuwarten wie sich das Gegenüber verhält», rät Susanne Abplanalp. «Wenn Sie zu einer Gruppe stossen die Sie noch nicht kennen, sagen Sie zum Beispiel Grüezi mitenand, ich bin Susanne Abplanalp und neu hier. Dann könnte jemand aus der Gruppe die Initiative ergreifen, sich selber vorstellen und sagen, dass es in der Firma/Club üblich ist sich zu duzen. Ansonsten gilt das Sie», betont die Expertin.

Das Du ungeniert ablehnen

Wird einem das Du angeboten, fühlt man sich oft gezwungen, dieses anzunehmen – auch, wenn einem das Sie lieber wäre. Darf ich aber das Du einfach so ablehnen? «Ja, das darf man. Insbesondere, wenn Sie sich bei einem Sie (noch) wohler fühlen», meint Susanne Abplanalp. «Gut wäre aber, wenn Sie noch eine Begründung anfügen. Zum Beispiel sagen Sie, dass Sie die andere Person zuerst noch besser kennenlernen möchten oder dass Sie zum Beispiel alle Lieferanten oder alle im Team gleich behandeln möchten.» Das Angebot zum Du ist zwar mit einem wohlwollenden Hintergedanken verknüpft, bringt aber dennoch Tücken mit sich. Das beobachtet auch Susanne Abplanalp: «Die Krux ist, dass das Du oft nicht angeboten wird, sondern überfallsmässig und ungefragt geduzt wird. Gut fahren Sie, wenn Sie zum Beispiel sagen: Wir haben in diesem Projekt eine sehr enge Zusammenarbeit ich würde es daher schön finden, wenn wir uns gegenseitig duzen. Sind Sie damit einverstanden? Wenn Sie sich nur mit dem Vornamen vorstellen, können Sie ins Fettnäpfchen treten, weil sich alle anderen immer noch siezen.» Neulinge sollten nicht die Regeln aufstellen, sondern sich den Regeln der anderen anpassen, wie die Expertin weiterhin nahe legt.

Duzen oder Siezen? Die häufigsten Missverständnisse laut Susanne Abplanalp

Sie sind mit jemanden per Du und dann lernen Sie dessen Partner oder Begleitperson kennen. Sie sind nicht automatisch per Du, sondern warten ab wie die Person Ihnen vorgestellt wird.

Wer jung aussieht, ist vielleicht schon älter und möchte gesiezt werden.

Deutsche und vor allem Westschweizer und Franzosen ziehen es oft vor beim Sie zu bleiben, vor allem im geschäftlichen Umfeld.

Wenn Sie jemanden duzen den Sie nicht kennen, könnte diese Person dies als mangelnden Respekt verstehen.

In internationalen Firmen spricht man Englisch mit Kunden in der «you» Form. Man ist hingegen mit den deutschsprachigen Kollegen per Sie.

Es stellt sich jemand mir Vor- und Nachname vor. Dies wird oft als Angebot für das Du gedeutet. Es bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Sie mit der anderen Person per du sein möchten, sondern es ist einfach persönlicher und heute üblich.

Text: Lars Gabriel Meier

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