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23 November 2020

Henry Dunant – Der Mann hinter dem Roten Kreuz.

Sein Hilfswerk unterstützt und hilft Menschen in den verschiedensten Situationen. Am 8. Mai ist Henry Dunants Geburtstag sowie der Welttag des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds. Ein Porträt über einen der wichtigsten Männer der Schweizer Geschichte, der durch einen Zufall lebenslang geprägt wurde.

Die Einsätze des Roten Kreuzes oder des Roten Halbmonds sind auf der ganzen Welt bekannt. Dabei wird immer einem wichtigen Zweck nachgegangen: Das menschliche Leid soll verhindert und gelindert und die menschliche Würde geschützt werden. Der Ursprung dieser weltweiten Hilfsorganisation liegt in Genf – denn dort gründete sie Henry Dunant im Jahr 1863 aufgrund seiner erlebten Ereignisse.

Henry Dunant um 1860
Prägende Reise

Der Genfer Henry Dunant wurde am 8. Mai 1828 in Genf in ein sehr sozial und politisch engagiertes Elternhaus hineingeboren. Die Berufe und Einstellungen seiner Eltern brachten ihm früh bei, was es heisst, Verantwortung für andere Menschen zu zeigen und sich humanitär zu betätigen. Während seiner Arbeit als Geschäftsmann reiste er oft in fremde Länder und kam mit anderen Kulturen und Menschen in Austausch.

Zwischen Sardinien mit der Unterstützung von Napoleon III und dem damaligen Kaisertum Österreich wurde im Jahr 1859 der zweite italienische Unabhängigkeitskrieg ausgetragen. Die entscheidende Schlacht dieses Krieges fand in Solferino in der Nähe von Mailand statt. Durch Zufall kam Henry Dunant als Reisender an diesem Albtraum vorbei: Auf dem Schlachtfeld lagen abertausende von verwundeten und verstümmelten Soldaten ohne jegliche medizinische Versorgung. In den umliegenden Dörfern pflegten und umsorgten die heimischen Frauen einige Verwundete. Auch Henry Dunant half bei den Behandlungen so gut es ging mit. Ihm war aber auch klar, dass es an Helfern, medizinischem Material und Fachwissen fehlte. Dieses Schreckensszenario des Schlachtfeldes, aber auch die Fürsorglichkeit der Pflegerinnen, prägte den Schweizer auf seinem weiteren Lebensweg stark.

Ein Buch schreibt Geschichte

Nach einiger Zeit der Pflege von Soldaten im Kriegslazarett begab er sich wieder auf den Weg nach Genf. Hier begann er drei Jahre später – im Jahr 1962 – seine Eindrücke der Kriegsszenarien auf Papier zu bringen. Von seinem Werk «Eine Erinnerung an Solferino» druckte er 1500 Exemplare. Diese verteilte er in seinem stark vernetzten Umfeld und Freundeskreis. In diesem Buch erzählte er von den Umständen der Verwundetenpflege in diesem Krieg: Es brauchte neutrale Einheiten, die Soldaten beider Kriegsparteien pflegten und der Schutz der Verwundeten musste über allem stehen. Er forderte, dass Verträge zwischen Ländern und Kriegsparteien abgeschlossen und neutrale Hilfsorganisationen gegründet werden.

Henry Dunant forderte, dass Verträge zwischen Ländern und Kriegsparteien abgeschlossen und neutrale Hilfsorganisationen gegründet werden.

Das Buch wurde im heutigen Jargon zu einem regelrechten Bestseller. Es verbreitete sich rasend und fand sogar in einigen europäischen Königshäusern grossen Zuspruch. Schliesslich landete es auf dem Tisch des Genfer Juristen Gustave Moynier. Dieser gewährte daraufhin Henry Dunant den Zugang zur Genfer Gemeinnützigen Gemeinschaft. Das ethische und humanitäre Verhalten in Kriegssituationen und die Umsorgung von verletzten Soldaten war auch den Mitgliedern dieser Gesellschaft ein wichtiger Aspekt zur Linderung des Verlustes von Menschenleben im Kriegsfall. Ein Komitee von fünf Personen schrieb sich dem Aufbau einer solcher neutralen Organisation zu und gründete am 17. Februar 1863 formell das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.

Tiefer Fall

Obwohl Henry Dunant mit seiner Idee das Rote Kreuz gründete und dadurch Tausende von Menschen rund um den Globus humanitäre Hilfe erhalten, war sein Leben nicht einfach. Nach dem ersten Gründungserfolg kam es zwischen Dunant und Moynier zu Streitereien. Während ersterer den Schutz der Neutralität von Pflegern und Lazaretten als Muss betrachtete, war die für den Juristen Moynier eine undurchführbarer Aspekt, den Dunant schnell vergessen sollte. Dieser stellte sich jedoch dagegen und hielt weiterhin an der idealisierten Neutralität der Hilfsorganisation fest.

Der Geschäftsmann Dunant, der oft in Algerien Handel betrieb, litt aufgrund mehrerer schlimmer Ereignisse in diesem Land zunehmend an finanzieller Not. 1867 stürzte sein Handelsunternehmen wirtschaftlich komplett ab, musste gezwungenermassen Konkurs anmelden und wurde angeklagt. Das Komitee des Roten Kreuzes schloss ihn aus und seine Kontakte aus den höheren gesellschaftlichen Kreisen, in denen er sich zu dieser Zeit bewegte, wendeten sich von ihm ab. Dieser soziale Abstieg führte dazu, dass er danach viele Jahre in verschiedenen europäischen Städten in schwerer Armut lebte und sich nur durch Gelegenheitsjobs über Wasser halten konnte.

Herny Dunants Grab auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich.
Alleine in Heiden

Nach Jahren im Ausland ­– unter anderem Stuttgart, Paris und London – zog es den Genfer wieder in die Schweiz, genauer ins appenzellische Heiden. In diesem Dorf lebte er bescheiden und zurückgezogen vor sich hin und freundete sich mit den Bewohnern an. Durch einen weiteren Zufall traf Henry Dunant auf den Chefredaktoren der Zeitung «Die Ostschweiz», welcher ihn in einem Artikel porträtierte; ein Artikel, der ihm erneut zu einer Welle an Sympathiebekundungen und schweizweiter Unterstützung verhalf. 1901 erhielt er für sein humanitäres Engagement und sein Lebenswerk den ersten Friedensnobelpreis und weitere Ehrungen.

Nach Jahren im Ausland ­– unter anderem Stuttgart, Paris und London – zog es den Genfer wieder in die Schweiz.

Jedoch verfiel der in die Tage gekommene Dunant auch immer schwereren Wahnvorstellungen und Depressionen. Seinen Lebensabend verbrachte er weiterhin alleine und in sich gekehrt in Heiden. Mit den Worten «Wie finster wird es um mich her» verstarb Henry Dunant schliesslich am 30. Oktober 1910 und hinterliess sein Lebenswerk, das bis heute weitergetragen wird und für Menschen rund um die Welt humanitäre Hilfe leistet.

Das Porträt einer Zeitgenossin Dunants gibt es hier.

Text: Flavia Ulrich

Bilder: Wikimedia, Fokus

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